Polizei in Simbabwe: Wegelagerer in Uniform - DER SPIEGEL
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Polizei in Simbabwe Wegelagerer in Uniform

Machtmissbrauch durch Polizisten kennt man vornehmlich aus dem Kino. In manchen Kleinstaaten gehört das allerdings inzwischen zum Alltag. Auch mit SPIEGEL-ONLINE-Leser Günther Reichel wollten simbabwische Staatsbeamte auf einsamer Landstraße ihr Gehalt aufbessern.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Im September 2008 fuhren meine Frau und ich in einem gemieteten Geländewagen von Windhoek in Namibia durch Botswana Richtung Simbabwe. Von dort sollte der Blick auf die Victoria Falls besser sein als von der sambischen Seite aus. Unser Reiseveranstalter hatte uns außerdem versichert, dass die Lage für Touristen dort sicher sei. Beeindruckt von der Schönheit der Wasserfälle aber auch verstört von der Armut im Land, traten wir erleichtert die Rückfahrt an, denn bisher war der Ausflug problemlos verlaufen.

Etwa drei Kilometer vor der Grenze wurden wir von fünf Polizisten angehalten, die im Schatten eines Baumes warteten. Ich vermutete eine Verkehrskontrolle und reichte dem Wortführer unsere Papiere. Anstatt uns nach der Überprüfung weiterfahren zu lassen - wie wir gehofft hatten - ging er um unser Fahrzeug herum. Er betrachtete es von allen Seiten, ließ sich unser Gepäck auf der Ladefläche zeigen und klopfte mit dem Finger mal an Scheinwerfer, Rücklichter und vordere Positionslichter. Schließlich fragte er, ob wir aus Namibia kämen, was anhand des Nummernschildes jedoch offensichtlich war.

Ich bejahte die Frage. Meine Frau rief mir aus dem Wagen zu, ich solle ihm sagen, dass wir Touristen seien. Da er den Satz nicht verstanden hatte, wurde er sichtlich ungehalten. Er erklärte mir umständlich, dass unser Fahrzeug nicht den Vorschriften entspräche. Wir hätten zwar hinten rote Reflektoren, aber vorn nur weiße wie sie in Simbabwe nicht zulässig seien. Daher müsse er annehmen, dass ich in Simbabwe ein Verbrechen begangen habe, für das ich bestraft werden müsse. Auf meine Entgegnung, dass bei unserem Grenzübertritt nach Simbabwe die Reflektoren nicht beanstandet worden seien, meinte er, dann sei wohl der zuständige Beamte gerade nicht anwesend gewesen. Er verlangte 20 Dollar als Bußgeld.

Wegen Bußgeld ins Gefängnis?

Nun besaßen wir keine Dollar in kleinen Scheinen mehr und es widerstrebte mir, ihm 100 Dollar zu geben, die mit Sicherheit verloren gewesen wären. Ich sagte daher, ich sei bereit, das Bußgeld an der Grenze zu bezahlen. Er entgegnete ungehalten, wir müssten mit ihm und den anderen vier Polizisten in unserem Fahrzeug zum Police Camp fahren und dort bezahlen. Das wollte ich auf jeden Fall vermeiden, denn wer hat schon Lust, in einem simbabwischen Gefängnis zu landen?

Ich versuchte, das Gespräch zu entschärfen und etwas Zeit zu gewinnen. Mir war inzwischen aufgefallen, dass seine Aktionen von den schweigenden Kollegen genau beobachtet wurden, und er bemüht war, sein Gesicht nicht zu verlieren. Außerdem war mir nicht bewusst, wie weit diese unserem Gespräch folgen konnten, denn sein Englisch war nur mäßig und die anderen waren der Sprache möglicherweise gar nicht mächtig.

Glücklicherweise erinnerte ich mich an den Bericht eines Deutschen, den wir unterwegs getroffen hatten und dem in Botswana etwas Ähnliches passiert war. Er hatte in seiner Not dem Ordnungshüter gesagt, er sei deutscher Polizist, worauf er verschont wurde.

Ein Versuch kann nicht schaden, dachte ich mir: "Ich bin Polizist aus Deutschland, und Sie werden einem Kollegen doch kein Geld abnehmen wollen." Es folgte ein Moment des Nachdenkens und der Unsicherheit, dann sagte er: "You can go."

Wir überlegten seitdem manchmal, was wir gemacht hätten, wenn die Finte nicht geklappt hätte. Ich denke, wir waren nah an einem dramatischen Ausgang der Begegnung in Simbabwe gewesen.

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