Austin Princess: Stell dir vor, dieser Wagen gehörte Lennon
Unterm Hammer Lennons Auto wird versteigert - nicht das mit dem Doppelbett, sondern das mit den Flugzeugsesseln
Die teuersten Autos der Welt sind oft keine Neuwagen, sondern gebrauchte: Oldtimer, die sich in Händen reicher Sammler befinden oder nach langer Vergessenheit plötzlich aus Scheunen wieder auftauchen. Für den gewöhnlichen Auto-Enthusiasten bleiben diese Fahrzeuge unerreichbar, nur mit ganz viel Glück bekommt man sie mal zu Gesicht. In seltenen Momenten ergibt sich aber die Gelegenheit, etwas über diese Traumwagen zu erfahren: wenn sie versteigert werden.
Bevor die Autos zum Ersten, zum Zweiten, zum Dritten wieder verschwinden, werden die alten Storys über sie neu erzählt oder sogar Geheimnisse gelüftet. Je schillernder die Geschichte eines Autos, desto höher sein Marktwert. Die glamourösesten Fahrzeuge stellen wir in einer Serie in loser Reihenfolge vor. Sie sind unsere Helden unterm Hammer - die Auction Heroes .
Unterm Hammer: Ein Austin Princess, Baujahr 1956.
Warum mitbieten? Stellen Sie sich vor, Sie fahren ein Auto, das mal einem der erfolgreichsten Songschreiber der Musikgeschichte gehörte. Stellen Sie sich vor, Sie fahren das Auto des Mannes, der "Imagine" komponierte: John Lennon. Imagine!
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Lennon kaufte den Wagen im August 1971, einige Monate, nachdem sich die Beatles getrennt hatten. Da war er schon mitten in den Aufnahmen zu einem Soloalbum und hatte sich einen weiteren Vornamen verpassen lassen: In den Fahrzeugpapieren des Austins ist John Ono Lennon als Besitzer angegeben. Natürlich steckte Yoko Ono dahinter, also zumindest hinter dem neuen Namen, wenn nicht sogar hinter der Trennung der Beatles.
Die Anschaffung des Austins, der im Vergleich zu anderen Luxuslimousinen der damaligen Zeit bescheiden wirkt, stand jedoch noch ganz unter dem Einfluss der Ära, als John, Paul, George und Ringo gemeinsam unterwegs waren. Das Auto soll nach Angaben des ehemaligen Beatles-Tourmanagers nämlich einen entscheidenden Vorteil gegenüber Modellen von Bentley oder Rolls-Royce gehabt haben: Weil die Türen sich in einem großen Winkel öffnen ließen, habe sich in den Wagen besonders rasch einsteigen lassen. Für die Fab Four musste es grundsätzlich schnell gehen damals, schließlich war ihnen der Beatlesmania-Mob ständig auf den Fersen.
Der Austin Princess mit der Fahrgestellnummer DH2-12785 ist in dem Plattenpromo-Film "Imagine" zu sehen, den John Lennon und Yoko Ono zur Vermarktung des gleichnamigen Albums drehten. Das Datenblatt der Limousine liest sich zunächst nicht gerade filmreif: Ein ehemaliger Leichenwagen mit Vier-Liter-Sechszylindermotor, rund 125 PS, ein im Vergleich zum Basismodell verlängerten Radstand (die größeren Versionen bekamen den Zusatz "Princess").
Man fragt sich tatsächlich, ob dieses Auto einem Mann angemessen erscheint, der in der Playboy-Mansion von Hugh Hefner seine brennende Zigarette auf einem Picasso-Gemälde ausgedrückt haben soll.
Aber wer nach Größenwahn sucht, wird im Fond des Austins fündig: Dort wurden vier Flugzeugsitze eingebaut. In deren Armlehnen befinden sich - ein Rauch von Nostalgie - sogar noch Aschenbecher.
Die Flugzeugsitze im Fond des Austins
Foto: RM Sothebys/ Stephen KimIn der Hall of Fame der Rock'n'Roll-Legenden-Sonderausstattungen wäre dem Lennon-Austin damit ein Platz neben dem Bentley von Keith Richards sicher, der als Extras einen Plattenspieler im Armaturenbrett sowie ein Schmuggelfach vorzuweisen hat.
Was die extravagante Modifikation von Autos betrifft, hatte John Lennon seinen Zenit allerdings schon einige Jahre vor dem Kauf des Austin Princess überschritten. 1965 feierte der Beatle seine frisch bestandene Führerscheinprüfung nämlich mit dem Kauf eines Rolls-Royce Phantom V, den er später gelb lackieren und mit bunten Ornamenten überziehen und in den er außerdem ein Doppelbett, einen Fernseher und einen Kühlschrank einbauen ließ.
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Dieser Rolls-Royce war ein Affront; eine automobilgewordene Gesellschaftskritik und vergleichbar mit Lennons dreister Bitte ans Publikum, die Zuschauer auf den billigen Plätzen mögen klatschen, "die anderen können mit den Juwelen klimpern" - vorgetragen auf einem Konzert, bei dem Mitglieder des britischen Königshauses anwesend waren.
Der Austin mit den Flugzeugsesseln ist dagegen etwas gemütlicher und abstrakter - vielleicht mehr das Gegenstück zu Johns und Yokos "Bed-In"-Aktion in einem Hotelbett, das sie eine Woche lang im Zeichen des Weltfriedens nicht verließen.
Zuschlag! Lennons Austin Princess kommt am 7. September bei einer Versteigerung von Sotheby's und RM Auctions in London unter den Hammer. Der Erlös wird Hilfsorganisationen gespendet. Das Auktionshaus rechnet mit einer Summe von bis zu 350.000 Dollar, in etwa der gleiche Betrag, den Sotheby's für Lennons gelben Rolls-Royce erwartete, als dieser 1985 - rund vier Jahre nach dem Tod des Musikers - versteigert wurde.
Die Auktion endete damals allerdings mit einer Überraschung: Der Hammer fiel erst bei einem Gebot von 2,3 Millionen Dollar.