VW-Bus, Bj. 1990: Der blaue Digifant - DER SPIEGEL
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VW-Bus, Bj. 1990 Der blaue Digifant

In seinem zuverlässigen VW-Bulli aus der Serie T3, Baujahr 1990, genoss SPIEGEL-ONLINE-Leser Wolfgang Görke vor allem den großartigen Panorama-Blick. Seiner Familie wollte er mit dem geräumigen Transporter den Camping-Urlaub schmackhaft machen.
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Viele Autobesitzer fühlen sich ihrem Fahrzeug auf besondere Weise verbunden. Bei SPIEGEL ONLINE stellen Leser ihr persönliches Lieblingsmodell und ihre persönlichen Erlebnisse mit dem Gefährt vor. Diesmal berichtet Wolfgang Görke über das Leben mit seinem VW-Bus T3, Baujahr 1990.

Schön sah er aus. Genau so hatte ich ihn mir vorgestellt: Blau mit weißem Hubdach und Multivan-Ausstattung, aus erster Hand, gepflegt und mit viel Platz. Ein Digifant  mit 2,1 Liter-Maschine, Baujahr 1990, einer der letzten Busse der T3-Serie, die von 1979-1992 gebaut wurde. Ein richtiger Bulli, größer als seine Vorgänger T1 (1950-1967) und T2 (1967-1979) und nostalgischer als sein Nachfolger T4 mit Frontmotor.

Bis auf ein paar kleinere Kratzer war ihm das Alter von elf Jahren nicht anzusehen. Weit herumgekommen war er, hatte Deutschland, Frankreich, Italien und Griechenland bereist, insgesamt seine 110.000 Kilometer zurückgelegt und eine vierköpfige Familie immer zuverlässig auf ihren Camping-Reisen begleitet.

Zum Abschied hatte sich die ganze Vorbesitzer-Familie vor ihrem Reihenhaus in Wuppertal versammelt, um ihn aus ihrem Leben fahren zu sehen, mit Wehmut und Tränen in den Augen. Der Familienvater hatte ihn notgedrungen an mich verkauft, nachdem ein Arbeitsunfall seinen linken Arm gelähmt hatte.

Mit dem Familien-Transporter durch die Lande

Stolz saß ich auf dem Fahrersitz wie auf einem hohen Kutschbock und genoss den großzügigen Rundumblick. Ich kam sofort erstaunlich gut mit dem großen Fahrzeug zurecht. Ich hatte ihn gekauft, um selbst einmal einen Camping-Urlaub auszuprobieren, und meine Familie dafür zu begeistern. Diesen Zahn musste ich mir aber schnell ziehen lassen. Meine Familie hatte mit Camping gar nichts, aber auch gar nichts im Sinn. Ich war mit meiner Idee gut 25 Jahre zu spät gekommen.

Dennoch fuhren wir in den folgenden drei Jahren zu viert mit Hund durch Deutschland, machten Urlaub in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, Bayern, Thüringen, Sachsen und Berlin. Genächtigt wurde jedoch in Jugendherbergen, Pensionen und Hotels, versteht sich. Nur einmal klappte ich die Rückbank um und übernachtete im Bulli, weil unser Hund in einem Gasthaus nicht willkommen war.

Schlafstatt für Hund und Herrchen

Topsy lag vorne auf dem Beifahrersitz (zumindest hätte er dort liegen müssen) und fand den Komfort so gut wie Herrchen. Als ich den T3 2004 an einen Lehrer aus einer Nachbarstadt verkaufte, hatte mir der Bulli genau so treu gedient wie seinem ersten Besitzer. Da ich noch einen Pkw besaß, hatte ich mich schweren Herzens zu diesem Schritt durchgerungen. Zwei Autos schienen doch zu viel zu sein.

Auch seinen neuen Halter begleitete der VW-Bulli zwei Jahre lang zuverlässig auf Reisen nach Frankreich und Italien und zuletzt im August 2006 nach Polen, wie ich erfuhr. Dort wurde er mit dem gesamten Gepäck und Papieren gestohlen und von den Dieben in alle Einzelteile zerlegt. Nur das Gehäuse ließen sie auf einem Waldstück stehen. Der Lehrer erzählte mir, wie schwierig es für ihn und seine Familie gewesen sei, Ersatzpapiere für die Ausreise und die Versicherung zu beschaffen.

Mir war wehmütig ums Herz: Hätte ich ihn doch behalten! Dann würde er vielleicht noch laufen ... und laufen und laufen.

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