Reifentest: Die Reifenprüfung - DER SPIEGEL
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Reifentest Die Reifenprüfung

Jedes Jahr rollen neue Reifenmodelle auf den Markt, die immer wieder als das Nonplusultra gepriesen werden. Bis die Tester der europäischen Automobilclubs kommen. Schon manches Modell, das durch die aufwendigen Pneuprüfungen fiel, wurde schnell wieder einkassiert.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Ein modernes Auto ist bis unter die Haube mit Hightech ausgestattet: Sicherheitssysteme von ABS bis EPS und Navigationshilfen, mit denen man fast im Schlaf ans Ziel kommt. Doch die ganze Elektronik bringt nicht viel, wenn der Wagen mit schlechten oder den falschen Reifen unterwegs ist. Das Gummi hält den Kontakt zum Asphalt, und zwar jeweils nur mit einer Aufstandsfläche von der Größe einer Postkarte. Viermal etwa 140 Quadratzentimeter Reifen tragen jedes Auto, vom Fliegengewicht Smart bis zum fetten Phaeton. Und das können die neuen Pneus unterschiedlich gut, wie der aktuelle Sommerreifentest zeigt, den der ADAC gemeinsam mit sechs weiteren europäischen Automobilclubs und der Verbraucherschutz-Organisation "Stiftung Warentest" unternommen hat.

31 Modelle kamen auf den Prüfstand: 16 Sommer- und ein Ganzjahresreifen in der Größe 185/60 R 14 und 14 Sommerpneus der Mittelklasse-Dimension 195/65 R15 V 30. Mehrere Monate dauerte der weltweit umfangreichste Reifentest. Zehn Experten unter der Leitung von ADAC-Cheftester Michael Müller unterzogen die Reifen, die auf einen VW Polo und einen Audi A4 montiert wurden, einem Dutzend aufwendiger Prüfungen. Das Fahrverhalten bei Nässe wurde auf einem Testgelände mit speziellen Aquaplaning-Strecken bei Hannover untersucht, die Spurtreue in schnellen Kurven in der "grünen Hölle" des Nürburgrings. Für einen Verschleißtest fuhr ein Konvoi von fünf Fahrzeugen 10.000 Kilometer am Stück.

Ein Reifen, der hier eine sehr gute Abschlussnote bekommen will, "muss ausgewogen sein", sagt Testleiter Müller. "Vor allem bei Nässe und auf trockenen Straßen muss er Stärken zeigen." Den rundum optimalen Reifen allerdings gibt es nicht: Beweist ein Pneu in einer Disziplin besondere Pluspunkte, geht dies meist zu Lasten einer anderen Eigenschaft: Ein guter Regenreifen zum Beispiel zeigt wegen der notwendigen weicheren Gummimischung immer Schwächen beim Verschleiß.

Beim ADAC-Test verdienten sich in der kleinen Größe 185/60 R 14 nur zwei Reifen die Beurteilung "besonders empfehlenswert": Der Bridgestone Turanza ER 70 und der Continental EcoContact 3, die beide herausragende Eigenschaften sowohl auf nassen wie trockenen Straßen zeigten. Fünf weitere Reifen zeigten ebenfalls gute ("empfehlenswert") Ergebnisse. Der einzige Ganzjahresreifen im Test, der Goodyear Vector Eagle EV2, konnte sich in der Sommer-Konkurrenz bei Nässe nur mäßig behaupten, zeigte dafür aber niedrige Verschleißwerte. Einer allerdings fehlt in der Endabrechnung: Der P6 von Pirelli patzte und platzte im anspruchsvollen Testprogramm. Daraufhin zogen die Italiener das Modell in dieser Dimension wieder ein, ließen ihre Entwicklungsabteilung auf Hochtouren laufen und brachten den Reifen schließlich neu auf den Markt.

Mit am wichtigsten bei dem Test waren das Fahr- und Bremsvermögen auf nassen Straßen. Bei solchen widrigen und in Mitteleuropa häufig auftretenden Bedingungen zeigt sich der wahre Charakter eines Reifens: Auf trockener Straße machen die meisten Pneus eine gute Figur, doch bei Nässe trennt sich die Spreu vom Weizen. In der größeren Dimension 195/65 R15 V 30 bewiesen gleich fünf Modelle bestes Allroundtalent und verdienten sich das Prädikat "besonders empfehlenswert": Der Fulda Carat Attiro (der zudem um einiges preiswerter als die gleichwertige Konkurrenz ist), der Uniroyal Rallye 540 (der im Endergebnis wegen besserer Nässewerte vor dem exklusiveren Modell Premium Contact des Mutterkonzerns Continental liegt), der Vredestein Sportrac 2 (mit dem besten Griff bei Nässe), der SP Sport 01 von Dunlop (höhere Verschleißwerte, dafür sehr gut auf trockener Straße) und der Pirelli P7 (der sich keine Spitzennoten verdiente, aber eine gute Ausgewogenheit in allen Bereichen zeigte).

Nicht nur in den Fahreigenschaften, auch bei den Preisen unterscheiden sich die Reifen bisweilen gravierend. Ein Satz 185er Pneus, die beim Test mit "empfehlenswert" abgeschnitten haben, kann 292 Euro (Michelin Energy E3A) oder 176 Euro (Hankook Optimo K 406) kosten, obwohl es keine nennenswerten Unterschiede in der Qualität gibt. Außerdem sollte man beim Kauf die Preise verschiedener Händler vergleichen, die bis zu 28 Euro pro Reifen variieren können. Welches Modell allerdings bei dem wichtigen Reifentest versagt, lässt sich meist auch über Dumping-Preise nicht mehr an den Mann bringen.

250.000 Euro kostete die groß angelegte Sommerreifen-Prüfung der Automobilclubs. Der Winterreifentest, der zur Zeit durchgeführt wird, verschlingt sogar 500.000 Euro. Dafür werden die Modelle der kommenden Wintersaison auf 1800 Metern Höhe in den Schweizer Alpen und in einer Eishockeyhalle bei Mönchengladbach auf Schnee, Eis und Matsch gecheckt. Reifentester - ein Job, der Spaß macht, könnte man meinen. "Nicht wirklich", sagt ADAC-Testleiter Michael Müller, der seit 1975 jedes Jahr dabei ist. "Reifentesten ist eine stupide Sache. Da fährt man stundenlang im Kreis und darf keinen Fehler machen. Sonst geht's von vorne los."