Fahrtziel Zukunft (IV): Kampf ums Licht - DER SPIEGEL
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Fahrtziel Zukunft (IV) Kampf ums Licht

Jahrelang führten sie ein Schattendasein, jetzt stehen sie im Mittelpunkt des Interesses: Die Leuchten und Lampen rund ums Auto könnten schon bald mit den herkömmlichen Glühlampen nicht mehr viel zu tun haben.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Reutlingen - Regelmäßig stellen die Autobauer Neuentwicklungen rund ums Licht vor: Mal gibt es Xenon-Licht, mal fallen die Streuscheiben der Scheinwerfer klaren Gläsern zum Opfer, mal werden Abdeckungen in Schwarz oder passend zum Autolack eingefärbt. Nun steht der nächste Schritt an: Vor allem bei Rückleuchten und Blinkern sagen Neonröhren und Leuchtdioden den althergebrachten Glühlampen den Kampf an.

Zu den Vorreitern bei den Leuchtdioden oder LEDs (Light Emitting Diodes) gehört BMW. Dort wird der gerade überarbeitete 5er mit neuen Rücklichtern ausgerüstet, vorne gibt es von LEDs gespeiste Leuchtringe als Standlicht. Laut dem Leuchtenhersteller Automotive Lighting in Reutlingen ist BMW mit der neuen Technik nicht alleine - Maserati, General Motors und Alfa-Romeo haben ebenfalls entsprechendes im Programm. "Der Auftragseingang für die Entwicklung neuer Modelle zeigt, dass sich noch einiges tun wird", sagt Ulrich Köster, Sprecher des Herstellers Hella in Lippstadt.

Die LEDs haben eine Reihe von Vorteilen. "Die Lebensdauer ist deutlich länger als bei Glühlampen", sagt Köster, "man geht von einem kompletten Autoleben aus." Hinzu komme, dass die Technik weniger Strom verbraucht. Speziell für Designer ist es von großem Vorteil, dass die Leuchten einen kleineren Raum zum Einbau benötigen.

Zudem sprechen sie schneller an, die Bremslichter sind also eher zu sehen. Während sich ein Vorteil von 100 bis 150 Millisekunden auf Anhieb gering anhört, bedeutet das bei Tempo 100 für nachfolgende Fahrer etwa 5,5 Meter mehr möglichen Bremsweg.

Doch es gibt auch Nachteile. So sind die LED-Leuchten wegen der großen Zahl benötigter Dioden um einiges teurer als herkömmliches Licht. Bei BMW werden in den Rückleuchten des neuen 5ers beispielsweise auf jeder Seite vier Leuchtdioden eingesetzt, die wiederum vier horizontal angeordnete Leuchtstäbe mit Licht versorgen.

"Leuchtdioden haben grundsätzlich ein Temperaturproblem", sagt Michael Hamm Abteilungsleiter der Lichttechnik-Entwicklung bei Automotive Lighting. "Sie leuchten bei hohen Außentemperaturen weniger stark als bei niedrigen Temperaturen." Hinzu kommt, dass das Diodenlicht noch nicht jeden Farbton in der gewünschten Helligkeit produziert. "Orange und Rot hat man im Griff", sagt Ulrich Köster. Beim Weiß der Rückfahrscheinwerfer gebe es jedoch noch Schwierigkeiten.

Eine weitere neue Lichttechnik feierte jüngst ebenfalls bei BMW Premiere. Im Roadster Z8 kommt am Heck erstmals Neonlicht zum Einsatz. Darüber freuen sich wohl vor allem die Designer - auch wenn BMW eine lange Lebensdauer und das geringe Gewicht als Vorteile preist. "Mit Neon lassen sich schöne flache Röhren realisieren, außerdem lassen sich die Röhren in viele Formen biegen", sagt Michael Hamm.

Schwierigkeiten macht allerdings die geringer Lichtausbeute, nur gebündelt ist Neonlicht intensiv genug. Auch für die gelben Blinker mussten sich die Techniker etwas einfallen lassen: "Die eigentliche Neonentladung ist rot. Erst wenn ein grüner Leuchtstoff hinzugemischt wird, ergibt dies gelbes Blinklicht."

Während LEDs und Neonröhren schon serienmäßig eingebaut werden, tüfteln die Entwickler bereits an der nächsten Neuheit - den Elektrolumineszenz-Folien. Die hauchdünnen Folien, die auf jede gewünschte Karosseriefläche geklebt werden können, werden mit Strom zum Leuchten gebracht. "Bisher", so Hamm, "ist die Lichtausbeute allerdings noch viel zu gering."

Heiko Haupt, gms