Luftkissen Reifen Machen Sie Druck!
Laut einer Umfrage des Reifenfachhandels prüfen nur rund 15 Prozent der Autofahrer den Reifendruck einmal wöchentlich, etwa die Hälfte einmal im Monat und rund ein Drittel der Befragten gibt zu, den Luftdruck niemals zu kontrollieren. "Eventuell sind die Angaben auch noch geschönt, denn gerade die Hälfte der Fahrer kennen weder den korrekten Luftdruck ihres Fahrzeugs, beziehungsweise wissen, wo man ihn ablesen kann", sagt Unfallforscher Klaus Langwieder vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR).
Viele Reifenschäden und Unfälle gehen auf einen falschen Reifenfülldruck oder schleichenden Luftverlust zurück. Durch die verstärkte Walkarbeit des schlappen Reifens erhitzt er sich übermäßig, was im schlimmsten Fall zum Platzen des Reifens führen kann. Daneben hat der Luftdruck aber auch entscheidenden Einfluss auf den Reifenverschleiß und den Kraftstoffverbrauch. So führt schon ein Minderdruck von 0,2 bar zu einem Prozent mehr Spritverbrauch und einer zehn Prozent geringeren Reifenlebensdauer. Bei 0,4 bar steigt der Spritverbrauch um zwei Prozent und die Lebensdauer reduziert sich um ein Viertel. Und 0,6 bar unter dem vorgeschriebenen Druckwert erhöht gar den Benzinverbrauch um vier Prozent und senkt zugleich die Lebensdauer des Reifens um knapp die Hälfte.
Solche Dinge lassen sich durch eine regelmäßige Kontrolle des Luftdrucks vermeiden. Am besten bei jedem Tankstopp, mindestens aber alle vier Wochen. Der vom Fahrzeughersteller vorgeschriebene Luftdruck steht in der Bedienungsanleitung des Fahrzeugs, oft aber auch in der Tankklappe oder am Türholm vermerkt. Die Prüfung muss allerdings immer am kalten Reifen durchgeführt werden, da wärmere Reifen einen höheren Druck aufweisen. Und auch den Reservereifen sollte man nicht vergessen, denn im Notfall muss auch er einsatzbereit sein. Früher gab es Luftdruckzuschläge für Winterreifen, die eine Druckerhöhung um 0,2 bis 0,3 bar gegenüber den größengleichen Sommerreifen vorsahen. Dies gilt heute nicht mehr. Die heutigen, teilweise "schnellen" Winterreifen bis zu 240 km/h brauchen die volle Aufstandsfläche des Reifens. Auch um die wesentlich verbesserten Trocken- und Nassfahreigenschaften der modernen Winterreifen auf die Straße zu übertragen.
Immer mehr Autohersteller bieten inzwischen auch elektronischen Druckkontrollsysteme, die über Sensoren im Ventil permanent Druck und Temperatur jedes einzelnen Rades messen oder über das ABS- beziehungsweise ESP-Steuergerät abweichende Raddrehzahlen registrieren und den Fahrer im Cockpitdisplay vor dem schleichenden Luftverlust warnen. Waren solche Sicherheitswächter ehemals nur als eine teure Option für Autos der Luxusklasse zu haben, sind sie inzwischen immer öfter auch in der Bordausrüstung der unteren Klassen zu finden, wie das Beispiel Renault Laguna zeigt.
Auf dem Vormarsch sind parallel dazu Rad-/Reifensysteme mit Notlaufeigenschaften, wie sie bereits von Michelin oder Continental angeboten werden. Sie machen sowohl den Reservereifen überflüssig wie auch einen Reifenwechsel am Pannenort, weil man mit ihnen bei vorgeschriebener Maximalgeschwindigkeit von 80 km/h bis zur nächsten Werkstatt rollen kann. Das schafft Platz im Kofferraum und spart Benzin infolge des geringeren Gesamtgewichts. Kehrseite der modernen Technik: Sie ist teuer und für Pflege und Wartung ist der Weg zum Spezialisten notwendig.