Frau und Auto: Tankstellen wirken maskulin-archaisch - DER SPIEGEL
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Frau und Auto Tankstellen wirken maskulin-archaisch

Die Tankstelle, der letzte Hort wilder Männer – viele Frauen, die Aral befragte, fühlen sich beim Boxenstopp unwohl. Das darf nicht sein, befand der Tankstellenbetreiber und investiert Hunderte Millionen Euro, um seine Kette für seine Kundinnen attraktiver zu gestalten.
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Düsseldorf – Was für die Frauen unangenehm ist, lieben die Männer: den Stopp an der Tankstelle, um Kraftstoff für die nächsten Hunderte Kilometer aufzunehmen. Das jedenfalls ergab die heute in Düsseldorf vorgestellte zweite Mobilitätsstudie des größten deutschen Tankstellenbetreibers Aral.

Die weiblichen Kunden fühlten sich beim Besuch von Tankstellen oft unwohl und vor allem nachts bedroht, die Atmosphäre wirke auf sie rau, wild und "maskulin-archaisch". Die Frauen schickten am liebsten einen männlichen Begleiter zum Tanken. Daran änderten auch helle Beleuchtung, Ordnung und Übersichtlichkeit nicht viel. Männer fänden das Ambiente aus Motorengeräuschen und Ölgeruch hingegen anziehend. Zudem gefielen sie sich dort in der Rolle des "besserwisserischen Helfers" für die Frauen.

Für die vom Kölner Institut Rheingold durchgeführte tiefenpsychologische Studie wurden 80 repräsentativ ausgewählte Personen aus dem Raum Köln jeweils zwei Stunden befragt. Nicht nur für Frauen, auch für Fahranfänger seien Tankstellen ein Hemmnis: Sie fürchteten sich vor peinlichen Pannen beim Anfahren an die Säule und beim Umgang mit dem Tankstutzen. Für viele Kunden seien die Tankstellen aber auch soziale Treffpunkte und Ersatz für den Tante-Emma-Laden. Gerade im ländlichen Bereich hätten sie "Oasen- Charakter".

"Abenteurer" fahren bis zum letzten Tropfen

Der Untersuchung zufolge gibt es drei unterschiedliche Tank-Typen: den "Boxenstopper", den "Träumer" und den "Abenteurer". Der "Boxenstopper" versuche möglichst schnell weiterzukommen und zeige dies gegenüber anderen Kunden und dem Personal etwa durch Hektik. Mit Express-Zapfsäulen könnten Tankstellen diesen Autofahrertyp für sich gewinnen; pures Tanken und Zahlen ohne Shop und Service.

"Träumer" nutzten den Tankstellenaufenthalt dagegen als Pause für Körper und Geist und gönnten sich Süßigkeiten oder andere Produkte im Shop. Der "Abenteurer" versuche etwa auf den Cent genau einen bestimmten Betrag zu tanken oder den Tank so weit wie möglich leer zu fahren. Im Shopbereich interessiert er sich vor allem für neue Produkte. Nach welchem dieser Muster eine Person tanke, hänge von der individuellen Situation und Stimmungslage ab, heißt es in der Studie.

Inzwischen seien mehr als 40 Prozent der Tankstellenkunden Frauen, ihr Anteil habe sich in den vergangenen Jahrzehnten verdoppelt, berichtete der Vorstandschef von BP Deutschland, Uwe Franke, zu der die Aral AG gehört. Drei von vier Kunden kauften zudem nicht nur Kraftstoff, sondern auch in den Shops ein, vor allem die Männer. Durch die längeren Ladenöffnungszeiten seien die "Notkäufe" jedoch zurückgegangen, der Trend gehe zu den Impulskäufen.

Der Aral-Konzern will die Ergebnisse nun zusammen mit anderen Befragungen in seine Geschäftsausrichtung einfließen lassen. So investiert das Unternehmen bereits 250 Millionen Euro, um seine Tankstellen und die dazugehörigen Shops vor allem attraktiver für Frauen zu machen. Aral betreibt in Deutschland über 2500 Tankstellen. Insgesamt gibt es bundesweit über 15.000 Stationen.

abl/dpa/ddp

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