Sicherheit: Der Airbag wird intelligent - DER SPIEGEL
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Sicherheit Der Airbag wird intelligent

In Zukunft soll der Airbag mehr sein als nur ein Luftsack: Durch spezielle Technik könnte das Sicherheitspolster schon bald Unfälle vorausahnen und sich bei der Auslösung der Sitzposition der Passagiere anpassen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Die Autoindustrie arbeitet mit Hochdruck an "intelligenten" Airbag-Systemen - sie sollen das Verletzungsrisiko bei Unfällen weiter minimieren und dem Luftsack die explosive Härte nehmen. Ziel ist der "smarte" Airbag, der vorausschauend arbeitet und sich den Passagieren anpasst.

BMW hat bereits einen Schritt in diese Richtung getan: So haben die Münchener nach eigenen Angaben vor einem Jahr Airbagsysteme eingeführt, die die Unfallschwere vorhersehen und in zwei Stufen zünden können. Meldet der Bordrechner nur eine leichte Kollision, entfaltet sich der Airbag eher weich, der Passagier wird durch die explosionsartige Zündung der Luftsäcke nicht zusätzlich verletzt. Ist ein schwerer Crash zu erwarten, gibt es dagegen sofort vollen Druck.

In den USA, wo es keine Gurtpflicht gibt, ist das System zusätzlich noch mit einer Gurtschlosserkennung gekoppelt. So kann der Airbag erkennen, ob der Insasse angeschnallt ist und seine Leistung dementsprechend anpassen. Ähnliche Systeme gibt es bei Honda und Peugeot, und auch Renault will laut Sprecher Reinhard Zirpel noch in diesem Jahr die zweistufige Zündung anbieten.

Auch der Fahrgast selbst soll schon bald vom Airbagsystem mit einkalkuliert werden. Bei Audi etwa tüfteln die Ingenieure an Sensoren, die Sitzposition und Statur der Passagiere ermitteln und die Auslösung des Airbags anpassen können. Solche Systeme helfen auch bei der Senkung der Reparaturkosten, weil künftig nur Airbags gezündet werden, die auch benötigt werden.

In einem nächsten Schritt soll der Airbag dann den Unfall schon erkennen, bevor es überhaupt gekracht hat. So arbeitet Mercedes an einem Frühwarnsystem, durch das der Airbag im Falle eines Crashs entscheidende Millisekunden gewinnen könnte. Zudem soll sich das Volumen der Airbags dank dieser vorausschauenden Unfallanalyse künftig bedarfsgerecht steuern lassen.

Um die Passagiere besser schützen zu können, sollen in Zukunft auch an weiteren Stellen im Auto Airbags eingebaut werden. Kurz vor der Serienreife sind nach Angaben des Airbag-Zulieferers TRW Occupant Restraint Systems Luftsäcke unter dem Armaturenbrett, die Knie oder Füße schützen. Außerdem sollen bis zum Jahr 2002 auch Airbags in die Kopfstützen integriert werden, um die Gefahr eines Schleudertraumas zu mindern.

Aber nicht nur Fahrer und Beifahrer, sondern auch die Fondpassagiere sollen sicherer unterwegs sein. Weil die Rückbank als vergleichsweise sicher gilt, gibt es - abgesehen von den Sidebags im Siebener BMW, Audi A8 und Mercedes S-Klasse sowie den Ausläufern der aufblasbaren "Vorhänge" vor den Seitenfenstern - für die Gäste im Fond bislang keine Airbags. Das soll sich 2002 ändern, wenn Renault einen kleinen Luftsack im Beckenteil des Sicherheitsgurtes zur Serienreife bringt, der den Abstand zur Lehne der Vordersitze wahrt.

Noch ohne konkreten Zeithorizont sind laut TRW-Sprecher Andreas Bstock Airbags in den Rücklehnen der Vordersitze oder im Kofferraum kompakter Fahrzeuge wie Smart oder Mercedes A-Klasse. Während heute maximal vier Airbags zum Standard gehören und Fahrzeuge wie der mit zehn Airbags bestückte Siebener BMW zur Ausnahme zählen, wird man sich laut Bstock künftig auf deutlich mehr einstellen müssen: "Autos mit 15 oder 20 Airbags sind dann keine Seltenheit mehr."

Thomas Geiger