Volvo: YouTube-Video mit Gebrauchtwagen - DER SPIEGEL
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YouTube-Hit "Buy My Volvo": Dieser Kombi ist der Renner

Foto: Kenneth E.T Gabriel Nielsen

"Buy My Volvo" Spotpreisverdächtig

Ein stinknormaler Volvo wird plötzlich berühmt: Mit einem selbst produzierten Werbespot für seinen billigen Gebrauchtwagen mischt ein junger Schwede YouTube auf. Aber der Erfolg des Clips hat eine Schattenseite.
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Christoffer Castor will sein Auto verkaufen. Das Problem: Er fährt einen gewöhnlichen Volvo-Kombi 245, Baujahr 1993, und wohnt in Schweden, wo das Angebot an gewöhnlichen alten Volvos nicht gerade gering ist. Der 28-Jährige stand also vor der Frage, die Millionen andere Verkäufer von Gebrauchtwagen kennen: Wie hebt man sein Auto aus der Masse heraus?

Castor hat es mit einem Video versucht - und damit ein Lehrstück für virales Marketing geschaffen. Sein Volvo entwickelt sich gerade zum YouTube-Hit, die schwedischen und englischen Versionen des knapp dreiminütige Clips wurden bislang (Stand 15. Mai) zusammen fast 860.000-mal angeklickt.

Das Video für die rote Kiste kommt mit professionellen Aufnahmen daher, die Einstellungen - Blick während der Fahrt auf die Motorhaube - kennt man aus den Auto-Spots im Fernsehen. Das ganze ist mit gediegener Musik unterlegt, eine tiefe Stimme preist den Wagen als "Meisterwerk aus den Händen magischer Ingenieure". Ein Engels-Chor frohlockt den Slogan: "Köp min Volvo" - "Kaufe meinen Volvo". Die tiefe Stimme fragt "Willst du reich und liebenswert wirken?" - und gibt selbst die Antwort: "Natürlich willst du das… Dann kaufe mein Auto." Aber sehen und hören Sie selbst: (Mobil-Nutzer bitte hier klicken) .

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Der Spot mag auf den ersten Blick aufwendig erscheinen, für den Werbefilmer und Fotografen Castor  war er aber eher eine Fingerübung in seinem Metier. "Ich habe die Aufnahmen zusammen mit einem Kollegen während zwei Mittagspausen gedreht", sagt er. Für das Script brauchten er und ein weiterer Kumpel, der Sprecher in dem Video, "etwa eine halbe Stunde".

Neben all den angeblich fantastischen Vorzügen des Volvos ("geschwungener Auspuff", "Beckengurte") wird auch ein Makel nicht verschwiegen: Einer der vier Türgriffe ist kaputt. "An der Fahrertür", erklärt Castor. "Ehrlich gesagt muss man zuerst die Hintertür öffnen, um den Fahrersitz herum greifen und die Türe von innen aufmachen. Aber mich hat das eigentlich nicht gestört." Mit 7500 schwedischen Kronen (rund 830 Euro) verlangt er für den Gebrauchten dann auch einen fairen Preis. Er tausche ihn gegebenenfalls auch gegen eine Xbox, heißt es unter dem Video.

Der Nachteil des Stardaseins

Den Kombi, sagt Castor, hat er sich vor etwa vier Jahren aus praktischen Gründen angeschafft. "Meine Freundin und ich wurden Eltern, da benötigten wir ein Auto mit Platz für den Kinderwagen." Schweren Herzens habe sich der junge Vater damals von seinem Volvo Amazon, Baujahr 1966, getrennt. Doch vor Kurzem legte er sich wieder einen Oldtimer zu. Seiner Marke blieb er treu, es ist ein Volvo 140 von 1968. "In eine Garage passt aber nur ein Auto, deshalb muss der Kombi weg."

Wer jetzt Interesse an Castors Gebrauchtem hat: Das Auto ist noch zu haben. Trotz des überwältigenden Interesses an dem Video hat der Schwede nämlich nach eigenen Angaben noch kein einziges ernsthaftes Angebot für den Volvo erhalten. "Ich bekomme immer nur Anfragen von Medien", erzählt er, "wahrscheinlich denken die Leute, dass so ein bekanntes Auto schon längst verkauft ist." Es ist sozusagen die Schattenseite des Erfolgs.

Mama fährt mit

Gelohnt hat sich das witzige Video trotzdem für ihn - zwei Aufträge für Werbefilme habe er dadurch bereits bekommen. Außerdem sei seine Mutter stolz auf die plötzliche Bekanntheit ihres Sohnes. Wer genau hinsieht, entdeckt sie auf einem Foto, das bei Minute 2.11 im Clip erscheint. "Das Bild von ihr habe ich immer im Auto dabei. Und in einem der Medienberichte in Schweden heißt es, darauf sei eine heiße Braut zu sehen!"

Mittlerweile gehört sogar die Polizei zu Castors Fans. Vor Kurzem ist er von einer Streife angehalten worden, "zwei Motorrad-Cops, mit Blaulicht", erzählt er. An der defekten Fahrertüre hatten sie offenbar nichts auszusetzen - ihre Bitte, nachdem die Papiere kontrolliert waren und sie den roten Star erkannten: "ein Erinnerungsfoto von dem Auto."