Motor-Sound: Mozart im Ansaugtrakt - DER SPIEGEL
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Motor-Sound Mozart im Ansaugtrakt

Die Firma Siemens-VDO hat ein Gerät entwickelt, mit dem sich das Soundengineering in der Automobilindustrie zu neue Höhen aufschwingen könnte. Ein Golf mit Ferrari-Röhren wäre durchaus möglich.
Von Mathias Hörtnagel
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Im Grunde arbeiten alle an der Autoproduktion Beteiligten mit der gleichen Zielrichtung: Die Insassen sollen sich in ihrem Wagen wohl fühlen. Wellness-Mobile, so die Kalkulation, lassen die Autopassagiere am ehesten das Verkehrsgewühl oder gar den Stillstand im Stau vergessen.

Deshalb wird an immer neuen Kommunikationseinrichtungen im Auto gearbeitet, an neuen Materialien im Innenraum, an neuen Lichtquellen oder auch an den Tönen, die der Wagen von sich gibt. Zu letzterem Punkt gibt es einen aktuellen Betrag der Zulieferers Siemens-VDO. Die Entwickler des Unternehmens haben ein Gerät erdacht, mit dem sich das Motorengeräusch ganz nach Wunsch des Herstellers modifizieren lässt. ANC (Active Noise Control) heißt das Gerät.

Die Funktionsweise ist relativ simpel: Ein Minimikrofon nimmt das jeweilige Motorengeräusch auf. Ein Steuergerät ermittelt die Frequenz und berechnet zugleich jene Tonhöhe, die nötig ist, um den gewünschten Sound zu erhalten. Die entsprechende Komposition des "Motor-Mozarts" wiederum wird über einen kleinen Lautsprecher verbreitet. Resultat ist ein Klanggemisch, das sich so anhört, wie es sich die Sounddesigner der Marke vorstellen. Das gesamte ANC-Gerät wiegt weniger als ein Kilo und kann eine Menge Dämmmaterial einsparen.

Doch es geht nicht alleine um einen möglichst kernigen, gedämpften oder giftigen Motorklang. Es geht auch um das Thema Verkehrssicherheit. Denn die Entwickler von Siemens-VDO haben sich Erkenntnisse der Psychoakustik zunutze gemacht.

Unternehmens-Sprecher Johannes Winterhagen: "Beliebt sind vor allem harmonische Tonfolgen." Und genau die können mit Hilfe des ANC erzeugt werden. Denkbar ist es auch, das Motorengeräusch der jeweiligen Fahrsituation anzupassen. Bei Nacht- oder Regenfahrten zum Beispiel, wenn besondere Konzentration am Steuer nötig ist, wünschen sich Autofahrer Ruhe an Bord und entsprechend könnte ANC eingereifen.

Bei Überlandfahrten, das haben Studien von Siemens-VDO ergeben, wünschen Autofahrer fröhlich-sonore Klänge, in der Stadt darf es ruhig mal etwas lauter werden, wenn das Gaspedal an der Ampel durchgedrückt wird.

Zugleich eröffnet ANC den Automarken neue Möglichkeiten der Imagebildung. Welcher Sound passt zu einem Golf, zu einem Astra oder einem Fiesta? "Hersteller haben mit ANC die Möglichkeit, das Geräuschverhalten des Motors genau an den Charakter des jeweiligen Modells anzupassen", sagt Winterhagen.

Als erste will eine große amerikanische Autoschmiede das Soundgerät ANC einsetzten. "Für 2004 ist die Serienproduktion geplant", sagt Winterhagen. Außerdem, so der Mann von Siemens-VDO, gebe es zurzeit Verhandlungen mit verschiedenen europäischen Größen der Automobilbranche.