Nachrüstung: Ich geb Gas! - DER SPIEGEL
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Nachrüstung Ich geb Gas!

Angesichts des Benzinpreisschocks der letzten Wochen erwägt so mancher Autofahrer, auf Gasantrieb umzustellen. Eine Nachrüstung ist für die meisten Benziner für 2000 bis 5000 Euro möglich, bleibt nur die Entscheidung: Autogas oder Erdgas?
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Berlin/München - Der Benzinpreis ist in Schwindel erregende Höhen geklettert. Mit intelligenter Fahrweise lässt sich der Verbrauch zwar um einige Prozent senken. Doch einer wachsenden Zahl von Autofahrern genügt das nicht. Sie denken über einen Systemwechsel nach: Gas statt Benzin lautet die Zauberformel. Um bis zu 50 Prozent lassen sich die Kraftstoffkosten dadurch senken.

Das Angebot von Serienmodellen auf dem deutschen Markt ist zwar noch immer überschaubar - die Agentur Gibgas in München zählt derzeit 13 verschiedene Erdgasautos. Doch immerhin werden fast alle Klassen abgedeckt: Zu den "Brot-und-Butter-Autos" vom Schlage eines Fiat Punto, Ford Focus oder Opel Zafira haben sich mit dem Mercedes E 200 und dem Volvo S 80 inzwischen auch Modelle der Oberklasse gesellt.

Vom Einsparpotenzial des alternativen Antriebs können aber auch Autofahrer profitieren, die derzeit keinen Neukauf planen. Im Gegensatz zum Diesel laufen die allermeisten Benzinmotoren auch mit Gas - zumindest wenn man 2000 bis 5000 Euro in eine Nachrüstung investiert hat. Das Auto verfügt nach dem Umbau über zwei Tanks, wobei Benzin nur noch als Notreserve mitgeführt wird. Über einen Schalter kann zwischen beiden Kraftstoffarten gewählt werden.

Bei Autogas ist die Reichweite größer

Doch Gas ist nicht gleich Gas. Es gilt, zwischen zwei Systemen zu differenzieren: Erdgas und Flüssiggas, auch Autogas genannt. Für welches man sich entscheidet, ist zum Teil Glaubenssache. "Wir geben keine Empfehlung für eines der Systeme, raten aber auch von keinem ab", sagt Andrea Gärtner vom Technikzentrum des ADAC in Landsberg.

Während Erdgas mit einem Betriebsdruck von rund 200 bar arbeitet, kommt Autogas, ein Gemisch aus Propan und Butan, mit zehn bar aus. Das hat Auswirkungen auf Beschaffenheit und Volumen der Tanks: "Für Erdgas benötigt man zylinderförmige Flaschen", sagt Thomas Wöber von Gibgas. Beim Autogas müssen wegen des geringeren Drucks weniger Rücksichten genommen werden. So lassen sich die Tanks etwa in die Reserverad-Mulde integrieren. Die Reichweite ist ebenfalls größer.

Auch die Erdgasflaschen tragen inzwischen optisch nicht mehr so dick auf wie noch vor wenigen Jahren. So bietet etwa der bundesweit agierende Systemlieferant Prince-Gas aus Aurich Lösungen an, bei denen die Flaschen wie bei den aktuellen Serienmodellen unter der Karosserie verschwinden. "Alternativ gibt es Flachtanks, die im Kofferraum nur noch einen geringen Höhenverlust zur Folge haben", sagt Geschäftsführer Andreas Boyken.

Trotzdem ist das Nachrüsten beim Autogas leichter und daher billiger. 2000 bis 3000 Euro sind dafür zu veranschlagen, 2500 bis 5000 Euro sind es beim Erdgas. Doch die Erdgas-Verfechter können andere Kostenvorteile ins Feld führen: So gilt der reduzierte Mineralölsteuersatz für Erdgas bis zum Jahr 2020, bei Autogas nur bis 2009, was Auswirkungen auf den Wiederverkauf hat. "Außerdem fördern regionale Gasversorger Erdgas-Fahrzeuge mit bis zu 2500 Euro - etwa in Form von Tankgutscheinen", erläutert Gibgas-Sprecher Wöber.

Sonst sind die Systeme vergleichbar. Bei beiden kann es zu geringen Leistungsverlusten kommen. Bei Autogas, das wie Benzin pro Liter abgerechnet wird, steigt der Verbrauch um etwa zehn Prozent an, was aber durch den Kraftstoffpreis mehr als ausgeglichen wird. "Derzeit kostet ein Liter Autogas etwa 55 Cent", sagt Robert Schneiderbanger vom Deutschen Verband Flüssiggas in Berlin. Der ADAC hat eine Flotte von Erdgas-Fahrzeugen im Einsatz und im Vergleich zu Benzinern einen Kostenvorteil von bis zu zwei Dritteln ermittelt.

Weniger technische als rechtliche Probleme

Beide Gasvarianten entlasten die Umwelt. Für den Betrieb mit Erdgas gibt der ADAC einen Rückgang der Stickoxide um 70 Prozent und des Kohlendioxids um 23 Prozent an. Trotzdem kann es nach dem Umbau zu einer Rückstufung der Schadstoffklasse kommen - und zwar dann, wenn kein entsprechendes Abgasgutachten vorgelegt wird.

Überhaupt sieht der ADAC Probleme weniger auf der technischen als auf der rechtlichen Seite - vor allem, wenn der Umbau preiswert in Osteuropa erfolgt. "Viele Nachrüster können keine Betriebserlaubnis vorlegen", weiß Andrea Gärtner. "Dann gibt es beim TÜV ein böses Erwachen." Vor der Entscheidung sollte auch die Garantiefrage geklärt werden. Eine Neuwagengarantie kann durch den Eingriff erlöschen.

Die Versorgungslage ist bei beiden Kraftstoffen noch lückenhaft. Den bundesweit rund 400 Erdgas- stehen 500 Autogas-Tankstellen gegenüber. Allerdings wächst das Erdgas-Netz schneller, da die Autohersteller in Deutschland überwiegend auf diese Technik setzen. Im Ausland ist das zum Teil anders, so Schneiderbanger: "Dort gibt es ein durchaus breites Angebot an serienmäßigen Autogas-Fahrzeugen." Bei den Händlern in Deutschland muss man nach solchen Modellen ausdrücklich fragen - oder den Import selbst in die Hand nehmen.

Von Tobias Wiethoff, gms