Automatisches Einpark-System Schluss mit den Chauvi-Sprüchen
Einem gängigen Vorurteil wird der Boden entzogen. Denn mit einem neuen Assistenzsystem will der Automobilzulieferer Bosch dem lästigen Einparken parallel zur Fahrtrichtung den Schrecken nehmen. Damit bereitet der Elektronikriese nicht nur der schweißtreibenden Kurbelei, langwierigen Rangierfahrten und peinlichen Rückziehern ein Ende. Sondern er macht auch Schluss mit den ewigen Chauvi-Sprüchen, denen sich vor allem Frauen im Stadtverkehr immer wieder ausgesetzt sehen.
Was für Einpark-Versager klingt wie eine schöne Vision, wird zumindest in einer ersten Entwicklungsstufe als "semi-autonomer Park-Assistent" (SPA) in zwei Jahren in Serie gehen. Und wenig später soll auch auf der Straße möglich werden, was auf dem Testgelände der Schwaben bereits heute funktioniert. Dort rangieren die Prototypen mit "Park Steering Control" wie von Geisterhand bewegt selbständig in die Lücken.
"Beim semi-autonomen System muss der Fahrer zwar noch selbst ins Lenkrad greifen. Doch zumindest sagt ihm die Elektronik künftig vorher, ob sich die Mühe überhaupt lohnt", sagt Rainer Kallenbach, der bei Bosch die Entwicklung von Steuergeräten, Halbleiter und Fahrerassistenzsystemen verantwortet. Denn während der Wagen mit bis zu 30 km/h an der Parklücke vorbeirollt, wird der Stellplatz von insgesamt zwölf Ultraschallsensoren automatisch vermessen. Danach stellt das System dem Fahrer einen elektronischen Einweiser zur Seite, der ihm akustisch oder optisch eine Lenkempfehlung gibt. Dann könnten ungeübte Rangierer zum Beispiel auf dem Display des Navigationssystems oder direkt im Cockpit ablesen, wann und wie stark sie in welche Richtung lenken müssen, damit der Wagen seine endgültige Parkposition erreicht. Falls er doch vom Kurs abkommt, wird automatisch eine neue Rangieranleitung berechnet.
Selbst diese Arbeit will Bosch dem Fahrer aber im nächsten Entwicklungsschritt noch abnehmen. Dann greift der Bordcomputer über die elektronisch gesteuerte Servolenkung direkt in den Rangiervorgang an. Sobald das System eine passende Parklücke gefunden hat und der Fahrer die Wahl mit einem Knopfdruck bestätigt, kann er die Hände tatsächlich vom Lenkrad nehmen. Ohne fremdes Zutun kurbelt die Elektronik dann am Volant und bugsiert den dunkelblauen VW Touran in zügiger Schrittgeschwindigkeit präziser als jeder Fahrlehrer in nur zwei Zügen in die gerade einmal sechs Meter lange Parklücke. Einzig Gas und Bremse muss der Fahrer dabei noch selbst bedienen. Denn so ganz wollen die Entwickler dem Menschen das Ruder nicht aus der Hand nehmen. Außerdem geraten sie dann auch nicht in die Zwickmühle, wenn beim Parken doch einmal etwas schief gehen sollte und der Hintermann plötzlich einen neuen Stoßfänger braucht.
Einen Preis vor die Park Steering Control kann Bosch noch nicht nennen. "Darüber entscheidet der Fahrzeughersteller und nicht der Zulieferer", sagt Entwickler Kallenbach. "Doch entsprechende Stückzahlen vorausgesetzt, sollte der Aufpreis nicht viel höher sein als für die aktuellen Parksensoren, die heute bereits angeboten werden und auch als Basis für die künftigen Lösungen dienen." Doch auch wenn BMW, Mercedes & Co für solche Lösungen einen höheren Aufschlag verlangen sollten, ist das Geld gut angelegt. Schließlich gibt es neuen Lack für Stoßfänger oder Kotflügel auch nicht zum Nulltarif.