Telematik an Bord : Telematik - DER SPIEGEL
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Telematik an Bord Telematik

VW stellte kürzlich einen Roboter vor, der Auto fahren kann, elektronische Gas- oder Bremspedale lassen sich von komplizierter Regelelektronik beeinflussen, Assistenzsysteme gleichen Fahrfehler aus. Wann wird der Autofahrer überflüssig?
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Auch bei BMW stellt man sich solche Fragen. "Wann wird der Autofahrer ersetzt? Fahren wir schon morgen automatisch?" Doch die sind nur rhetorisch gemeint, denn die Firma, die sich die "Freude am Fahren" auf ihre Fahnen geschrieben hat, beteuerte anlässlich des Telematik-Kongresses ITS in Turin: "Den automatischen Fahrer und Eingriffe in das Fahrtgeschehen von außen lehnt BMW kategorisch ab."

Doch natürlich nutzen auch die Bayern moderne Elektro- und Computertechnik in ihren Fahrzeugen. Diese Systeme tragen Namen wie "Stop & Go", "Cruise Control", "BMW Assist" und gehören allesamt zu dem Programm "ConnectedDrive". Um den Verdacht schon im Keim zu ersticken, der Mensch hinter dem Lenkrad würde von der Software bevormundet, spricht BMW lieber von "intelligenter Kommunikation im Dreieck zwischen Fahrer, Fahrzeug und der Umwelt".

Es gehe darum, heißt es in einem Positionspapier des Konzerns, "die Wechselwirkungen zwischen diesen Elementen zu antizipieren". Das Grundproblem allerdings wird durch solche rhetorischen Kniffe nicht gelöst. Denn natürlich greift die Elektronik in den ehemaligen Hoheitsbereich des Fahrers ein. Wann und wo das sinnvoll und notwendig ist, lässt sich kaum eindeutig und allgemein gültig bestimmen - dazu sind das persönliche Können, Fahrsituationen und äußere Einflüsse zu unterschiedlich.

Und: Wird dem Fahrer eine Entscheidung abgenommen, wenn zum Beispiel ESP ein Ausbrechen des Hecks verhindert? Gibt der Fahrer Verantwortung ab, wenn er sich bei hohem Tempo und Regenwetter auf seine Bremsassistenten, ABS und andere Fahrwerkskontrollsysteme verlässt?

BMW glaubt, mit seinem Telematik-Ansatz Verantworung und Entscheidungsfreiheit beim Fahrer zu belassen. Für das Beispiel Geschwindigkeit sieht das System "ConnectedDrive" der Münchner Folgendes vor: "Verschiedenste, teilweise untereinander vernetzte Sensoren erfassen die Fahrumgebung, werten diese aus und ermitteln eine unter allen Umständen sichere Fahrgeschwindigkeit, die in Form einer intuitiv verständlichen Empfehlung an den Fahrer über ein so genanntes 'aktives Gaspedal' weitergegeben wird. Für die Einhaltung dieser Geschwindigkeit ist jedoch nach wie vor der Fahrer verantwortlich, der auf diese Weise als entscheidendes und eigenverantwortliches Glied in den Regelkreis der Fahrzeugführung eingebunden bleibt."

Vielleicht wird eine andere Frage demnächst interessanter: Wie lange bleibt dem Fahrer dieses Maß an Verantwortung noch erhalten?