Die zehn ... teuersten Motorräder aller Zeiten
Die handgefertigte Confederate Wraith B120 - so die Meinung vieler - ist wahrlich eine Strafe: Unbequem sei der Einsitzer aus der Manufaktur in Birmingham im US-Bundesstaat Alabama und im normalen Betrieb kaum zu fahren und das zum Preis von 80.000 Dollar. Auch die Ducati Desmosedici für 72.500 Dollar oder die MV Agusta F4CC der italienischen Harley-Davidson-Tochter eignen sich nicht zum Brötchenholen doch dafür ist der 120.000-Dollar-Hobel auch nicht gedacht.
Über solch kleinliche Einschränkungen und marginale Preise können Sammler von historischen Motorrädern ohnehin nur lachen seit etwa drei, vier Jahren tobt in der Oldtimer-Szene ein Bieterkampf um besterhaltene Exemplare der Luxusmotorräder von Einst. Gefahren werden diese Schmuckstücke ohnehin nicht haben wollen und ins Wohnzimmer stellen, heißt die Devise.
Maß aller Dinge sind bei dem inflationären Wettbieten englische Maschinen der Marken Vincent und Brough aus den dreißiger und vierziger Jahren sowie einige exotische Amerikaner dass alte deutsche Maschinen wie die Wanderer, Ardi oder Max eher im Mittelfeld der Versteigerungen verschwinden, liegt an dem entscheidenden Faktor der Anzahl der verfügbaren Maschinen und vor allem am Auktionsort. Das Geschäft ist fest in der Hand der beiden Häuser Bonhams & Butterfields sowie MidAmerica, die fast ausschließlich in den USA und London auktionieren.
Und dort sitzt bei den fanatischen Liebhabern der Unikate das Geld trotz Finanzkrise immer noch locker sieben von zehn Höchstpreisen wurden im Jahr 2008 erzielt. Fast eine halbe Million Euro hat das teuerste Angebot erlöst.
Hier die aktuelle Top-Liste.
1. Cyclone Board Track Racer - 430.000 Euro
Von den gelben Rennmaschinen wurde in den Jahren 1915 bis 1917 rund ein Dutzend von der Joerns Motor Manufacturing Company in St. Paul, Minnesota, gebaut. Dann wurde die Produktion wegen der hohen Kosten eingestellt.
Nur zwei der Maschinen, die den Konkurrenten zu ihrer Zeit technisch weit voraus waren, sind im Original erhalten eine Cyclone von 1915 erzielte bei der Versteigerung im Juli 2008 in Monterey, Kalifornien, den Rekordpreis von 430.000 Euro.
2. Supercharged Vincent Black Lightning - 280.000 Euro
Nach dem Zweiten Weltkrieg versuchten viele Hersteller, den Geschwindigkeitsweltrekord für Motorräder auf den Bonneville Salt Flats in Utah zu brechen, den BMW seit 1937 mit 279 km/h hielt. Reg Dearden, ein britischer Vincent-Händler, rüstete eine seriennahe Vincent mit Renngetriebe, speziellen Vergasern und Turbolader aus, um BMW den Titel zu entreißen doch die Maschine kam nie zum Einsatz.
Das Einzelstück aus dem Jahr 1949 wurde am 19. Oktober 2008 im britischen Stafford für 280.000 Euro ersteigert.
3. Vincent-HRD Series-A Rapide - 250.000 Euro
Die englische Edelmarke Vincent baute ab 1936 ihr Top-Modell, die HRD Series-A Rapide, in verschwindend geringen Stückzahlen bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs und dem Stopp der Produktion im Jahr 1939 entstanden höchsten 70 Stück.
Davon sind heute weltweit fahrbereit und mit Originalpapieren kaum ein Dutzend zu finden. Die Maschine aus dem Fundus des 2007 verstorbenen britischen Sammlers Brian Verrall kam im September 2008 in London für 250.000 Euro unter den Hammer von Bonhams.
4. Zenith-JAP 8/45hp mit Seitenwagen - 225.000 Euro
Als der britische Hersteller Zenith im Jahr 1927 die Zenith-JAP 8/45hp zum Neupreis von 140 Pfund anbot, schlug der erste Besitzer Roland Martin spontan zu. Seitdem hat die Maschine, die zwei Jahre später mit einem Graisley-Seitenwagen ausgerüstet wurde, mehrfach den Besitzer gewechselt, hat aber der ursprünglichen Bestimmung treu gedient: Rennbetrieb. Noch 2007 wurde die Maschine auf historischen Rallyes und Rennen gefahren als einzige Zenith mit JAP-Motor, die in Großbritannien erhalten ist.
Sie erlöste im September 2008 auf der gleichen Versteigerung in der Londoner Bond Street, auf der auch die Vincent HRD den Besitzer wechselte, 225.000 Euro.
