Spritsparen Taktieren beim Fahren
Mit einer neuen Fahrkultur lässt sich nach Ansicht des Öko-Fahrlehrers Ulrich Pfeiffer mehr als 20 Prozent Sprit sparen. Der Trick sei eine niedrigtourige Fahrweise, sagte Pfeiffer in einem Interview. Das hochtourige Fahren, wirt zwar vielleicht etwas sportlicher, sei aber unwirtschaftlich. Es koste nicht nur mehr Benzin, sondern erhöhe auch den Verschleiß.
"Die modernen Motoren entfalten zwischen 1500 und 2000 Umdrehungen ihren besten Wirkungsgrad", erklärte Pfeiffer. Deshalb sei es auch bei Bergfahrten Sprit sparend, in hohen Gängen mit Vollgas zu fahren. "Bei 60 Stundenkilometern und 1500 Umdrehungen im fünften Gang liegt der Verbrauch beim Durchschnittswagen bei 9,8 Litern. Bei halbdurchgedrücktem Gas im vierten Gang und 2600 Umdrehungen schnellt der Verbrauch auf über 13 Liter", so der Ingenieur.
Ein weiteres Mittel sei das Ausrollen vor Ampeln, sagt Pfeiffer. Die Geschwindigkeit in Städten reiche aus, um mehr als 600 Meter zu rollen. "Die meisten Fahrer unterschätzen diesen Schwung", sagte Pfeiffer. Auskuppeln sei bei modernen Autos nicht zu empfehlen, da sie über die so genannte Schubabschaltung verfügen: Wenn der Wagen rollt und ein Gang eingelegt ist, wird die Kraftzufuhr unterbunden. Im Leerlauf dagegen werde Sprit verbraucht. Deshalb sollte auch bei Bergabfahrten der Gang eingelegt bleiben.
Sinnvoll ist nach Ansicht von Pfeiffer auch das automatische Abschalten des Motors bei längeren Ampelschaltungen. "Mit dem Sprit für eine Minute Leerlauf kann man 400 Meter weit fahren." Realistisch sei diese Methode jedoch nur mit einer Motor-Stopp-Automatik, die bereits in einigen Fahrzeugmodellen serienmäßig angeboten werden. "Mit dem Zündschlüssel machen das nur die wirklich Überzeugten", so der Umweltfahrlehrer.
Pfeiffer appellierte an die Hersteller, Verbrauchmessgeräte in die Autos zu installieren: "Wenn die Fahrer direkt sehen können, wie sie mit dem neuen Fahrstil Geld sparen, dann wird er sich noch schneller durchsetzen."
Der Diplom-Ingenieur aus der Nähe von Heidelberg schult seit einigen Jahren Fahrer von Behörden, Versandhäusern und Paketdiensten in dem sparsamen Fahrstil. Der Experte hofft, dass sich in drei Jahren jeder zehnte deutsche Autofahrer die ökologischen Regeln zu Herzen nimmt - in Rücksicht auf das Portemonnaie.
Denn seit der letzten Erhebung des ADAC am 2. Januar - also nach der neuen Ökosteuerstufe - stiegen die Preise für Superbenzin in Deutschland schon wieder um immerhin rund vier Cent und die Preise für Diesel um rund zwei Cent im Durchschnitt.
Preise zwischen 97,4 und 100,2 Cent (knapp 1,96 DM) beim Super sowie Dieselpreise zwischen 79,9 und 82,7 Cent ermittelte der ADAC vergangene Woche bei Markentankstellen in 20 deutschen Städten. Beim Benzin wandern mehr als drei Viertel des Preises in die Kasse des Finanzministers.