Klimaanlagen Das wohltemperierte Kfz
Autofahrer in einem wohltemperierten Fahrzeug machen weniger Fehler, können sich besser konzentrieren, reagieren schneller und sehen schärfer als Autofahrer, die Temperaturen von 30 Grad Celsius oder mehr aushalten müssen. Das ergaben zahlreiche Testreihen, wie Barbara Bernhard vom Institut für Mobile Arbeitsmedizin in Mainz referiert. Doch trotz ihrem erwiesenen Sicherheitsbeitrag zählen Klimaanlagen für viele Autofahrer noch immer zu den "Komfort-Extras". Der Gesetzgeber sieht das ähnlich. Vorgeschrieben sind Klimaregler nur für Geld- und Werttransporter - in anderen Fällen interessiert die Temperatur hinterm Steuer nicht.
Sollte sie aber, denn die Reaktionszeit steigt mit der Temperatur im Innenraum. Außerdem wächst mit zunehmender Hitze auch die Neigung zu hitzigen Reaktionen. Arbeitsmedizinerin Bernhard stellte fest: "In heißen Autos wird die Hupbereitschaft größer, die Aggressivität des Fahrers steigt." Ideal für Autolenker und Verkehrssicherheit seien Temperaturen zwischen 19 und 24 Grad bei einer Luftfeuchtigkeit von 40 Prozent."
Mit der Pkw-Klimatisierung ab Werk begann 1952 Chrysler, ein Jahr später folgte Cadillac und ab 1957 konnten auch Kunden in Europa eine Klimaanlage im Auto bestellen. Inzwischen bieten die meisten Hersteller für fast alle Modelle Klimaanlagen an, die Einbauraten steigen seit Jahren kontinuierlich. Mit einer Neuheit in der Klimatisierungstechnik kann nun Opel aufwarten. Das Unternehmen hat übrigens eine ganz besondere Beziehung zur Kältetechnik, denn zwischen 1946 und 1962 wurden in Rüsselsheim nicht nur Autos, sondern auch Kühlschränke gebaut.
Während die grundlegende Technik gleich ist, hat Opel die Steuerung der Klimatisierungsautomatik ECC (Electronic Climate Control) anders als die Konkurrenz geregelt. Wo die anderen mit Fühlern regelmäßig die Innenraumtemperatur im Auto messen, geschieht dies in Opel-Modellen nur einmal und zwar mit dem Betätigen der Zündung. In der Folge werden dann all jene Faktoren gemessen, die das Klima im Auto beeinflussen, wie zum Beispiel die Bewölkungsdichte oder der Sonneneinstrahlwinkel. Aus diesen Daten errechnet ein Computer unablässig die benötigte Wärme- oder Kälteleistung. So kann die Automatik bereits reagieren, bevor sich die Temperatur im Innenraum tatsächlich auf Grund von stärkerer Sonneneinstrahlung oder aufziehender Bewölkung verändert hat.
Eine Klimaanlage hilft aber nicht nur bei hohen Außentemperaturen, im Auto einen kühlen Kopf zu bewahren, sondern sie sorgt zum Beispiel im Winter auch für freie Scheiben, indem sie die Luft im Auto trocknet. Experten geben daher den Tipp, bei beschlagenen Scheiben die Umluft-Taste keinesfalls zu aktivieren, damit die feuchte Luft nach draußen transportiert werden kann. Soll dagegen ein stark aufgeheiztes Autos möglichst rasch abgekühlt werden, empfiehlt sich die Umluft-Funktion, weil dann nicht ständig neu von außen einströmende heiße Luft gekühlt werden muss.
Wie hoch der Mehrverbrauch an Kraftstoff durch den Betrieb einer Klimaanlage ist, hängt nicht zuletzt von der Bedienung des Systems ab. Opel-Klimaspezialist Gerhard Georg sagt: "Über ein Jahr gerechnet ergibt sich ein Mehrverbrauch von durchschnittlich 0,6 Liter je 100 Kilometer für Autos mit Klimaanlage." Neben der Bedienung gehören auch die Größe der Glasflächen des Fahrzeugs und die Neigung der Scheiben zu den Faktoren, die den Betrieb der Klimaanlage beeinflussen. Im Winter kommt der Effekt dazu, dass verbrauchsoptimierte Motoren inzwischen weniger Wärme abgeben, die für die Entfrostung der Scheiben oder die Aufheizung des Innenraums genutzt werden kann. Auch hier muss die Klimaanlage Extraarbeit leisten.
Am wichtigsten aber sei, darüber sind sich alle mit der Auto-Klimatisierung befassten Experten einig, das subjektive Empfinden des Fahrers, ob er sich in seiner Haut wohl fühlt. Klima-Fachmann Georg hat sogar nationale Eigenheiten in der Gebläsenutzung ausgemacht. "Amerikanische Kunden bevorzugen einen scharfen, kalten Luftstrahl auf den Bauch; Kunden in Europa lassen sich lieber indirekt von kühler Luft umschmeicheln."