Straßenkreuzer auf Kuba: Reise in die Vergangenheit
Fernverkehr Ein Automuseum namens Kuba
Abends, wenn die Sonne tief steht, verlassen die Touristen Havannas Altstadt, und die Stadt wirkt nun noch unverfälschter und authentischer. Ich gehe möglichst abseits ausgetretener Wege auf Motivsuche, in Vierteln, in die sich kaum Fremde verirren.
Für Freunde alter Straßenkreuzer ist Kuba natürlich eine Fundgrube - ganz besonders für jemanden wie mich, der in der Autobranche groß geworden ist und in der Fahrzeugentwicklung aebeitet. Seit rund zehn Jahren fotografiere ich sowohl digital als auch analog, und Kuba ist mein Dorado. So viele schöne, wenngleich häufig stark restaurierungsbedürftige Fahrzeuge bekommt man sonst nirgends vor die Linse.
Die meisten US-Oldtimer auf Kuba stammen noch aus der Zeit vor der Revolution 1959. Sie tragen dazu bei, dass auf vielen Bildern nichts daran erinnert, dass die Aufnahmen erst dieser Tage entstanden sind. Der Charme der maroden Architektur, die Melancholie, und die Straßenszenarien sind einzigartig.
Einmal war ich nach der Rushhour unterwegs in Trinidad, Kubas ehemaligem Zuckerrohrzentrum an der Südküste. Die Busladungen mit den Tagesausflüglern befanden sich schon auf dem Heimweg, und das Städtchen war bereits in einen Dämmerschlaf gefallen. Da sah ich in einer Wohnung Licht. Ich fragte die Dame, die an einem kleinen Tisch am Fenster saß, ob ich ein Foto von ihrem Innenhof machen dürfte. "Sicher", sagte sie freundlich, "Bitte kommen Sie doch herein." Ich betrat das Haus und sah einen orangefarbenen Buick Roadmaster, der drinnen parkte. Das Foto sagt eigentlich alles über Kuba.
Kubanische Alltags-Ansichten mit Auto
An einem anderen Nachmittag spazierte ich durch eine der kopfsteingepflasterten Gassen mit den typischen pastellfarbenen Häuserfronten. Plötzlich stand ein 58er Oldsmobile Super 88 vor mir. Ein Vater putzte den Wagen, der sein ganzer Stolz zu sein schien und erklärte seinem Sohnemann, wie man solch ein Prachtstück ordentlich pflegt.
Auch in Havanna stößt man überall auf die automobilen Veteranen. Hinter dem Capitolio finden Fotografen stets eine Ansammlung von Oldtimern, vor allem morgens. Hier kann man die Evolution des amerikanischen Automobils von den Dreißigern bis zum Ende der fünfziger Jahre sehen. Mit viel Glück ist sogar ein Ford Model T dabei. Der Buick aber scheint das Lieblingsauto der Habaneros zu sein.
Viele Fahrzeuge sind nicht mehr ganz reinrassig, aber das ging mit den begrenzten Ressourcen eben nicht anders. Die Besitzer sind sehr kreativ bei der Erhaltung ihrer Fahrzeuge. Was irgendwie passt oder passend gemacht werden kann, wird ein- und angebaut. Aus den USA, wo es noch Teile für die Oldies gibt, kann man nichts direkt beziehen, das geht nur auf Umwegen über Verwandte.
Unweit des Bahnhofs von Havanna treffen sich ebenfalls regelmäßig Oldtimerliebhaber. Hier findet man die seltenen Exemplare. Deren Besitzer lassen das Fotografieren oft nur gegen Geld zu - das sie hoffentlich wieder in die Erhaltung ihrer Wagen stecken, damit wir uns noch lange an ihnen erfreuen können.