Sicherheitssysteme: Starten wie von Zauberhand - DER SPIEGEL
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Sicherheitssysteme Starten wie von Zauberhand

Adieu, Zündschlüssel: Immer mehr Automodelle starten mit intelligenten Chipkarten, die weit mehr können als nur den Motor anlassen. Und der Wagen der Zukunft soll schon auf bloßes Handauflegen reagieren.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg - Die Zeiten, in denen Autofahrer im Winter mühsam mit dem Schloss kämpfen, der Schlüssel daheim vergessen wird oder scharfe Metallzacken die Hosentaschen durchlöchern, sind bald vorbei. Denn auf einen Zündschlüssel im bekannten Sinn wird schon in ein bis zwei Fahrzeuggeneration auf breiter Front verzichtet werden. An deren Stelle treten heute teilweise schon intelligente Chipkarten, und in einigen Jahren wird sich das Auto vermutlich mit dem Fingerabdruck öffnen und starten lassen.

Den Einstieg in diese Technik markiert Keyless-Go von Mercedes, das seit April 1999 in der S-Klasse und zwischenzeitlich auch im großen Coupé CL verfügbar ist. Kernelement des Zugangssystems ist eine persönliche Chipkarte, die der Fahrer nur in der Brieftasche oder im Aktenkoffer mit sich führen muss. Berührt er dann den Türgriff, öffnet sich der Wagen ohne weiteres Zutun, und der Motor startet auf Knopfdruck. Derzeit kostet das von Siemens entwickelte System noch knapp 2000 Mark Aufpreis, wird aber, wie es heißt, bereits bei jeder zweiten S-Klasse mitbestellt.

Mercedes bleibt mit dieser Technik, die sich in den nächsten Jahren in der Produktpalette sicherlich nach unten ausbreiten wird, nicht lange allein. Systemlieferant Siemens hat angeblich fünf weitere Kunden für die Chipkarte unter Vertrag. Auch die Konkurrenz schläft nicht: Bei Lexus hat der Schlüssel im Flaggschiff LS 430 jetzt ausgedient und wird in der jüngsten Generation von einem Chip ersetzt. Ähnlich wird der Zugang beim neuen Lancia Oberklasse-Modell Thesis funktionieren.

Der Weg in die unteren Klassen ist bereits vorgezeichnet. Der neue Renault Laguna glänzt serienmäßig mit einem ähnlichen Prinzip. Dort sind alle relevanten Daten auf einem elektronischen Schlüssel im Scheckkartenformat gespeichert. Während man in der Basisversion zum Öffnen allerdings noch ein Knöpfchen für die Fernbedienung drücken muss, reicht in der aufwendigeren Fassung ebenfalls die Berührung des Türgriffs.

Danach muss die Karte aber - anders als bei Mercedes - in einen Schlitz neben dem Lenkrad gesteckt werden, damit Wegfahrsperre und Lenkradschloss deaktiviert werden können. Ohne den direkten Kontakt, so die Entwickler in Paris, hätte sich kein ausreichender Diebstahlschutz realisieren lassen.

Die Franzosen haben diesen vermeintlichen Nachteil in einen Pluspunkt für das System verwandelt. Denn während Karte und Auto einen stetig wechselnden Rollcode austauschen, lädt der Chip gleichzeitig die wichtigsten Betriebsdaten des Wagens. Beim Familienauto werden so zum Beispiel der eingestellte Radiosender, die Sitzposition und die Klimatisierung des jeweiligen Schlüsselbesitzers gespeichert. Wenn der Wagen in einer Flotte eingesetzt ist, kann der Fuhrparkmeister dank der Karte an seinem PC den Rest der Tankfüllung, Ölstand, Reifendruck oder die Zeit bis zum nächsten Wartungsintervall auslesen.

Doch die Chipkarte bleibt vermutlich nur ein Zwischenschritt. Denn mittelfristig setzt die Industrie auf den Fingerabdruck des Besitzers - schließlich kann man den weder verlieren noch im falschen Jackett vergessen. Auch Diebe sollen auf diese Weise endgültig ausgespielt haben. Den ersten Prototyp eines solchen Systems hat Siemens präsentiert, für das kommende Jahr wird die Serienreife erwartet. Auch bei BMW arbeitet man nach Angaben aus München gemeinsam mit dem Berliner Fraunhofer-Institut daran, dass demnächst die Wegfahrsperre per Handauflegen ausgeschaltet werden kann. Mit einem Einsatz wird bereits im nächsten 7er gerechnet, der zur Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) im September in Frankfurt angekündigt ist.

Von Thomas Geiger, gms

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