Carsponsoring Kostenlos was Buntes
Los Angeles - Carissa Greene kann es passieren, dass Unbekannte sie mit Bestellungen konfrontieren. "Ein Mann wurde einmal richtig sauer, weil ich keinen Saft verkaufen konnte", sagt die 35-jährige allein erziehende Mutter.
Der Grund: Ihr VW Beetle gleicht einer mobilen Reklametafel und kann mitunter auch für eine Saftbar gehalten werden - der Käfernachfolger ist komplett mit Werbung für die Getränkefirma "Jambajuice" drapiert. Meistens sorgt der mobile Auftritt für allgemeines Wohlwollen. Im Übrigen hat der Wagen der jungen Choreografin einen entscheidenden Vorteil: Er ist kostenlos.
Carsponsoring heißt das Zauberwort und praktiziert wird es bereits in Los Angeles, San Francisco, Denver und Alaska. Die Firma Freecar.com übernimmt bereits bei gut hundert Autofahrern die monatlichen Kosten für Raten und Versicherungen - bis zu einem Betrag von umgerechnet etwa 1000 Mark. Als Kostenfaktor bleibt dann nur noch der Sprit übrig.
Der Halter verpflichtet sich jedoch zu einer Mindestfahrstrecke; jede vierte Woche kontrolliert das Unternehmen, ob die Bedingungen vom Vertragspartner auch eingehalten werden und der Wagen nicht etwa klammheimlich in einer Tiefgarage parkt.
Wer sich nicht daran stört, mit Werbung für Schokolade, Windeln oder Heimwerkerutensilien in der Gegend herumzufahren, kann sich bei Freecar.com zu erkennen geben. Die Firma entscheidet dann, wer sich als Plakatfahrer eignet.
"Wenn eine Sportmarke einen Anzeigenplatz sucht, dann sorgen wir nach Möglichkeit dafür, dass die Anzeige auf ein Auto kommt, dessen Fahrer selbst sportinteressiert ist und möglicherweise des Öfteren vor Stadien parkt."
Hauptnutznießer ist freilich der Anzeigenkunde. "Eine klassische Reklametafel am Straßenrand kostet Anzeigenkunden rund 5000 bis 10.000 Dollar", sagt Freecar-Gründer Chris Gabler. "Unsere Autoflächen schlagen mit 1000 Dollar zu Buche."
Das amerikanische Modell, inzwischen zwei Jahre lang erfolgreich erprobt, könnte womöglich auch bald auf europäischen Straßen Schule machen. Erste Nachahmungsinteressenten haben sich bereits aus England und Skandinavien gemeldet.