Rechts oder links: Vom Winker zum Blinker - DER SPIEGEL
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Rechts oder links Vom Winker zum Blinker

Erst seit 1956, als Paragraf 54 der Straßenverkehrszulassungsordnung in Kraft trat, gehören Blinkanlagen zur Pflichtausstattung von Neuwagen in Deutschland. Das Bauteil hat sich bewährt. Jüngst vor allem auch als optischer Effekt des Autodesigns.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

In den Anfängen des Automobil-Zeitalters wurde einfach abgebogen, das Anzeigen eines Fahrtrichtungswechsels war noch unbekannt. Unnötig war es außerdem, denn es fuhren ja noch kaum Autos über die holprigen Straßen. Als der Autoverkehr ein wenig dichter wurde, kam, um ein Abbiegen anzuzeigen, das Herausstrecken eines Armes in Mode. Ein Verfahren, das sich bis heute für Fahrradfahrer empfiehlt. Kurz darauf wurde der Winker entwickelt: Ein Metallstab, der aus der Karosserie herausklappte, gab zu erkennen, in welche Richtung der Autofahrer lenken wollte. Selbst der Philosoph Martin Heidegger beschäftigte sich in seinem Werk "Sein und Zeit" (1927) mit dem Fahrtrichtungsanzeiger und befand, dass die semiotische Funktion des Winkers als "Zeigzeug" eine kontextabhängige Spezialisierung der Funktion des Armausstreckens ist.

Möglicherweise inspiriert von dieser These, spezialisierte die Firma Bosch das Bauteil weiter und brachte 1928 erstmals einen Winker auf den Markt, der elektromagnetisch funktionierte. Betätigte der Fahrer einen Schalter am Armaturenbrett, schwenkte ein Elektromagnet einen etwa 20 Zentimeter langen Winkerarm in die Horizontale. Ebenso wie die nachrüstbaren Bremsleuchten wurden in den zwanziger Jahren auch die nachrüstbaren Winkeranlagen äußerst beliebt unter den Autofahrern. Teils hatten die Winker die Form von kleinen Pfeilen, teils waren sie elegant gebogen, und teils waren sie sogar beleuchtet.

In den fünfziger Jahren ging die Ära der Winker dann zu Ende. Zwar erlaubte die StVZO in einer Übergangszeit nach 1956 noch bis 1961 den Gebrauch der Winker, doch danach war Schluss. Das gelbe Blinklicht, wie es bis heute üblich ist, setzte sich durch. Inzwischen werden die Blinkleuchten über den linken Lenkstockhebel und ein zentrales Steuergerät aktiviert. Eigentlich arbeitet diese Technik lautlos. An das typische Blinkerklacken, das früher vom Schaltrelais des Fahrtrichtungsanzeigers stammte, sind die Autonutzer aber derart gewöhnt, dass es inzwischen künstlich erzeugt wird. Entweder von einem eigens installierten Geräuschrelais oder von einem kleinen Lautsprecher im Armaturenbrett.

Heute spielen Blinker vor allem als Designelement eine wichtige Rolle. Im Zubehörhandel etwa gehören weiße oder abgedunkelte Blinkleuchten zu den Verkaufsschlagern. Und wenn etwa BMW, wie beim neuen 7er der Fall, den vorderen Blinker als schmale Leuchtleiste über die Scheinwerfer legt, wird rasch der Vergleich mit einem Lidstrich bemüht und das "Autogesicht" dadurch weiter vermenschlicht. In Zukunft wird, ähnlich wie bei den Scheinwerfern, wohl auch bei den Blinkleuchten LED-Technik zum Einsatz kommen. Der neue Mercedes SLR McLaren zum Beispiel trägt in seinen Rücklichtern Blinkerelemente mit Leuchtdioden. Die Spezialisierung der Funktion des Armausstreckens, so könnte man sagen, setzt sich immer weiter fort.