Mofataxis in Indonesien: Jede Fahrt ein Abenteuer - DER SPIEGEL
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Mofataxis in Indonesien Jede Fahrt ein Abenteuer

Jakartas Verkehr fließt nicht - er steht. Die einzige Möglichkeit, sich dem Dauerstau in der indonesischen Metropole zu entziehen, ist eine Fahrt mit dem wendigen Mofataxi. Doch für dieses Gefährt brauchen Fahrer und Passagier Nerven wie Drahtseile.
Von Constantin Alexander
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Nichts geht mehr auf der Jalan Thamrin, einer der großen Durchgangsstraßen Jakartas. Täglich steht Indonesiens Hauptstadt kurz vor dem Infarkt. Die hoffnungslos verstopften Straßen sind nahezu durchgehend blockiert, lediglich in den Nachtstunden ist ein flüssiges Vorankommen möglich. Die Probleme gleichen jenen anderer Großstädte von Schwellenländern: Ungeregeltes Stadtwachstum, kein Verkehrskonzept und ein aufstrebender Mittelstand, der mittlerweile von zwei auf vier Räder umgestiegen ist. Mit verriegelten Türen und hochgefahrener Klimaanlage kriechen die Pendler im Schneckentempo zum Arbeitsplatz und zurück. Gut 23 Millionen Menschen leben in der Metropolregion.

Von Kleinbussen und einigen Zuglinien abgesehen verfügt Jakarta über keinerlei öffentlichen Personennahverkehr. Eine 2004 geplante Einschienenbahn wurde nicht realisiert - einsam stehen die angefangenen Tragsäulen an den Straßen. Etwas Erleichterung brachte das im gleichen Jahr gestartete Transjakarta-Bussystem. In sieben Linien verkehren die klimatisierten Busse, ein eigener Fahrstreifen soll zügiges Vorankommen ermöglichen. Leider wird die Spur oft von Pkw blockiert.

Drei Arten wendiger Mofas

Schneller geht es mit den zahlreichen Mofas und Mopeds, die von den Fahrern waghalsig zwischen den Autokolonnen hindurch manövriert werden. Drei Varianten bieten ihren Dienst als Taxi an. Die Bajaj sind nach der indischen Herstellerfirma benannte dreirädrige Rikschas. Bei den Tuk-Tuks wird die Fahrgastkabine vom Mofa gezogen. Am flinksten sind die Ojeks, das sind Motorradtaxis, bei denen sich die Passagiere an ihrem Fahrer festhalten müssen. Alle drei meistern jeden Stau. Autofahrern jedoch sind sie ein Dorn im Auge. Immer wieder tauchen die leicht zu übersehenden Mopeds wie aus dem Nichts auf. Die unberechenbaren Fahrer nutzen jede Lücke. Unfälle sind da fast programmiert.

Die Zwei- oder Viertakter gelten den Indonesiern auch als Statussymbol, und so brausen auf einem Motorrad ganze Familien stolz durch die Stadt: Vater lenkt, ein Kleinkind sitzt gequetscht zwischen den Eltern, und hinter der Mutter klammert sich noch ein Kind auf dem Sozius fest. Auch für Umzüge lässt sich das Mofa einsetzen. Mit Seilen festgezurrter Hausrat und Möbel werden auf diese Weise genauso transportiert wie Käfige mit Hühnern. Mofas sind einfach wendiger im Verkehr und günstiger als Transporter oder Lkw.

Jahrzehntelang versuchte die indonesische Regierung, die Mofataxis zu verbieten, bislang erfolglos. Zur Asienkrise 1998 holten viele ihre alten Fahrzeuge wieder vom Schrottplatz oder fischten sie gar aus dem Meer. Auch die Helmpflicht lässt sich schwer durchsetzen. Zwar haben nahezu alle Motorradtaxifahrer einen Kopfschutz dabei, aber der wird meist dem Fahrgast angeboten. Zum Schutz tragen Mofafahrer trotz der Durchschnittstemperaturen von 23 bis 30 Grad Celsius und einer Luftfeuchtigkeit von circa 80 Prozent oft dicke Pullover und Jacken. Dem westlichen Besucher bricht da schon beim bloßen Anblick der Schweiß aus.

Nur die Atemschutzmaske wird selten vergessen - kein Wunder bei der hohen Luftverschmutzung, zu der die Zweiradfahrer selbst stark beitragen. In dem Opec-Staat  ist verbleites Benzin erlaubt und wird oft mit Diesel aus Palmöl oder anderen selbstgemachten Gemischen gepanscht. Gesetze wie in Indien, wo motorisierte Rikschas nur mit Erd- oder Flüssiggas betrieben werden dürfen, wären auch für Indonesien eine überaus sinnvolle Maßnahme. Zurzeit sieht es aber nicht so aus, als ob das realistisch wäre.

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