BMW-Fernlichtassistent Licht im schwarzen Loch
Jedes Auto hat Fernlicht - doch wird es viel zu selten eingeschaltet: nur in einem Viertel der Fälle, in dem ein Einsatz möglich wäre. Und wenn das Fernlicht betätigt wurde, dann wird es oftmals nicht rechtzeitig wieder abgeblendet und irritiert den entgegenkommenden Verkehr. Das hat eine Studie des amerikanischen Verkehrsministeriums ergeben. Aufgeschreckt worden war die Behörde durch alarmierende Zahlen: Demnach geschehen in den USA 55 Prozent aller Unfälle mit Todesfolge in der Nacht, obwohl dann nur 28 Prozent aller gefahrenen Wegstrecken zurückgelegt werden. In Deutschland sieht es ähnlich aus: Knapp 50 Prozent der tödlichen Verkehrsunfälle passieren bei Dunkelheit, obwohl dann kaum einer unterwegs ist. Damit ist das Unfallrisiko in den USA wie in Deutschland in der Nacht doppelt so hoch wie am Tag.
Auf solche Statistiken reagieren die Autohersteller. Nach dem taghellen Xenonlicht und dem adaptiven Kurvenlicht mit horizontal schwenkbaren Scheinwerfern soll jetzt eine weitere Verbesserung der Lichtverhältnisse für mehr Sicherheit auf dunklen Straßen führen. BMW führt zum Herbst als erster Hersteller in Europa einen neuen Fernlichtassistenten ein, der das Fernlicht je nach Situation automatisch ein- und ausschaltet und helfen soll, "dass das Fernlicht öfter und richtig benutzt wird", wie es in München heißt. Denn das permanente Ein- und Ausschalten des Fernlichts wird laut Studie von den meisten Autofahren als lästige und mühsame Tätigkeit empfunden - ähnlich wie bei den Scheibenwischern, die mittlerweile auch in vielen Fahrzeugen mit Hilfe eines Regensensors gesteuert werden.
Sensorkamera reagiert auf Lichtquellen
Das Fernlicht wird nun mit Hilfe einer Sensorkamera an der Vorderseite des Innenspiegels geregelt. Der Fahrer muss dafür zunächst die Fernlicht-Automatik einschalten. Ab dann überwacht die Kamera das Geschehen auf der Straße und reagiert auf etwaige Lichtquellen. Bei entgegenkommenden und vorausfahrenden Fahrzeugen mit Abblend- bzw. Fernlicht oder roten Rücklampen, bei ausreichender Beleuchtung in Ortschaften oder bei niedriger Fahrgeschwindigkeit wird das Fernlicht automatisch abgeblendet. Denn auch zu lange eingeschaltetes Fernlicht erzeugt Gefahr, es blendet den entgegenkommenden Verkehr und lässt ihn in ein sprichwörtlich schwarzes Loch fahren.
Das neue System, das ab September in den 5er, 6er und 7er Baureihen als Sonderausstattung erhältlich ist, analysiert Helligkeit und Farbe von Lichtquellen in einer Entfernung von bis zu 1000 Meter, "um ein annähernd menschliches Fernlichtschaltverhalten nachzuahmen", wie es bei BMW heißt. Der elektronische Helfer kann manuell mit Dauer-Fernlicht oder Dauer-Abblendlicht jederzeit übertrumpft werden. Und auch das ist wichtig für viele BMW-Fahrer: Die Lichthupe ist wie gewohnt zu bedienen.
Bei starkem Nebel oder anderen Verkehrsteilnehmern mit schlechter Eigenbeleuchtung, etwa Fußgängern oder Fahrradfahrern, stößt der Fernlichtassistent allerdings an seine Grenzen. Hier könnte dann ein neues, sogenanntes "Night Vision"-System helfen, bei dem die Straße mittels einer Wärmebild-Kamera überwacht wird und dem Fahrer auf seinem Monitor ein Bild von Menschen oder Tieren auf der Straße gezeigt wird. Diese Technik wird ab Ende des Jahres zunächst nur beim 7er BMW verfügbar sein.