Profil-Entwicklung Von Klötzen und Rillen
Design ist plötzlich wichtig. Natürlich sind alle Reifen schwarz und rund, doch das Profil der Lauffläche eröffnet Kreativen eine Vielzahl von Gestaltungsmöglichkeiten. Generell gelte bei den Herstellern die Maxime "Form follows function", sagt Dunlop-Sprecher Peter Schmidt. Zugleich aber richteten fast alle Reifenproduzenten in ihren Entwicklungsabteilungen Designbüros ein, deren Mitarbeiter sich ausschließlich um die Gestaltung des Profils kümmern - nach technischen und ästhetischen Gesichtspunkten.
Der niederländische Pneu-Fabrikant Vredestein nahm gar stilistische Verstärkung von außen in Anspruch. Das Unternehmen ließ seine beiden Reifen-Serien "Sportrac" und "Ultrac" von der Firma des italienischen Design-Stars Giorgetto Giugiaro gestalten. Gerundete Linien, abgeschrägte Ecken und eine insgesamt fließende Profilkontur erinnern "an die Venen eines Blattes", sagt Giugiaros Reifen-Gestalter Nicola Guelfo. Außerdem glänzt der Pneu in besonders tiefem Schwarz, weil der Gummimischung für die Seitenwand der Wirkstoff Exxpro beigemengt wurde. Guelfo: "Der Reifen passt optimal zu Trend bewussten Autofahrern der Oberklasse."
Bei der Kundschaft kommt der pedantisch profilierte Pneu an: Die Nachfrage war zeitweise so groß, dass Vredestein auf Grund längerer Lieferzeiten um Geduld bitten musste. Die Niederländer freut besonders, dass sie durch die Zusammenarbeit mit Giugiaro jetzt zunehmend als Edelmarke wahrgenommen werden. "Vredestein wird auf einmal mit Design in Verbindung gebracht", sagt Firmensprecherin Petra Bruckhuisen. Entsprechend soll die Kooperation mit den italienischen Gestaltern fortgesetzt werden.
Wie wichtig gutes Aussehen auch bei einem Reifen ist, hat auch der Hannoveraner Konzern Continental längst erkannt. Seit vier Jahren arbeitet die Abteilung Product Styling unter der Leitung von Peter Bogenschütz an Profilmustern, die Autos nicht nur sicher auf der Fahrbahn halten, sondern ihnen auch schöne Beine machen. Dabei gibt es durchaus Unterschiede: Für die Marke Continental, die ihre Pneus hauptsächlich als Erstausrüstung direkt an die Automobilindustrie verkauft, ist eine symmetrische, sachlich-nüchterne und dezent sportliche Profilgrafik ideal. Die Fabrikate von Uniroyal dagegen - die Marke gehört ebenfalls zum Conti-Konzern - treten als so genannte Replacement-Reifen in Konkurrenz zu zahlreichen anderen Pneus. Hier ist eine auffällige Optik wichtig, wie etwa beim "Uniroyal RainSport 1", dessen Profil Pfeile, zackige Winkel und eckige Kerben aufweist. Ein Reifen für Autofahrer, "die ihr Fahrzeug schmücken wollen", wie Bogenschütz sagt.
Die aktuellen Trends in der Reifenprofil-Mode sind asymmetrische Blockprofile sowie weiche, fließende Rillen auf der Lauffläche. In Zukunft werden vermehrt dreidimensionale Profile auf den Markt kommen. Das bedeutet: Die Gräben im Gummi bekommen schräge Wände oder sind gestuft. Dadurch verändert sich das Profilbild mit zunehmendem Abrieb, während die Handling-, Nässe- und Traktions-Eigenschaften des Reifens gleich bleiben.