Intelligentes Auto Signal vom Gaspedal
Chemnitz - Das neu entwickelte Gaspedal könne sich dank "intelligenter Materialien" und eingebauter Sensoren aktiv auf den Autofahrer und die jeweilige Verkehrssituation einstellen, teilte die Technische Universität Chemnitz mit. Grundlage sind ein Faserverbundwerkstoff und eine funktionsorientierte Bauweise.
"Durch Sensoren, die in den Faserverbund eingelegt sind, und durch aktive Materialien wie Formgedächtnislegierungen oder Piezowerkstoffe kann die Pedalkraft und damit die Geschwindigkeit individuell reguliert werden", sagt Jan Kunzmann, Leiter der Forschungsgruppe Struktronik, laut der TU Chemnitz.
Das Pedal kann zum Beispiel dem Gasfuß einen höheren Widerstand entgegensetzen für eine sportliche Fahrweise oder bei Baumaschinen oder einen niedrigeren für weibliche Fahrerinnen, erklärt Ivo Lorenz, Geschäftsführer des an der Entwicklung beteiligten Kompetenzzentrums Strukturleichtbau, gegenüber SPIEGEL ONLINE.
Das Faserverbund-Pedal kann jedoch auch in direkte Kommunikation mit dem Fahrer treten: Wird es mit einem Fahrerassistenzsystem kombiniert, könne es zum Beispiel anfangen zu vibrieren, wenn der Sicherheitsabstand zum Vordermann unterschritten werde. Das Bremsen bleibt immerhin weiterhin dem Fahrer überlassen. Weitere Anwendungen seien denkbar, bisher aber noch nicht getestet, sagt Lorenz.
Die Forscher sehen die Anwendung laut Lorenz explizit im Bereich der Nutzfahrzeuge, besonders bei Baumaschinen. Aus Kunststoff gefertigt, könne das neuartige Pedal nicht korrodieren. Außerdem sei es weniger verschleißanfällig und auch billiger in Herstellung und Montage, da es aus einem Stück gefertigt ist. Im Vergleich zu herkömmlichen Pedalen aus Stahl, die aus bis zu 40 Einzelteilen zusammengesetzt seien und knapp 1,3 Kilogramm auf die Waage brächten, ist das neue Faserverbund-Pedal mit rund 200 Gramm um 80 Prozent leichter.
Für ihre Entwicklung wurden die Maschinenbauer der Universität bereits mit dem Hochschul-Innovationspreis des Arbeitskreises Verstärkte Kunststoffe (AKV) ausgezeichnet. Nach Angaben der TU werden die ersten Gaspedale dieser neuen Generation derzeit in Kooperation mit einem Mittweidaer Sensorik-Hersteller getestet. Erste Prototypen sollen voraussichtlich Ende 2005 in Fahrzeugen getestet werden, eine Serienproduktion solle in etwa zwei Jahren denkbar sein, hieß es.