Crashtests Virtuell an die Wand fahren
Bei DaimlerChrysler zum Beispiel werden digitale Automodelle im neuen Virtual Reality Center in Sindelfingen an eine virtuelle Wand gefahren. Ingenieure, Ergonomen und Designer können den Aufprall wie in einem Kino verfolgen. Ausgestattet mit speziellen 3-D-Brillen, sehen sie auf der Projektionsfläche in jeder beliebigen Geschwindigkeit, aus jedem beliebigen Blickwinkel und mit einer quasi plastischen Darstellung, wie der Crash abläuft.
Neu an diesem Verfahren ist, dass einzelne Bauteile per Mausklick ausgeblendet werden können, damit auch das Crashverhalten von Elementen im Innern des Autos beobachtet und analysiert werden kann. Professor Bharat Balasubramanian, Direktor der Pkw-Entwicklung bei Mercedes-Benz, preist die Vorteile der Virtualität gegenüber der Wirklichkeit: "Wir sehen vom Innenleben des Fahrzeugs virtuell erheblich mehr, als uns die beste High-Speed-Kamera beim realen Crash zeigen könnte. Nicht zuletzt sind auch viel mehr Varianten als im realen Versuch durchspielbar, ohne dass wir jedes Mal einen Mercedes zerstören müssten."
Wo früher rund hundert Fahrzeuge gegen Hindernisse gelenkt wurden, reichen heute etwa 40 reale Kollisionen aus. Die übrigen Crashversuche werden im Rechner durchgespielt, denn inzwischen reicht die Datendichte und qualität der virtuellen Modelle eng an die Wirklichkeit heran. Auf diese Weise lässt sich Zeit und Geld sparen - obwohl auch ein Auffahrunfall in der digitalen Welt bis zu 10.000 Mark kostet. Das liegt an den enormen Datenmengen, die für die Darstellung einer realitätsnahen Kollision verarbeitet werden müssen.
DaimlerChrysler setzt für diese Berechnungen Silicon-Graphics-Computer ein, deren Leistung etwa der von 200 herkömmlichen PC entspricht. Dennoch dauert die Rechenzeit für einen Vollcrash noch bis zu 80 Stunden. Diese Bearbeitungsdauer erklärt sich auch dadurch, dass der Zeitvorteil, den immer leistungsfähigere Rechner bringen, von der stetig wachsenden Zahl der Daten "aufgefressen" wird: Um die Güte der virtuellen Crashversuche zu verbessern, wird das Koordinatennetz über dem digitalen Automodell immer enger gezogen.