Wintercamping: Skiurlaub mit Anhang - DER SPIEGEL
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Wintercamping Skiurlaub mit Anhang

Immer mehr Winterurlauber übernachten statt in teuren Hotels lieber in den eigenen vier Wänden. Wer seinen Wohnhänger in den Schnee mitnimmt, muss sich gut vorbereiten – damit der Caravan nicht am ersten Pass hängen bleibt.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Die Zeiten, dass Wintercamper eine so verschworene wie verfrorene Gemeinde bildeten, sind vorbei. Weil Caravans und Wohnmobile immer besser ausgestattet und winterfest sind, wollen ihre Besitzer sie am liebsten das ganze Jahr über nutzen. Deswegen haben immer mehr Campingplätze mittlerweile das ganze Jahr über geöffnet und bieten gerade in den Skigebieten oft von Saunaanlagen bis zum zünftigen Hüttenabend alles, was das Pistencrack- und Skihaserl-Herz erfreut. Doch um mitsamt Wohnanhänger heil im Wintersportort anzukommen, sind einige Dinge zu beachten. Vor allem sollte nicht nur das Auto, sondern auch der Anhänger mit Winterreifen unterwegs sein.

"Es nützt der schönste Allrader nichts, wenn man hinten einen sechs Meter langen Wohnwagen mit Sommerreifen hängen hat - der zieht jeden Wagen von der Straße", sagt Viktoria Gross vom Deutschen Camping-Club. Dennoch komme es immer wieder vor, dass im Hochgebirge mit den falschen Reifen am Hänger gefahren werde. "Das ist sträflich leichtsinnig", so die Camping-Expertin. Und mitunter ganz schön teuer. Denn wer bei winterlichen Straßenverhältnissen mit Sommerreifen in einen Unfall verwickelt wird, kann belangt werden, auch wenn er selbst eigentlich keine Schuld hatte - das gilt für Pkw, aber auch bei falscher Bereifung von Wohnanhängern. Und nicht nur im Gebirge: auch in Flensburg, Paderborn oder auf Rügen, wenn dort ein Wintereinbruch die Straßen in Rutschpartien verwandelt hat. "Dann hat man sich 'nicht verkehrsgerecht' verhalten und seine Sorgfaltspflicht vernachlässigt", erklärt Camping-Club-Sprecherin Gross die Rechtslage. "Im Extremfall ist der Versicherungsschutz ganz weg."

Daher empfiehlt der Deutsche Camping-Club, bei Fahrten im Winter sowohl das Zugfahrzeug als auch den Anhänger mit Winterreifen auszustatten. Auf Wohnwagen und andere Anhänger können übrigens ganz normale Pkw-Reifen montiert werden. Wohnwagen sind in der Regel auf 13- oder 14-Zollreifen unterwegs, da sind herkömmliche Pkw-Reifen von der Tragfähigkeit her absolut ausreichend - solange der Halter sein Gespann nicht mit zu viel Gepäck überlädt. Das Hauptgewicht der Ladung sollte, das wissen alle erprobten Camper, auf der Achse liegen. Aussage über die zulässige Stützlast sowie über die passende Reifengröße gibt der Kfz-Schein des Anhangs.

Für große Wohnmobile allerdings haben einige Hersteller spezielle Reifenmodelle mit einer größeren Tragfähigkeit vorrätig. Michelin z.B. den "XC Camping", der allerdings ein reiner Sommerreifen ist, und Continental das Wintermodell "Winter Vanco". Gerade bei Anhängern sollten Winterreifen alle sechs Jahre erneuert werden. Bei längeren Standzeiten - etwa für drei Monate auf einem Wintercampingplatz - können sich so genannte Standplatten bilden. Um dem vorzubeugen, sollten die Reifen entlastet werden: den Caravan entweder aufbocken, einmal pro Woche etwas verschieben oder in einer "Reifenwiege" parken. Das ist eine Art Schale, die die Standfläche des Reifens vergrößert. Reifenwiegen gibt es im Fachhandel.

Wer mit der eigenen Skihütte an der Anhängerkupplung in den Urlaub startet, sollte natürlich nicht ohne passende Schneeketten losfahren. Aber Achtung: Hat man die Reifen zwischenzeitlich gewechselt, passen die bewährten Schneeketten vielleicht nicht mehr - Ketten gibt es günstig zu mieten. Ist eine Alpenstrecke nur noch mit Ketten zu befahren, ein blaues Verkehrsschild mit einer Kette oder eine entsprechende Erklärung im Verkehrsfunk kündigt dies an, müssen auch die Reifen des Anhängers an die Kette gelegt werden. Sonst geht an der ersten ernsthaften Steigung nichts mehr. Außerdem helfen in der Not, wenn man sich doch festgefahren haben sollte, ein Sack Sand, eine Schaufel und Unterlegkeile, um ein Abdriften des Hängers im Stand zu verhindern. Um unnötigen Stress im Schnee zu vermeiden, sollte man sich vorab beim Campingplatz nach der günstigsten Anreiseroute erkundigen. Denn die Internet- oder Automobilclub-Routenplaner geben zwar oft die kilometermäßig günstigste, nicht aber immer praktischste Anfahrt zum Besten.

Ist der Campingplatz erreicht, helfen einige Vorsorgemaßnahmen vor unliebsamen Überraschungen: Den Wohnwagen möglichst auf einem schneefreien Platz abstellen, da der Hänger bei Tauwetter rutschen oder gar kippen könnte. Die Handbremse des Caravan lösen, damit sie nicht einfriert. Die Hängerkupplung und Bremse abdecken. Spindeln und Kurbelstützen gut einfetten, damit sie nicht vereisen. Ein Vorzelt kann als Wärmepuffer sowie Abstellraum für Ski, Schlitten und Stiefel dienen. Stromkabel nicht direkt am Boden verlegen - sie könnten festfrieren oder vom Schneepflug gekappt werden. Und bei starkem Schneefall das Dach räumen - einen Wintereinbruch in der mobilen Skihütte kann niemand brauchen.