Elektroroller: Zehn Tankstellen pro Flitzer - DER SPIEGEL
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Elektroroller Zehn Tankstellen pro Flitzer

In Berlin gibt es etwa 20 Elektroroller. Damit diese bald überall geladen werden können, sollen in der Hauptstadt 200 Straßenlaternen zu "Elektro-Tankstellen" umgebaut werden. Die Firma Solarmove, die die Tankstellen aufbaut, hofft, dass dadurch bald mehr Elektroroller durch die Hauptstadt düsen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Geht es nach Dag Schulze von der Firma Solarmove, dann sollen die Berliner zukünftig die klassische Vespa in der Garage lassen und mit leiseren, emissionsfreien Elektrorollern durch die Hauptstadt fahren. Während der Kaffeepause oder der Arbeit wird das Gefährt an einen Laternenmast angestöpselt und soll sich in zwei Stunden wieder aufladen.

Schon im Frühjahr 2003 soll es so weit sein: 200 Berliner Laternenmasten sollen dann auch als Stromtankstelle funktionieren. Damit können etwa 2000 Roller versorgt werden, schätzt Schulze. Der Strom soll mit einer Chipkarte bezahlt werden. Schulze hofft auf einen Boom der Elektroflitzer, wenn das Netz in der Berliner Innenstadt ausgebaut ist. Deshalb macht sich Solarmove auch dafür stark, dass Rollerhändler ihren Kunden die 2300 bis 3300 Euro teuren Fahrzeuge verstärkt anpreisen. Für den Kunden soll sich der höhere Anschaffungspreis durch geringere Energiekosten amortisieren.

Dass die Roller umweltfreundlicher sind als die beliebten knatternden Zweitakter, steht für Schulze außer Frage. Die acht Kilowattstunden, die ein Elektroroller auf 100 Kilometer verbraucht, entsprechen laut Schulze etwa 0,8 Litern Benzin. Die E-Roller sollen sogar doppelt ökologisch sein: Sie verbrauchen nicht nur weniger Energie als ihre Knatterbrüder, der Strom aus der Laternensteckdose ist zudem noch ökologisch erzeugt.

Erst das Netz, dann die Roller

Der Schnitt von zehn Tanklaternen pro Roller, den es heute gäbe, wenn das Netz schon stünde, soll deutlich sinken. Steht in Berlin erst einmal ein flächendeckendes Netz von Tanklaternen, dann werde sich der E-Roller auch durchsetzen, hofft Schulze. Ohne ein flächendeckendes Netz "Tankstellennetz" sieht Schulze kaum eine Möglichkeit, dass sich die Elektroflitzer verbreiten könnten. "Ein flächendeckendes Netz ist wichtig, weil man dann überall gleichzeitig parken und tanken kann." Deshalb werben die E-Roller-Freunde bei den Roller-Händlern für die leisen Sauser. Auch ein Rollersharing-Programm soll die Flitzer noch bekannter und beliebter machen.

Die Finanzierung der ersten 200 Tanklaternen sei unter anderem aus Mitteln der Projektagentur "Zukunftsfähiges Berlin" gesichert, sagte Schulze. 20.000 Euro bekommt Solarmove von der Agentur, eine Million Euro kommt aus einem E.ON-Fonds. Es kann also losgehen. Jetzt müssen noch geeignete Standorte gefunden werden und das Design der Zapf-Dosen erarbeitet werden. Ob die Laternentankstelle auch in anderen Städten kommt, ist noch nicht sicher, da sich nicht in allen Städten die Laternen dafür eignen, von Rollerfahrern angezapft zu werden.