BMW Design: "Die Spielräume werden kleiner" - DER SPIEGEL
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BMW Design "Die Spielräume werden kleiner"

Mit dem neuen BMW 7er werden 2001 die Karten der Oberklasse neu gemischt: Ein neuer Münchner, der nicht aussieht, als sei der Vorgänger aufgebügelt worden. Über das neue Innenraum-Design sprach SPIEGEL ONLINE mit Michael Ninic, Leiter Interieur Design bei BMW.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Vom neuen "Siebener" gibt es noch keine Bilder. Aber es gibt Anhaltspunkte, wie der Wagen aussehen wird: Er wird natürlich Züge des bisherigen 7ers tragen, aber auch Linien und Stylingmerkmale der Studien Z9 und Z9 Cabrio.

Vor allem das Innenraumdesign des künftigen BMW-Flaggschiffs wird in wesentlichen Merkmalen dem des Z9 Cabrio entsprechen. Im Zentrum steht dabei das Bediensystem iDrive, mit dem sämtliche Funktionen, die nicht unmittelbar mit dem Fahrbetrieb und der Sicherheit des Autos zu tun haben, in einem Dreh-Druck-Knopf samt Monitor gebündelt sind.

BMW räumt im Cockpit auf. Neue Schlichtheit verdrängt die bisherigen Schalterlandschaften.

SPIEGEL ONLINE: Herr Ninic, es heißt, das Innenraum-Design sei von Architektur inspiriert. Können Sie konkrete Beispiele nennen?

MichaeI Ninic: In der Architektur werden häufig horizontal betonte Strukturen und Volumen mit vertikalen Tragestrukturen kombiniert. Eine solche Kombination stellt beispielsweise das Armaturenbrett dar, das durch die kräftige Mittelkonsole gestalterisch getragen wird und damit optisch sehr "stabil" ist. Alle Elemente des Innenraums werden durch eindeutige Linien und Flächen begrenzt, deren Wölbungen zumeist den Insassen zugewandt sind. Die geben den "Einrichtungsgegenständen" des Fahrzeugs Volumen, einen selbstbewussten Charakter und tragen ebenfalls zur architektonischen Anmutung bei.

SPIEGEL ONLINE: Wie wirkt sich iDrive auf das Cockpit-Styling aus?

Ninic: Das Cockpit-Design spiegelt eine neue Luxuriösität des Innenraums wider. Reduzierung auf das Wesentliche und Konzentration auf die Wertigkeit in den Details.

SPIEGEL ONLINE: Wo sehen Sie Spielräume, die Autoinnenräume der Zukunft weiter zu verändern?

Ninic: Die Spielräume werden zwar immer kleiner, eine Herausforderung jedoch größer - die Optimierung des Zusammenspiels von Mensch und Maschine, die immer wieder in einem neuen Kontext stehen wird. Die individuellen Ansprüche der Kunden werden wachsen, und technisch werden immer mehr dieser Wünsche erfüllbar. Für uns ist es ganz wichtig, dass dabei die Freude am Fahren nicht durch eine Schalter- und Funktionenflut getrübt wird. Deshalb sind wir mit iDrive einen neuen Weg gegangen.

SPIEGEL ONLINE: Welchen Trends wird das Innenraum-Design in den kommenden Jahren folgen?

Ninic: Der Trend wird stark in Richtung Individualisierung gehen. Die Ansprüche der Kunden an Komfort, Technik oder Luxus wachsen mit den Möglichkeiten. Die Lösung kann nicht im Kompromiss, sondern in der konsequenten Analyse der Kundenwünsche liegen. So wie sich die Menschen nach persönlichen "Wohlfühl-Kriterien" ihre Wohnungen einrichten, so wollen sie in Zukunft auch den "Wohnraum Auto" gestaltet haben. Für uns bedeutet dies einerseits sehr sorgfältige Formgestaltung und Materialauswahl, aber auch eine weit in die Zukunft reichende Beschäftigung mit den Möglichkeiten individueller Designvarianten.

SPIEGEL ONLINE: Welche Materialen werden häufiger, welche immer im Auto zu finden sein?

Ninic: Wir setzen nach wie vor auf Materialien, die authentisch das wiedergeben, für was sie stehen: Materialien der Echtheit und Wertigkeit. Wenn beispielsweise ein Bedienknopf nach Aluminium aussieht, beim Anfassen jedoch als lackierter Kunststoff enttarnt wird, dann fragt sich der Kunde zurecht, was wohl in den nicht sichtbaren Bereichen des Autos, etwa der Technik, alles nicht so ist, wie es vorgibt zu sein. Das heißt jedoch nicht, dass es bei den klassischen Materialien wie Holz oder Leder bleiben muss. Auch moderne Materialien, beispielsweise Neopren, können zum Einsatz kommen, wenn sie stimmig zum Fahrzeugkonzept passen.

Das Gespräch führte Jürgen Pander