Reifen Druck von unten
Hannover - Nicht nur ein genügsamer Motor und eine bedachtsame Fahrweise sorgen für einen entspannteren Blick auf die Tankuhr. Die Industrie hat in den letzten Jahren eine Reihe von Pneus auf den Markt gebracht, die für einen besonders sparsamen Umgang mit dem Kraftstoff sorgen.
Dreh- und Angelpunkt für den "Verbrauch" eines Reifens ist laut Christian Fischer, Sprecher des Reifenherstellers Goodyear in Köln, der Rollwiderstand - also die Kraft, die ein rollender Reifen dem Vortrieb entgegensetzt. Sie ist bis etwa 100 km/h sogar größer als der Luftwiderstand des gesamten Fahrzeugs.
Verursacht wird dieser kraft- und spritzehrende Widerstand durch die Verformung des Reifens beim Durchlaufen der Aufstandsfläche. Deshalb benötigt man laut Fischer mit Blick auf einen niedrigen Verbrauch eine Gummimischung, die sehr wenig Energie abgibt. Gleichzeitig jedoch verlangen die Entwickler für einen möglichst kurzen Bremsweg die gegenteilige Eigenschaft. Denn nur wenn der Reifen viel Energie abgeben kann, lässt sich der Wagen auf kurzer Distanz zum Stehen bringen.
Den Weg aus dieser Zwickmühle weist laut Michelin in Karlsruhe seit einigen Jahren der Werkstoff Silica, der als teilweiser Ersatz für den Ruß in der Lauffläche den Zielkonflikt zumindest entschärft hat. Dieser aus Quarzsand gewonnenen Kieselsäure ist es zu verdanken, dass "Grüne Reifen" bis zu 30 Prozent weniger Rollwiderstand haben als herkömmliche Produkte. Für die Zukunft erwarten die Hersteller durch weitere Silica-Mischungen und neue Werkstoffe noch einmal deutlich reduzierte Rollwiderstände - wenngleich es für Prozentangaben laut Fischer bislang noch zu früh scheint.
An zweiter Stelle der Einflussfaktoren steht laut Goodyear das Gewicht der Reifen, das in den letzten Jahren ebenfalls ständig gesunken ist. Mit diesen beiden optimierten Komponenten erreichen die Sparreifen Verbrauchsvorteile von rund fünf Prozent - ohne die zum Beispiel der Drei-Liter-Lupo seinen Rekordverbrauch kaum erreichen könnte. Wenig Einfluss auf den Verbrauch hat dagegen der Luftwiderstand, so dass die Fahrer von Autos mit Breitreifen kein schlechtes Gewissen haben müssen. Denn auf die gesamte Laufleistung gesehen, lässt sich dieser Faktor vernachlässigen.
Wie viel ein "grüner" Reifen bringt, belegt ein einfaches Rechenbeispiel, so Markus Burgdorf, Sprecher von Continental in Hannover: Legt man die durchschnittliche Laufleistung eines Pkw von 15.000 Kilometern zu Grunde und geht von einem Alltagsverbrauch von neun Litern zu 2,05 Mark aus, ergibt dies eine jährliche Tankrechnung von knapp 2800 Mark. Ein Verbrauchsvorteil von fünf Prozent bringt somit ein Einsparpotenzial von 140 Mark im Jahr. Damit lässt sich viel vom momentanen Preisanstieg an der Tankstelle auffangen.
Doch nicht nur die Reifenhersteller sind gefragt, auch der Autofahrer selbst muss sich um seine Pneus kümmern und regelmäßig den Luftdruck kontrollieren. Denn schon ein um 20 Prozent zu niedriger Reifendruck lässt nach Angaben des Herstellers Fulda in Fulda den Verbrauch um etwa zehn Prozent steigen. Außerdem sinkt die Lebenserwartung um 15 Prozent.
Aber die Statistik zeigt, dass es mit der Reifenpflege nicht allzu weit her ist: Nach einer Untersuchung von Goodyear in den USA fährt etwa jedes vierte Auto mit zu geringem Luftdruck. Dieser Wert sei ohne weiteres auf Europa übertragbar. Die Folgen sind mehr als drastisch: Allein in den USA wird dadurch täglich Benzin im Wert von 6,1 Millionen Dollar verschwendet.
Thomas Geiger, gms