Halteverbote in Dublin: Parken, Pints und Polizei - DER SPIEGEL
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Halteverbote in Dublin Parken, Pints und Polizei

Das korrekte längere Abstellen ihrer Autos wird Verkehrsteilnehmern in Dublin nicht gerade leichtgemacht, wie SPIEGEL-ONLINE-Leser Volker Bölsch erfahren musste. Beseelt von einigen Guinness trotzte er den widrigen Umständen und der Obrigkeit.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

In Dublin von Autofahren zu sprechen, ist eine Übertreibung. Angesichts des kollabierenden Individualverkehrs müsste es eher Autostehen heißen. Weil es über den Dauer-Stop-and-Go nicht allzu viel zu berichten gibt, handelt diese Fernverkehrsgeschichte aus Dublin vom Parken.

Fast jeder, der einmal in Dublin war, kennt den "Harbourmaster". Bevor die Straßenbahn gebaut wurde, lag der Pub mit den leckersten chicken wings der ganzen Stadt am Ende einer schmalen Sackgasse inmitten einer strikten Parkverbotszone.

Wenn der Tag einen so richtig durstig gemacht hatte, konnte es schon einmal passieren, dass man - allein ein frisches Glas Guinness vor Augen - das Verbotsschild übersah. Als ich anno 1998 eines Tages nach einer Thekenladung Pints aus dem Lokal kam, fand ich mein Auto mit einer Parkkralle verziert.

Das war unerfreulich, aber nicht niederschmetternd. Ich war in der richtigen bierseligen Laune und begann flugs mit der Demontage des Hinterrades. Werkzeug raus, Wagenheber, hier gezerrt, da gehebelt und - ruckzuck war die Kralle in zwei Teile zerlegt. Ich warf sie umgehend in ein Gebüsch. Das Rad war noch nicht ganz angeschraubt, da tippte mir jemand von hinten auf der Schulter: ein Streifenpolizist.

Das Staatseigentum lag im Gebüsch

Die echauffierte sich besonders über die Tatsache, dass ich Staatseigentum so einfach im Gebüsch deponiert hatte. Der Highest Officer würde sich der Sache noch persönlich annehmen, denn schließlich sei dies ein ungeheuerlicher Akt der Respektlosigkeit und eine Tat, die ich "mit Sicherheit noch bereuen würde". In heiterer Seelenruhe montierte ich mein Hinterrad und verstaute die Werkzeuge im Kofferraum.

Der Nachteil, wenn man zu viele Pints getrunken hat: Man darf nicht Auto fahren. Das Positive: Es stört einen nicht. Der dienstgradhöchste Offizier der Streife ließ kräftig Dampf ab: Ob ich denn das Schild nicht gesehen hätte? Das weise ein Parkverbot aus - bei Zuwiderhandlung: Parkkralle. Ich gab etwas nach: "Jetzt, wo Sie mit dem Finger drauf zeigen, Officer ..."

Auf die unvermeidliche Frage, was ich überhaupt hier wolle, log ich: "Einen Freund besuchen, der hier wohnt." Der Officer inzwischen ein wenig lauter: "In so einem Fall muss man das Auto in der Parkbox parken, die zu dem Apartment gehört!"

Wohnungen in Dublin tragen nämlich eine Nummer, und es gibt stets einen korrespondierenden Stellplatz dazu. "Soll ich das jetzt nachholen?" Nicken. Also bestieg ich den Wagen und rollte im Schritttempo am Officer vorbei, der wohl annahm, dass ich mich hernach zwecks Abholung meiner gerechten Strafe wieder bei ihm einfände. Dank der 110 PS aus dem Zweiliter-Benziner meines VW Passat Baujahr '92 machte ich mich rasch vom Gelände und fuhr heim.

In dieser Nacht schlief ich unruhig, wogegen auch die Pints nicht halfen. Doch wurde ich weder im Schlaf gestört noch an einem der folgenden Tage verhaftet.

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