Fernverkehr: Spritz-Tour in Laos - DER SPIEGEL
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Neujahr in Laos: Überall Waschstraße

Foto: Martina Sylvia Khamphasith

Fernverkehr Spritz-Tour in Laos

Wasserscheu dürfen Verkehrsteilnehmer vom 14. bis 16. April in Laos nicht sein. An diesen drei Tagen ist keiner vor nassen Attacken sicher. SPIEGEL-ONLINE-Leserin Martina Sylvia Khamphasith verrät, was es mit dem feucht-fröhlichen Spektakel auf sich hat.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Ohrenbetäubende Musik hämmert aus Lautsprechern vor den Häusern. Jugendliche tanzen fröhlich auf den Straßen, bespritzen sich und vorbeifahrende Fahrzeuge mit Wasser. Dazu benutzen sie riesige Wasserpistolen, mit Wasser gefüllte Plastikbeutel und notfalls auch Gartenschläuche. Ab und zu fliegen Farbbeutel durch die Luft, und Puderwolken vernebeln die Sicht.

Aus den Fahrzeugen wird zurückgefeuert. Aus Wassertonnen auf den Ladeflächen der Pick-ups heraus schleudern die Insassen mit Schöpfkellen ihre Wasserladungen umher. Motorradfahrer halten Wassereimer griffbereit auf dem Schoß. Es herrscht Ausnahmezustand auf Laos' Straßen.

Was ist in die sonst so ruhigen Einwohner des südostasiatischen Landes gefahren? Man begeht Pi Mai Lao - das laotische Neujahrsfest. Offiziell wird drei Tage lang gefeiert, doch das öffentliche Leben liegt wesentlich länger lahm. Am 16. April beginnt das Jahr 2553 - das Jahr des Tigers. Die Sünden des alten Jahres müssen zuvor gründlich abgewaschen werden.

Solche Wasserattacken auf Verkehrsteilnehmer sind strengstens verboten, weshalb die Medien auch schon zwei Wochen vor dem Fest mit ihren Aufklärungskampagnen beginnen. Der letzte Satz lautet allerdings jedes Jahr gleich: Die Polizei könne nicht überall sein, jeder Einzelne sei für Ordnung verantwortlich. Wenn das Beer Lao erst in Strömen fließt, nimmt diese Warnungen jedoch kaum noch jemand ernst. Sich mit Wasser zu bespritzen, bringt Glück im neuen Jahr. Und wer möchte nicht daran teilhaben?

Auf Ausländer übt das feucht-fröhliche Spektakel eine große Anziehung aus. Und alle wundern sich, dass es angesichts des Chaos nicht viel mehr Verkehrsunfälle gibt. Die Einheimischen vertrauen ganz auf ihre Schutzgeister. Das Zauberwort heißt Bo pen nyang - alles nicht so schlimm. Diese Einstellung und ein am Spiegel vor dem Fahrersitz befestigter Talisman bieten hinreichend Schutz vor allem Bösen.

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