BMW Mit Wasserstoff auf Welttournee
Said blickt in den Rückspiegel, grinst und schüttelt den Kopf. "What a strange idea", sagt er und tritt aufs Gaspedal seines Taxis. Der Mann aus Indien kann sich nur wundern, warum "bi-em-dabblju" ausgerechnet hier, in Dubai, sein Konzept einer Wasserstoff-Treibstoffversorgung vorstellt. Das Scheichtum der Vereinigten Arabischen Emirate besitzt Rohöl im Überfluss; ein Liter Benzin kostet umgerechnet knapp 60 Pfennig. Wer hier von alternativen Kraftstoffen spricht, muss mit Belustigung und Spott rechnen.
Das weiß auch Burkhard Göschel, Entwicklungs-Vorstand bei BMW. "Ausgerechnet hier für unsere Wasserstoffautos zu werben, mag angesichts des Erdölreichtums des Landes paradox erscheinen. Doch was wir hier machen, ist alles andere als paradox."
Was macht BMW? Die Münchner wollen das Zeitalter des Wasserstoffs einläuten. Dazu reist ein PR-Tross in mehreren Etappen um die Welt. An der ersten Station Dubai soll dafür geworben werden, dass im Sonnengürtel der Erde Wasserstoff mit Hilfe von Solarenergie gewonnen werden kann. Denn nur wenn Wasserstoff, der bekanntlich bei Verbrennung keine Treibhausgase freisetzt, auch CO2-frei hergestellt wird, ist sein Einsatz unter Umweltgesichtspunkten sinnvoll.
Der Plan sieht folgendermaßen aus: Dort, wo die Sonne am beständigsten scheint, sollen solarthermische Kraftwerke Strom herstellen, mit dem dann Wasser per Elektrolyse in seine Elemente Wasserstoff und Sauerstoff aufgespalten werden kann. Der Wasserstoff wird in Tanks gespeichert, an seinen Einsatzort transportiert und dort dann emissionsfrei (es entsteht lediglich harmloser Wasserdampf) verbrannt. Länder im "Sonnengürtel der Erde", so BMW, seien für die umweltneutrale Herstellung von Wasserstoff ideal. Neben dem Sonnenschein gibt es hier ausreichend technisches Know-how, und zugleich wäre ein Substitut für den endlichen Rohstoff Erdöl vorhanden. In Dubai sind sämtliche Voraussetzungen gegeben - und außerdem ist dort der Hauptsitz von BMW Middle East.
Auch die Verantwortlichen des Ölemirats liebäugeln mit dem Energieträger Wasserstoff. Scheich Mohammed Bin Raschid al-Maktum fungierte als Schirmherr der Veranstaltung in seinem Emirat und chauffierte höchstpersönlich einen der insgesamt zehn von BMW nach Dubai verfrachteten BMW 750 hL mit Wasserstoffantrieb. Mohammed Bin Fahed, Vorsitzender eines Umweltpreiskomitees, sagte in einer Stellungnahme, trotz der Erdölreserven müsse man "schon jetzt an die Energieversorgung für die Zeit danach denken". Am Lehrstuhl für Energiewirtschaft der Technischen Universität München wird derzeit an einer Studie gearbeitet, die klären soll, ob und wie eine solarbetriebene Wasserstofferzeugung in Dubai wirtschaftlich sinnvoll organisiert werden kann.
Doch bereits jetzt herrscht Optimismus vor. "Wir sind nach Dubai gekommen", erklärt Göschel, "um neue Partner zu finden." Entsprechend umgarnt wurden die Scheichs, deren Reichtum bislang auf dem schwarzen Gold gründet. Göschel: "Was für eine Chance, neben Erdöl noch eine andere natürliche Ressource profitabel zu nutzen: die Energie der Sonne. Wenn hier profitabel arbeitende solarthermische Anlagen entstehen, hat Dubai die besten Chancen, auch auf dem neuen Energiesektor die Vorreiterrolle zu übernehmen."
Ob demnächst ein erstes Solarkraftwerk zur Erzeugung von Wasserstoff in die Wüste gestellt wird, ist noch nicht entschieden. Vorstellen könnte sich Mohammed Bin Fahed das allerdings sehr gut, "vielleicht schon in ein paar Jahren". Inzwischen tourt BMW weiter in Sachen Wasserstoff um den Globus. Nächste Station wird am 6. März Brüssel sein. Dort soll es dann um die politischen Rahmenbedingungen der schönen neuen Wasserstoff-Welt gehen.