Innenraum-Studie: Was Autokäufer wollen - DER SPIEGEL
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Innenraum-Studie Was Autokäufer wollen

Design wird immer wichtiger, lautet einer der Marketing-Merksätze der Autobranche. Er gilt nicht nur für die Karosserie, sondern auch für den Innenraum. Der soll praktisch, geräumig und hübsch anzusehen sein. Was das genau heißt, sollen Untersuchungen ergeben.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Auf Auto-Innenausstattungen hat sich die Firma Johnson Controls spezialisiert, die ihren Hauptsitz in Milwaukee im US-Staat Wisconsin hat und deren Europazentrale im nordrhein-westfälischen Burscheid sitzt. Vor wenigen Wochen hatte die deutsche Dependance 110 Testpersonen zu einer "Car Interior Clinic" in ein Teststudio nach Monheim eingeladen. Die Probanden waren zuvor per Telefonerhebung oder auf Parkplätzen ausgewählt und angesprochen worden. Die Testpersonen mussten folgende Kriterien erfüllen: Erstens ein Mittelklasseauto besitzen, das sie vor höchstens vier Jahren als Neuwagen gekauft hatten und zweitens sollten sie die Kaufentscheidung getroffen haben.

Vor Ort teilten die Verantwortlichen der Abteilung Consumer Research des Zuliefererunternehmens die Testpersonen in zwei Gruppen. Die einen sollten in zweistündigen, tiefenpsychologischen Interviews die Vor- und Nachteile der vorgeführten Auto-Innenräume beschreiben und erläutern. Die anderen Teilnehmer wurden gebeten, die Auto-Innenräume mit Hilfe eines Fragebogens nach einem Notensystem zu bewerten. Als Fahrzeuge standen fünf Modelle der oberen Mittelklasse bereit: Mercedes C-Klasse, Jaguar X-Type, Audi A4, Volvo S60 und Renault Laguna.

In den Interviews wurde zum Beispiel nach den Empfindungen und Eindrücken gefragt, die das jeweilige Auto-Ambiente, die Materialien, Schalter, Bezugsstoffe und ihre Gestaltung beim Betrachter hervorrufen. Einen Schwerpunkt legten die Psychologen auf die Bedienfreundlichkeit; gefragt wurde zum Beispiel, wie die Testpersonen die Funktionalität charakterisierten: "Lieblos, pfiffig, durchdacht, innovativ, gehoben?"

Die Fragebögen der anderen, "quantitativen" Gruppe umfassten pro Auto jeweils neun Seiten, benotet wurde von 1 (sehr gut) bis 5 (ungenügend). Gefragt wurde nach Details. Unter dem Punkt "Vor- und Zurückschieben des Sitzes" etwa sollen fünf Unterpunkte bewertet werden: Erreichbarkeit des Verstellers, Qualitätsgefühl des Verstellers, Handhabung des Verstellers, Kraftaufwand beim Verstellen, Feineinstellung. So detailliert geht es weiter: Über das Sitzkissen, die Rückenlehne, die Kopfstütze und natürlich das Armaturenbrett.

Auto-Ausstatter wie Johnson Controls verfolgen mit solchen Konsumentenstudien nach eigenem Bekunden das Ziel, "gegenwärtige Bewertungen und zukünftige Bedürfnisse zu verstehen, um diese dann in entsprechenden Innenraumkonzepten zu realisieren". Neben den aufwändigen Car Clinics werden auch Gruppendiskussionen, Beobachtungsstudien und Lebensweltforschung betrieben. Die daraus gewonnenen Daten werden höchst vertraulich behandelt.

Generell wird kann man wohl festhalten, dass sich deutsche Kunden ihr Auto im Innenraum möglichst praktisch, hochwertig und leicht zu bedienen wünschen. Doch ob nun runde oder eckige, elliptische oder kugelförmige Dreh-, Drück- oder Kippschalter am besten ankommen, das bleibt ein gut gehütetes Geheimnis der Zuliefererindustrie. Rückschlüsse auf das, was die Kunden wollen, lassen allenfalls die Inneraum-Studien zu, die regelmäßig auf den großen Automobilmessen gezeigt werden. Und da ist der Trend eindeutig: Mehr Bequemlichkeit, mehr Wohnraumatmosphäre, mehr Farbe.