Autoexperte Autoreparaturen werden billiger
Bamberg - Nach der für Oktober geplanten Neuregelung des europäischen Autovertriebs seien Händler künftig nicht mehr verpflichtet, Originalersatzteile zu verwenden, sagte Meinig. Bislang hätten die Autohersteller Ersatzteile nur mit Aufschlägen von im Schnitt 400 Prozent gegenüber der Erstausstattung abgegeben.
"Die neue Verordnung, die in der kommenden Woche in Brüssel vorgestellt werden soll, räumt den Händlern die Möglichkeit ein, die Quelle für die Beschaffung von Ersatzteilen frei zu wählen", erläuterte Meinig. Künftig könne der Händler direkt beim Zulieferer einkaufen und so die hohen Preisaufschläge umgehen, die er an seine Kunden weitergeben müsse. Weitere Einsparungen auch für den Endverbraucher seien möglich, wenn sich Händler zu Einkaufsorganisationen zusammen schließen würden.
Der Entwurf der neuen Gruppenfreistellungsverordnung lässt laut Meinig auch den vorsichtigen Schluss zu, dass die bisherige Machtdominanz der Hersteller gegenüber den Händlern sinken wird. "Ich vermute, dass sich die alleinige Organisationsführerschaft der Hersteller über ihr Vertriebsnetz allmählich abschwächen wird", sagte der Leiter der Bamberger Forschungsstelle für Automobilwirtschaft. Allerdings sei fraglich, ob der Händler vertraglich bezogene Fahrzeuge bei Absatzschwierigkeiten dann noch problemlos an den Hersteller zurückgeben könne.
Skeptisch äußerte sich Meinig zur Möglichkeit, künftig Verkauf und Service zu trennen. Damit wolle Brüssel dem Kunden mehr Wahlfreiheit einräumen. "Ich halte solch eine Trennung für wenig sinnvoll", sagte Meinig unter Hinweis auf eine eigene Studie über "Dienstleistungsansprüche von Autofahrern". Der Neufahrzeugkunde erwarte, dass er in einem Autohaus immer von ein und demselben Mitarbeiter bedient werde.
Meinig verwies darauf, dass der Handel mit dem Verkauf von Neufahrzeugen fast kein Geld mehr verdiene. "Die Rendite beträgt noch nicht einmal mehr ein Prozent." Im Service- und Ersatzteilgeschäft werde dagegen noch richtig Geld verdient. "Es wäre nicht nachzuvollziehen, wenn ein Autohaus diese lukrativen Sparten abstoßen würde", sagte Meinig.