Wasserstoff-Autos: Wettkampf der Systeme - DER SPIEGEL
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Wasserstoff-Autos Wettkampf der Systeme

DaimlerChrysler feierte unlängst die Premiere eines Brennstoffzellen-Autos. Jetzt der Konter aus München: "BMW-Null-Liter-Autos durchbrechen 100.000-Kilometer-Marke".
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Im Klartext heißt das: Was DaimlerChrysler mit großem Tamtam präsentierte, ist bei BMW längst Alltag. Tatsächlich sind bereits seit Mai dieses Jahres 15 BMW 750hl auf den Straßen, die mit flüssigem Wasserstoff betrieben werden. Doch während DaimlerChrysler die Brennstoffzelle plus Elektromotor als Antriebssystem der Zukunft preist, setzt BMW auf herkömmliche Motorentechnik: In den Siebener-Modellen stecken Verbrennungsmotoren unter der Haube, die jeweils 204 PS (150 kW) leisten.

Dass die Kombination Wasserstoff plus Verbrennungsmotor alltagstauglich ist, bewiesen die Fahrzeuge aus München bei ihrem Einsatz im Shuttledienst während der Expo.

"Der Verbrennungsmotor bietet Vorteile bei Kosten, Leistungsfähigkeit und Gewicht. Für den mobilen Einsatz ist er durch eine Brennstoffzelle mit Elektromotor nicht zu ersetzen", sagt Anton Reisinger, Leiter des BMW-Projekts "Clean Energy". Vor allen Dingen bietet der Energieträger Wasserstoff die größten Vorteile bei den Abgasen - abgesehen von Wasserdampf gibt es nämlich keine.

Reisinger: "Nur so erreichen wir das Hauptziel: die Reduzierung der CO2-Emissionen im Verkehr auf Null." DaimlerChrysler setzt bei seinem neuesten Prototypen auf Methanol als Treibstoff im Tank, aus dem dann an Bord des Autos erst Wasserstoff gewonnen wird und der dann in der Brennstoffzelle in Elektrizität umgewandelt wird. Bei der Umwandlung des Methanols entsteht CO2, doch DaimlerChrysler argumentiert, dass Methanol ähnlich wie Benzin getankt werden könne. Die Infrastruktur müsste also nicht wesentlich verändert werden.

Bei den Münchnern heißt es dazu: "Methanol, gelegentlich als Treibstoff zum Betrieb von Brennstoffzellen propagiert, ist für BMW keine Alternative." Stattdessen gehen die Bayern den direkten Weg: Es kommt gleich Wasserstoff in den Tank. Der soll in speziellen Solarkraftwerken in den sonnenreichen Regionen der Erde regenerativ gewonnen werden. Einwände wischt BMW vom Tisch: Die Technologie sei vorhanden, der Transport von flüssigem Wasserstoff sei kein Problem und auch nicht die dezentrale Herstellung. "In Hamburg gibt es schließlich auch kein Erdöl", heißt es bei BMW.

Wo ist nun der Haken bei den Autos mit Verbrennungsmotoren und Wasserstoff im Tank? Die wesentlichen Probleme sind jene der Infrastruktur. Es wird eine flächendeckende Versorgung mit Wasserstoff gebraucht - und das erfordert derzeit noch nicht kalkulierbare Investitionen. Die einzige Tankstelle in Deutschland, die derzeit flüssigen Wasserstoff abgibt, befindet sich am Münchner Flughafen. Dort kostet der Liter flüssiger Wasserstoff 1,10 Mark. Das entspricht einem Benzinpreis von rund 4,10 Mark, denn in einem Liter Benzin steckt so viel Energie wie in 3,7 Liter flüssigem Wasserstoff.

Fazit: Während DaimlerChrysler gleich mit zwei Kardinalproblemen zu kämpfen hat - Optimierung der für einen Serieneinsatz noch um ein Vielfaches zu teuren Brennstoffzelle und der Versorgung mit Wasserstoff oder Wasserstoff-Trägerstoffen -, fährt BMW einen mono-problematischen Kurs. Motto: Die Technik im Auto ist vorhanden, jetzt fehlen nur noch die Milliarden an Kapital, um Wasserstoff herzustellen und in die Autotanks zu bekommen.