5. Brough Superior 996cc SS100 - 211.000 Euro
Machos und Motorräder ergeben ein gutes Paar nicht erst seitdem Brad Pitt und Tom Cruise biken. Auch in den goldenen Zwanzigern schwangen sich die Megastars in den Sattel so wie der Schriftsteller T. E. Lawrence, der als "Lawrence von Arabien" zu Weltruhm kam. Er fuhr damals den Rolls-Royce unter den Motorrädern die Schöpfung des genialen britischen Konstrukteurs Georg Brough. Seine 100er Superior glänzte nicht nur mit Motorentechnik, sondern mit innovativem Design und einem Fahrwerk der Sonderklasse. Leider nicht gut genug für T. E. Lawrence: Er stürzte sich im Mai 1935 mit einer Brough zu Tode.
Eine Brough von 1934 wurde im April 2008 von Bonhams für 211.000 Euro versteigert.
6. AJS Porcupine - 208.000 Euro
Die britischen AJS-Motoren mit 500 Kubikzentimetern Hubraum waren in den Grand-Prix-Rennen in den ersten Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg eine feste Größe. Ursprünglich konstruiert für den Betrieb mit Turboladern, funktionierten sie auch ohne den Extradruck hervorragend: Leslie Graham gewann damit die erste nach dem Krieg ausgefahrene GP-Weltmeisterschaft im Jahr 1949.
Rennmaschinen aus dieser Zeit sind rar besonders solche in gutem Zustand. Eine 1954er Porcupine Stachelschwein genannt wegen der ausladenden Tankform - wurde im Jahr 2000 auf der Stafford Motorshow für 208.000 Euro ersteigert.
7. Brough Superior 982cc SS100 - 192.000 Euro
Als der Konstrukteur Georg Brough im Jahr 1936 die legendäre Superior SS100 neu auflegte, stand die Motorradwelt Kopf: Statt der erprobten JAP-Motoren war nun ein neu entwickeltes 1000er-V-Twin-Aggregat von AMC verbaut.
Brough hatte richtig entschieden: Die ohnehin schon schnellen Superbikes aus der Fabrik in Nottingham hielten bis zum Zusammenbruch der Marke im Jahr 1939 alle britischen Geschwindigkeitsrekorde auf dem klassischen Brooklands-Oval.
Die 1938er Brough Superior mit dem neuen Motor wurde im September 2008 bei Bonhams in der Londoner New Bond Street Bonhams für 192.000 Euro weg gegeben.
8. Crocker Big Tank - 179.000 Euro
Als Albert G. Crocker 1931 mit dem Bau von Motorrädern begann, konnte er nicht ahnen, dass die knapp hundert Maschinen, die er auslieferte, zu amerikanischen Ikonen werden sollten. Die großen 1000er V-Twins, die er 1936 wenige Monate vor den bekannten Harley Knuckleheads präsentierte, waren die ersten amerikanischen Maschinen mit serienmäßig oben liegenden Nockenwellen.
Erfolgreich war Crocker mit seinen Maschinen nie, jede verkaufte Big Iron trieb ihn weiter in die roten Zahlen: Mit der Massenproduktion bei Harley-Davidson und Indian konnte seine Manufaktur nicht konkurrieren.
Mit Originalteilen restaurierte Crocker kommen nur selten auf den Markt. Das Modell Big Tank, Baujahr 1941, wurde im Januar 2007 in Las Vegas für 179.000 Euro ersteigert.
9. Crocker V-Twin Big Twin - 179.000 Euro
Ein Jahr nach der ersten Crocker kam im Januar dieses Jahres in Las Vegas wieder eine Crocker unter den Hammer und wieder erlöste die Maschine 179.000 Euro.
Inzwischen werden Ersatzteile und SelbstbakKits von einer Firma in Toronto nach den Originalbauplänen der Familie Crocker geliefert Judy Crocker-Jones, die Enkelin des Gründers, hat den Namen inzwischen an die Kanadier verkauft.
Für die Sammler sind das schlechte Nachrichten: Zu viele Nachbauten und Ersatzteile verwässern den Markt.
10. Brough Superior SS100 - 174.000 Euro
Platz zehn auf der aktuellen Motorradpreisliste nimmt eine weitere Brough SS100 ein - 174.000 Euro wurden für die Maschine im November 2005 in Los Angeles gezahlt.
Da ist die Confederate Wraith B120, die unter den Hollywood-Stars heiß gehandelt wird, mit ihren 80.000 Dollar fast schon ein Schnäppchen. Ein interessantes Motorrad ist sie allemal und nur noch 80 aus der gesamten 250er Auflage sind noch nicht verkauft. Mal sehen, wie sie sich in 50 Jahren auf den Auktionen schlägt.