Neue Scheinwerfertechnik: Licht um die Ecke - DER SPIEGEL
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Neue Scheinwerfertechnik Licht um die Ecke

Wer leuchtet besser um die Ecke? Während Audi im neuen A8 den "ersten Scheinwerfer mit serienmäßigem Abbiegelicht" präsentiert, steckt Mercedes mit seinem "aktiven Kurvenlicht" noch im Versuchsstadium. Beide arbeiten mit dem gleichen Zulieferer, aber an unterschiedlichen Systemen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Audi benutzt eine zusätzliche Lichtquelle, die sich beim Abbiegen oder in engen Kurven automatisch zuschaltet. Mercedes hat sich für eine Schwenkmechanik entschieden, die die Scheinwerfer dem Lenkradeinschlag und der Geschwindigkeit anpassen. Allerdings fehlt für dieses "dynamische System" noch die ECE-Zulassung, die jedoch bis Ende des Jahres erwartet wird, wie ein Sprecher des Licht- und Elektronikspezialisten Hella erläutert.

Beiden Systemen gemeinsam ist jedoch, dass sie den Fahrkomfort und die Sicherheit bei Nachfahrten deutlich verbessern sollen - und dass sie mit dem Einsatz modernster Elektronik funktionieren. Denn mit den Scheinwerfern um die Ecke leuchten konnte auch schon der legendäre Citroen DS in den 60er-Jahren. Allerdings nur mit dem Fernlicht, das über eine mechanische Verbindung mit dem Lenkrad gekoppelt war.

Im neuen Audi A8 lenkt ein Freiflächen-Reflektor mit Halogenlampe, der zwischen Abblend- und Fernlicht platziert ist, das Licht zur Seite. Aktiviert wird das Abbiegelicht durch ein elektronisches Steuergerät, das permanent Geschwindigkeit, Lenkwinkel und Blinksignal registriert. Betätigt der Fahrer den Blinker zum Abbiegen oder fährt durch enge Kurven, schaltet es sich wie eine Art Dimmer dem Abblendlicht sanft zu. Das Ganze geschieht laut Hella abhängig von Lenkbewegung und Tempo. So soll verhindert werden, dass sich das System schon beim bloßen Spurwechsel aktiviert.

Mit dem Abbiegelicht, verspricht Hella, könnten sowohl Straßenbereiche ausgeleuchtet werden, die bisher im Dunkeln blieben als auch die Sicht bei schlechtem Wetter verbessert werden. Hinzu kommt eine dynamische Leuchtweitenregelung, die den gesamten Scheinwerfer immer im optimalen Winkel zur Fahrbahn ausrichten soll. Das System funktioniert angeblich so präzise, dass es nicht nur veränderte Beladungszustände, sondern auch Beschleunigungs- und Bremsvorgänge in Sekundenbruchteilen ausgleichen kann.

Ein Plus an Sicherheit verfolgt auch Mercedes mit seinem "aktiven Kurvenlicht", das auf dem Bi-Xenon-Licht der neuen E-Klasse basiert. Es kann zwar nicht um die Ecke leuchten, soll dafür im Gegensatz zum Audi-System aber sowohl als Abblendlicht wie auch als Fernlicht funktionieren. Hier folgen die gesamten Scheinwerfer den Lenkbewegungen des Fahrers und passen das Licht dem jeweiligen Tempo des Wagens an. Die Fahrbahnausleuchtung soll damit um bis zu 90 Prozent verbessert werden, so Mercedes.

Allerdings ist dazu noch mehr Elektronik notwendig. Ein Mikrocomputer, der in das Datennetzwerk der Limousine integriert ist, steuert hier das System. Er sammelt und verarbeitet die Informationen der Lenkwinkel- und Geschwindigkeitssensoren. Außerdem sind die beiden Bi-Xenon-Module nochmals mit je einer separaten Elektronik und einem Elektromotor ausgerüstet, der für die horizontalen Schwenkbewegungen zuständig ist. Und auch hier kommt eine dynamische Leuchtweitenregulierung zum Einsatz, die Karosseriebewegungen erkennt und korrigiert, um den Gegenverkehr nicht zu blenden.