Der 75. Geburtstag: Hightechdetail Scheibenwischer - DER SPIEGEL
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Der 75. Geburtstag Hightechdetail Scheibenwischer

In diesen Tagen feiert der elektrische Scheibenwischer seinen 75. Geburtstag. Und kaum jemand ahnt, dass sich hinter dem scheinbar so simplen Gerät mittlerweile reichlich Hightech verbirgt.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Stuttgart - Der Hersteller Bosch in Stuttgart stellte im Jahr 1926 eine Entwicklung vor, die heute noch Stand der Technik ist: Den Scheibenwischer, bei dem Elektromotoren die Wischarme gleichmäßig über die Scheibe führen. Bis zu diesem Zeitpunkt mussten sich die Autofahrer bei Regen mit eher umständlichen Mitteln behelfen. Prinz Heinrich von Preußen etwa hatte im Jahr 1908 ein handbetätigtes «Abstreiflineal» ersonnen. Später kamen pneumatisch betriebene Wischer, die aber bei zunehmender Fahrt langsamer wurden.

In den folgenden Jahrzehnten wischte die Bosch-Erfindung ohne viel Aufsehen weiter über die Scheiben. Selten gab es neue Ideen wie die aus dem Hause Mercedes-Benz: Hier wurde in den achtziger Jahren der einarmige Wischer verbaut, der sich mit spezieller Mechanik anhob, um weiter in die oberen Winkel der Scheibe zu gelangen.

Wirklich Neues an der Regenfront brachten die 90er: Zum einen machte der Regensensor auf sich aufmerksam, der den Scheibenwischer bei Nässe ohne Zutun des Fahrers in Bewegung setzt. Bosch selbst entwickelte 1994 einen so genannten Twin-Wischer aus zwei Materialien mit einer besonders harten und abriebfesten "Wischlippe".

Derzeit sind es wieder die Stuttgarter, in deren Werkstätten neues zur Wischtechnik entsteht. So gilt ein neuer Wischer namens Aerotwin als Erfolgsmodell der Zukunft. Während am herkömmlichen Wischerarm meist vier Gelenke das eigentliche Wischblatt halten, besteht der Wischerarm bei der neuen Entwicklung laut Bosch aus einem einteiligen Gummiprofil mit integriertem Spoiler. Zwei Federschienen verteilen den Anpressdruck auf die Scheibe. Die Folge soll ein besseres Wisch-Ergebnis sein. Zudem ist die Konstruktion gegenüber herkömmlichen Wischern nur halb so hoch und behindert damit weniger die Sicht.

Erstmals eingebaut wurde der Aerotwin im Mercedes-Nobelcoupé CL, jetzt sollen jedoch weitere Marken hinzu kommen. Bosch selbst rechnet damit, dass in einigen Jahren etwa 80 Prozent aller Neuwagen mit der neuen Technik ausgestattet sein werden. Weiterentwicklungen gibt es auch bei den Wischermotoren: hier sorgen etwa Sensoren dafür, dass der Scheibenwischer sich nicht durch zu schwere Schneehaufen quält, sondern - auch zur eigenen Schonung - vorher beidreht.

Und abgesehen von allen Verbesserungen am Wischer an sich: "90 Prozent der Leistung des Wischers ist abhängig von der Pflege", so Hubert Paulus, Experte des ADAC in München. So gehen die Wischergummis schnell kaputt, wenn sie über vereiste Scheiben gleiten.

Rainer Hillgärtner vom Auto Club Europa (ACE) in Stuttgart weist zudem darauf hin, dass Wischergummis und Scheiben nach dem Besuch einer Waschanlage von Resten des so genannten Heißwachses zu befreien sind, um Schlieren zu verhindern: "Das lässt sich mit einem herkömmlichen Fensterreiniger machen."

Gelegentliche Empfehlungen, dass Wischergummis alle sechs Monate zu wechseln sind, können laut Hillgärtner ignoriert werden, so lange der Wischer die Scheibe einwandfrei vom Wasser befreit. Auch wenn erste Schlieren oder Rubbelgeräusche auftreten, sollte zuerst eine Reinigung von Wischer und Scheibe versucht werden. Erst wenn das nichts hilft, ist ein Neukauf dran. Der Griff ins Regal sollte laut Hillgärtner jedoch nicht vor einem ausgiebigen Preisvergleich getan werden - die Preise unterscheiden sich doch merklich.

Abgesehen davon wird der Wischer an sich dem Autofahrer in seiner Grundform wohl noch lange erhalten bleiben. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass dieses System in absehbarer Zeit revolutionär geändert wird", sagt Hubert Paulus. Allerdings sei immer noch Raum für Verbesserungen - zum Beispiel mit einer Technik, die im Winter das Anfrieren der Wischerblätter verhindert.