Trabi-Pannen-Hotline Der Rennpappen-ADAC
Die Reise vom vorpommerschen Anklam nach Norwegen wäre für Stephan vor Flensburg beinahe zu Ende gewesen. Sein Trabant fuhr nicht mehr, die Zündung war defekt. Das erforderliche Ersatzteil hatte er nicht dabei. "Normalerweise wäre der ADAC gekommen, hätte ihn abgeschleppt und die Reise wäre zu Ende gewesen", sagt Jörg Haselau aus Weyhe bei Bremen, der selbst Trabifahrer ist. Doch es kam anders: Denn der 35-jährige Haselau hat vor kurzem eine Trabi-Pannenhilfe-Hotline ins Leben gerufen. Wer dort zwischen 8.00 und 22.00 Uhr anruft, bekommt Telefonnummern von Gleichgesinnten, die in der Nähe wohnen und im Schadensfall ihre Hilfe anbieten.
Stephan erhielt über den Notruf die Nummer eines Trabifahrers in Flensburg, der wusste, wo man das benötigte Ersatzteil bekam. Die meisten Fahrer des DDR-Kultwagens, der dieser Tage seinen 50. Geburtstag feierte, können ihr Auto zwar selbst reparieren. "Beim Trabant ist die Technik sehr einfach", sagt Haselau. Doch unterwegs fehlen dann die benötigten Ersatzteile. Die gibt es auch nicht so einfach zu kaufen, sondern mit Glück in einer der raren Werkstätten, die sich mit Trabi, Wartburg und Barkas auskennen, oder bei einem Liebhaber zu Hause in der Garage.
Viele Trabibesitzer fahren deshalb zu längeren Touren nur mit einem Koffer voller Ersatzteile los, weiß Haselau. Darin befindet sich oft ein halber Motor: Zündspulen, Vergaser, Anlasser, Zündkerzen, Lichtmaschine. Das Problem ist nur: "Wenn man eine Panne hat, hat man meist genau das Teil nicht dabei, das man gerade braucht", sagt Haselau. "Dann geht das Rumtelefonieren los." Von den regelmäßigen Trabitreffen kennen sich die Fahrer, aber die Telefonnummern hat man meist nicht dabei. "Da kam mir die Idee: Warum nehmen wir nicht eine zentrale Rufnummer, unter der bundesweit Leute vermittelt werden, die helfen können", sagt Haselau. Mittlerweile haben sich 150 Helfer registrieren lassen, darunter sogar einige in Luxemburg, den Niederlanden und der Schweiz. Wer die Hotline anruft, landet zunächst bei Haselau. "Wenn jemand in Suhl stehengeblieben ist, schaue ich in die Liste und gebe ihm die Nummer von zwei, drei Leuten, die in der Nähe wohnen." Jeder Helfer macht freiwillig mit, wenn es gerade nicht passt, ist er zu nichts verpflichtet. Aber meist könne derjenige zumindest einen anderen Experten vermitteln, der gerade Zeit oder die Adresse einer Trabiwerkstatt hat.
Haselau selbst hat sei 1996 einen Trabi. Der gebürtige Brandenburger bekam ihn vom Cousin seiner Frau geschenkt und war sofort begeistert von dem Auto: "Das ist so eine einfache Technik, den kann man ewig fahren." Zwei Jahre später holte der Logistikmitarbeiter eines Autositzherstellers sich das gleiche Modell noch einmal, einen 600er Trabant. Den Wagen nutzen seine Frau und er als Zweitwagen.
Er mietete vier Garagen an, die als Werkstatt dienen und in der sich die Ersatzteile stapeln. Am Wochenende wird geschraubt und gebastelt oder es geht mit Mitgliedern des "Trabipower Bremen"-Clubs zu Treffen. "Da fahren wird auch schon mal 300 Kilometer hin", sagt Haselau. Seitdem die Pannenhilfe ins Leben gerufen wurde, haben sie mehr Platz im Kofferraum - denn die Ersatzteile können zu Hause bleiben.
Janet Binder, ddp