Felgen-Mode Man trägt Leichtmetall
Es geht natürlich um Design. Silbrig glänzende Felgen mit Speichenmustern, die an Blüten, Sonnenstrahlen oder Turbinen erinnern, sind für viele Autofahrer das optische i-Tüpfelchen an ihrem Wagen. Deshalb gehören Alufelgen, zumindest bei sportlichen Fahrzeugen oder Automodellen der höheren Preisklassen, seit Mitte der neunziger Jahre zu den meistbestellten Extras.
Das Fachblatt "Neue Reifenzeitung" schätzt, dass inzwischen mehr als ein Drittel aller Neuwagen in Europa mit Leichtmetallrädern ausgeliefert werden. Bei Autos der unteren Mittelklasse (etwa Mercedes C-Klasse, BMW 3er) liegt der Ausstattungsgrad mit Alufelgen bei rund 75 Prozent. Audi vermeldet sogar, dass 90 Prozent aller Neufahrzeuge der Marke mit Leichtmetallrädern ausgeliefert werden - wobei die Alufelgen bei den meisten Modellen ohnehin schon zur Grundausstattung gehören.
Je besser das Geschäft mit der Erstausstattung ab Werk läuft, desto mehr schrumpft der Markt bei der Nachrüstung. Der Absatz von Leichtmetallrädern im Zubehörhandel liegt in Deutschland bei rund 2,6 Millionen pro Jahr. Damit sind Rad-Reifenkombinationen mit 28 Prozent am Gesamtumsatz der Tuningbranche in Deutschland (2002 waren das 4,2 Milliarden Euro) die beliebtesten Zubehörteile. Gefragt sind vor allem die vergleichsweise einfachen und günstigen Gussräder. Teurere Schmiederäder, Kunststoffräder, Magnesiumräder oder Aluminiumbandräder bieten mitunter zwar bessere technische Werte, spielen jedoch eine weit weniger große Rolle. In erster Linie ist eben doch die Optik wichtig.
Dabei bieten Leichtmetallräder durchaus weitere Vorteile. Zum Beispiel den, dass sie, wie der Name schon sagt, leichter sind als herkömmliche Stahlräder. Zwar schwanken die Radgewichte je nach Herstellungsverfahren beträchtlich, doch als Faustregel kann gelten, dass ein Alurad etwa drei bis fünf Kilogramm leichter ist als ein vergleichbares Stahlrad.
Durch die abgespeckten Räder reduziert sich das Gewicht der ungefederten Massen am Fahrzeug, die Fahreigenschaften und das Handling verbessern sich entsprechend, eventuell sinkt sogar der Spritverbrauch. In der Praxis allerdings wird der Gewichtsvorteil häufig zur theoretischen Größe. Denn meist werden Leichtmetallräder in einer größeren Dimension (etwa 17 Zoll statt vorher 16-Zoll-Stahlräder) aufgezogen, wodurch das größere Rad und der größere Reifen den ursprünglichen Vorteil wieder zunichte machen.
Im vergangenen Jahr unterzog die Zeitschrift "Auto, Motor und Sport" acht 17-Zoll-Aluminiumräder unterschiedlicher Hersteller einem Test, bei dem unter anderem die Belastungen durch Schlaglöcher und Bordsteinkanten simuliert wurden und die Räder einem Dauerlauf mit 200.000 Lastwechseln sowie einem 240 Stunden währenden Säurebad zur Prüfung der Korrosionsbeständigkeit unterzogen wurden.
Nur ein Rad, nämlich das Modell RZ 519 des Schwarzwälder Branchenriesen BBS, erhielt die Höchstnote "besonders empfehlenswert". Bei anderen Alufelgen kam es schon mal vor, dass eine Speiche brach, Risse oder Korrosionsschäden auftraten. Während einfache Leichtmetallräder schon ab etwa 100 Euro pro Stück angeboten werden, kosten aufwändig konstruierte, dreiteilige Räder aus speziellen Legierungen bis zu 1000 Euro. BBS etwa, die Marke, die unter anderem auch das Ferrari-Formel-1-Team seit elf Jahren mit Hochleistungsrädern beliefert, bietet seit wenigen Wochen ein so genanntes GT Rad an, das im 19-Zoll-Format 1032,40 Euro kostet.
Übrigens: Aluräder verschmutzen schneller als einfache Stahlräder und brauchen deshalb mehr Pflege. Um das Einbrennen von Bremsstaub in die sich erhitzende Felge zu verhindern, sollten Leichtmetallräder regelmäßig gereinigt werden. Allerdings sollten Autofahrer dabei einen möglichst milden Felgenreiniger verwenden, weil aggressive Substanzen die Beschichtung oder Lackierung angreifen können, was das Leichtmetall erst recht anfällig für Verschleißspuren werden lässt.