Maybach-Motor Wohin mit der Kraft?
Maybach, die wiedererstandene Luxusautomarke im Daimler-Chrysler-Konzern, rückt das neue Triebwerk in die direkte Nachfolge des legendären "Typ 12"-Motors von Karl Maybach, der in den Jahren 1929 bis 1938 in der homöopathischen Dosis von 300 Exemplaren gebaut worden war. Das Aggregat war der damals größte Pkw-Antrieb aus deutscher Produktion und der erste Serien-Pkw-Zwölfzylinder der Welt.
Zunächst hatte die Maschine sieben Liter Hubraum und leistete 150 PS (110 kW), später wuchs das Brennkammer-Volumen auf acht Liter und die Leistung stieg auf 200 PS (147 kW) an.
Das Verhältnis hat sich inzwischen umgekehrt. Beim neuen "Typ 12" aus Sindelfingen reichen 5,5 Liter Hubraum aus, um 550 PS (405 kW) Leistung zu produzieren und das gewaltige Drehmoment von 900 Newtonmetern ab 2300 Umdrehungen pro Minute bereitzustellen. Die Entwicklungsziele des neuen Typ-12-Motors lauteten Leistung, Laufruhe, Langlebigkeit.
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Was die Leistung betrifft, wurde ein immenser Aufwand betrieben. Zwei Turbolader in den Abgaskrümmern sollen eine möglichst hohe Verdichtung der Luft sicher stellen. Die Brennkammern "atmen" über zwei Einlassventile und ein Auslassventil. Eine Wechselstrom-Doppelzündung liefert den nötigen Funken, um die Verbrennung einzuleiten. Die Zündspannung liegt bei 32.000 Volt und markiert damit einen neuen Spitzenwert. Die Abgase aus dem Motor werden von zwei Keramikkataylsatoren gefiltert. Maybach verspricht, dass die Maschine "die strengen EU-4-Limits zuverlässig unterbietet".
Die angestrebte große Laufruhe des Triebwerks soll durch diverse Konstruktionsmerkmale erreicht werden. Die beiden Zylinderreihen stehen in einem Winkel von 60 Grad zueinander. Dadurch sind keine Ausgleichswellen nötig, denn störende Massenkräfte treten gar nicht erst auf. Das Kurbelgehäuse aus Aluminium-Druckguss ist mit einem zusätzlichen Aluminiumboden ausgestattet, der die Steifigkeit des Bauteils erhöhen und Längsschwingungen des Motorblocks reduzieren soll.
Ob das dritte Entwicklungsziel, die Langlebigkeit, erreicht werden kann, wird erst in einigen Jahren zu beantworten sein. Die Auslieferung der ersten Maybach-Modelle wird im Herbst dieses Jahres erfolgen. Nach Auskunft von Daimler-Chrysler liegen bereits zahlreiche Bestellungen (Anzahlung 57.000 Euro) vor. Die größten Märkte für den Wagen hat das Unternehmen in Südostasien und im Nahen Osten ausgemacht.
Weil jedes Auto ein Einzelstück werden soll, steht ein speziell geschultes Team von "Personal Liaison Managern" bereit, die die illustre Kundschaft bei der Konfektionierung ihres Maybach-Unikats beraten sollen. Ob es um das Holzfurnier des Humidors, die Positionierung des Fernsehbildschirms oder gar Diamantschmuck am Armaturenbrett geht - in einer Maybach-Karosse soll nahezu nichts unmöglich sein.