Gas-Autos: Kostensenker im Kofferraum - DER SPIEGEL
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Gas-Autos Kostensenker im Kofferraum

Benzin und Diesel werden immer teurer, und so bieten Autohersteller zunehmend gasgetriebene Fahrzeuge an. Auch die Umrüstung kann einen drastischen Kostenvorteil bringen. Nachrechnen lohnt sich.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Fahrzeuge mit Gasantrieb sind bereits alltagstauglich. Die Technik ist in vielen Neuwagen verfügbar und kann bei fast allen Fahrzeugen nachgerüstet werden. Außerdem ermöglicht eine Ermäßigung bei der Mineralölsteuer für Autos mit Gasantrieb einen Kostenvorteil. Je nach Verbrauch und Förderung können die Fahrer zum halben Preis Vollgas geben. Allerdings gibt es in Deutschland zwei Gassorten, die nicht miteinander vereinbar sind: Erdgas und flüssiges Gas, auch Autogas genannt.

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Treibstoffkosten: Gas-Autos sind deutlich billiger

Foto: GMS

Das Angebot an Autos mit Gasantrieb wächst. VW und Opel haben im April auf der Messe Automobil International (AMI) in Leipzig mit entsprechenden Versionen von Caddy, Touran und Combo drei neue Modelle mit integrierten Erdgastanks vorgestellt. Chevrolet in Bremen bietet nach eigenen Angaben seit Anfang dieses Jahres für fast alle Modelle Varianten mit Autogas an. Und ebenfalls auf der AMI kündigte Chrysler für sein Flaggschiff 300C eine Flüssiggas-Version an.

Aber mit den insgesamt rund zwei Dutzend Serienfahrzeugen müssen sich die Fahrer nicht begnügen: "Im Grunde kann jedes Fahrzeug mit Benzinmotor auf Erd- oder Flüssiggas-Antrieb umgestellt werden", erklärt Albert Kobbe vom Bundesverband der deutschen Gas- und Wasserwirtschaft in Berlin. Laut Kraftfahrt-Bundesamt in Flensburg fahren hier zu Lande derzeit mehr als 27.000 Fahrzeuge mit Erdgas. Den Bestand an Autogasfahrzeugen gibt der Deutsche Verband Flüssiggas (DVFG) in Berlin mit etwa 25.000 an.

"Keine Unterschiede im Alltagsbetrieb"

Bei der Umrüstung bekommen die Autos eine veränderte Einspritzanlage und einen Zusatztank für das Gas. Dieser Tank ist bei Erdgas zylindrisch und wird bei neuen Fahrzeugen meist im Unterboden verbaut. Bei der Nachrüstung wird er meist hinter einer Verkleidung im Kofferraum montiert und schmälert dadurch das Transportvolumen. Flüssiggas wird laut DVFG-Geschäftsführer Robert Schneiderbanger mit weniger Druck gelagert und benötigt deshalb weniger aufwendige Tanks. "Meist werden maßgeschneiderte Behälter eingesetzt, die in die Mulde des Reserverades passen."

"Im Alltagsbetrieb sind zwischen Gas und Benzin keine Unterschiede zu spüren", sagt Volvo-Sprecher Thomas Hanel in Köln über die Erdgasversionen von S60, V70 und S80. "Die Leistung ist in beiden Betriebszuständen annähernd identisch." Geht der Inhalt des Gastanks zur Neige, schaltet das System automatisch auf Benzin um. Das ist den Gas-Verbänden zufolge auch bei nachgerüsteten Fahrzeugen möglich - und nach wie vor nötig. Denn das Tankstellennetz ist noch immer nicht flächendeckend. Die Erdgaslobby spricht von bundesweit derzeit etwa 600 Zapfsäulen, die Autogas-Nutzer können dagegen an rund 795 Stationen die Reserven füllen.

Vorsicht vor schwarzen Schafen

Bei der Suche nach einer Werkstatt für die Nachrüstung ist jedoch Vorsicht geboten: "Es gibt eine Reihe schwarzer Schafe, die den Kunden nicht richtig aufklären", sagt Kobbe. So bleibe mitunter der Hinweis darauf aus, dass beim Eingriff in den Motor die Gewährleistung des Herstellers erlischt. "Sie geht in diesem Moment auf den Nachrüster über." Die Erdgaswirtschaft hat gemeinsam mit der Sachverständigen-Organisation Dekra ein Zertifizierungsverfahren entwickelt, mit dem sich die Nachrüster Qualitätsarbeit bescheinigen lassen können. Auch die Autogas-Lobby kündigt auf ihrer Website einheitliche Standards für die Werkstätten an.

"Ob sich die Umstellung auf den Gasantrieb lohnt, ist vor allem eine Rechenaufgabe", sagt Robert Schneiderbanger vom DVFG. Der Einbau einer Autogas-Anlage koste 1800 bis 2500 Euro. Für die Montage einer Erdgasanlage müssen laut Kobbe 2500 bis 3500 Euro kalkuliert werden - deutlich mehr als der Aufpreis bei Serienfahrzeugen. "Bringt man Erd- und Autogas rechnerisch mit Benzin auf einen Nenner, kommt man auf einen Literpreis von etwa 50 Cent beim Erdgas und rund 75 Cent beim Flüssiggas", sagt Kobbe. Dem stehen jedoch die höheren Umbaukosten und der eventuelle Verlust von Teilen des Kofferraums gegenüber.

Mittelfristig zukunftssicher ist die Nachrüstung aber in beiden Fällen: Die Steuerbegünstigung für Flüssiggas gilt mindestens bis 2009. "Erdgas profitiert als Kraftstoff sogar bis zum Jahr 2020 vom Bonus des Finanzministers", sagt VW-Sprecher Hartmuth Hoffmann in Wolfsburg.

Thomas Geiger, gms