Kompaktvans im Crashversuch: Kräftig durchgerüttelt - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Kompaktvans im Crashversuch Kräftig durchgerüttelt

Sie gelten als Familienfahrzeuge par excellence, die so genannten Kompaktvans. Fünf Fabrikate aus dieser Fahrzeugkategorie wurden jetzt von den Fachleuten des Euro NCAP (New Car Assessment Programme) in Brüssel getestet. Sieger: Der Nissan Almera Tino.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Als generelles Ergebnis der Kollisions-Versuchsreihe muss zunächst festgehalten werden, dass die Unterschiede zwischen den einzelnen Modellen doch erheblich sind. Vier der fünf überprüften Kompaktvans sind mit einem Kopfschutzsystem ausgestattet.

Das bedeutet, dass sie nach den Euro-NCAP-Regularien auf den sogenannten Pfahlaufpralltest über sich ergehen lassen mussten. Dieser Crashversuch, der den seitlichen Aufprall (zum Beispiel nachdem das Auto ins Schleudern gekommen ist) auf einen Pfosten, einen Baum oder einen Laternenmasten simuliert, soll zeigen, wie zuverlässig das Kopfschutzsystem funktioniert.

Obwohl die beiden Modelle Opel Zafira und Fiat Multipla in dieser Pkw-Kategorie zu den Marktführern zählen, wurden sie bei dem aktuellen Crashtest nicht berücksichtigt. Der Grund: Beide Autos werden derzeit von den Herstellern sicherheitstechnisch überarbeitet. Entsprechende Kollisionsversuche werden also erst in einigen Monaten möglich sein. Die Testergebnisse im Einzelnen:

Nissan Almera Tino, 30 Punkte (Front 12, Seite 18)
Frontcrash: Die besten Werte aller Testkandidaten. Airbags und Gurtstrammer arbeiten gut, allerdings wurden im Brustbereich von Fahrer und Beifahrer erhöhte Belastungswerte registriert. Seitencrash: Hier und auch beim Pfahlaufprall erreichte der Wagen die maximale Punktzahl. Obwohl der ADAC einschränkend anmerkt, dass die kombinierten Brust-Kopfairbags in diesem Fahrzeug eine Fehlentwicklung seien. Die Experten des Automobilclubs favorisieren separate Windowbags für den Kopfschutz.

Renault Scénic, 29 Punkte (Front 11, Seite 18)
Frontcrash: Hier trennt den Renault nur ein Punkt vom Spitzenreiter. Grund dafür ist das höhere Verletzungsrisiko im Knie- und Schenkelbereich des Fahrers. Seitencrash: Das Auto erreichte die maximale Punktzahl, ebenso beim Pfahlaufprall.

Citroen Xsara Picasso, 27 Punkte (Front 11, Seite 16)
Frontcrash: Der Kopf des Fahrerdummies rutschte seitlich vom Airbag ab, auch die Belastungswerte der Brust waren etwas erhöht. Ebenso ist das Verletzungsrisiko für die Beine des Fahrers etwas höher als bei den besser platzierten Modellen. Seitencrash: Der kombinierte Brust-Kopf-Airbag entfaltete sich nicht über Schulterhöhe des Fahrers. Deshalb gab es beim Pfahltest Punktabzug.

Mazda Premacy, 22 Punkte (Front 8, Seite 14)
Frontcrash: Im Fahrerfußraum gibt es Karosserieschwächen, deshalb steigt das Verletzungsrisiko. Auch die Messwerte im Bereich der Brust der beiden vorderen Insassen waren weniger gut. Seitencrash: Beim Pfahlaufprall versagte die Schutzwirkung des kombinierten Brust-Kopf-Airbags. Der Kopf des Dummies knallte so heftig gegen den Pfahl, dass tödliche Verletzungen nicht ausgeschlossen werden konnten.

Mitsubishi Space Star, 20 Punkte (Front 6, Seite 14)
Frontcrash: Trotz Gurtstrammer schlug der Kopf des Fahrerdummies durch den Airbag auf das Lenkrad. Auch die Brust wurde zu stark belastet. Dazu kommen rund um die Lenksäule zu harte Aufprallzonen. Seitencrash: Wegen des fehlenden Kopfairbags konnte kein Pfahlaufpralltest erfolgen. Beim normalen Seitencrash erreichte das Auto mäßige Werte.