Diesel-Markt: ...und es hat Boom gemacht - DER SPIEGEL
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Diesel-Markt ...und es hat Boom gemacht

Wenn in irgendeinem Zusammenhang das Wort Trend gerechtfertigt ist, dann bei der Entwicklung des Marktes für Dieselfahrzeuge in Deutschland. Deren Zulassungszahl steigt seit Jahren stetig. Und der Boom hält weiter an.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Bis zum Jahr 2005 wird sich an der zunehmenden Beliebtheit von Autos mit Dieselmotor nichts ändern, lautet die Prognose des Center Automotive Research (CAR) in Gelsenkirchen. Lag der Anteil von Diesel-Pkw an der Gesamtzahl der Neuzulassungen im Jahr 1997 noch bei 14,9 Prozent, so war diese Quote bis zum vergangenen Jahr auf 34,6 Prozent geklettert. Das entsprach 1,15 Millionen Fahrzeugen mit Selbstzünder. Bis zum Jahr 2005, so die Schätzung, wird die Zahl der Diesel-Neuzulassungen auf 1,5 Millionen Autos und damit ihr Anteil auf 41 Prozent steigen.

Wichtigster Grund für diese Entwicklung scheint die Veränderung des Diesel-Images zu sein. Galten die früher meist rauen, lauten und lahmen Selbstzünder-Motoren noch bis Mitte der achtziger Jahre eher als Antriebsquelle für Ackerschlepper oder Lkw, hat sich dieses Bild seither grundlegend gewandelt.

Durch mehrere Technologiesprünge wurde aus dem nagelnden Aggregat eine Hightech-Maschine, die herkömmliche Benzinmotoren in einigen Kategorien locker überflügelt. "Der Diesel hat sich zum prestigeträchtigen Hightech-Produkt entwickelt, das mit neuen gesellschaftlichen Werten harmoniert. Er verbindet Ökonomie und Kraftentfaltung", sagt CAR-Chef Ferdinand Dudenhöffer.

Wirtschaftlich sinnvoll ist die Anschaffung eines Diesel-Autos jedoch in aller Regel nur dann, wenn die jährliche Fahrleistung deutlich über dem deutschen Durchschnitt von 12.300 Kilometer liegt. Denn erst dann gleicht der im Vergleich zum Benzin niedrigere Kraftstoffpreis für die Diesel die höhere Kfz-Steuer und den in der Regel teureren Anschaffungspreis aus. Die Diesel-Kauflust ist - obwohl bei genauerer Diagnose wohl in vielen Fällen ökonomisch unrentabel - ungebrochen.

Meilensteile der Dieseltechnologie

1978 Erster Turbo-Diesel-Pkw Mercedes
1988 Erster Diesel-Direkteinspritzer Fiat
1989 Erster Diesel-Direkteinspritzer Audi
1997 Erster Commonrail-Dieselmotor Fiat
1998 Erster Pumpe-Düse-Dieselmotor VW
1999 Achtzylinder-Dieselmotoren Audi, BMW, Mercedes
2000 Erster Diesel-Pkw mit Rußpartikel-Filter Peugeot
2002 Zehnzylinder-Dieselmotor VW

In einigen Ländern Europas erreichen die Dieselfahrzeuge längst deutlich die absolute Mehrheit aller Neuwagen. Österreich führt die europäische Selbstzünder-Tabelle an mit einem Dieselanteil von 66 Prozent. Auf den Plätzen folgen Belgien mit 62,3 Prozent, Frankreich mit 56,3 und Spanien mit 53,8 Prozent. Deutschland rangiert mit 34,6 Prozent derzeit im Mittelfeld. Am Ende der Diesel-Rangfolge stehen Irland mit12 Prozent, Schweden mit 5,6 Prozent und Griechenland mit 0,9 Prozent.