Weißes Haus: Die berühmteste Oma der Welt
Menschen Die erste Omi
Es ist noch gar nicht so lange her, da war sie eine ganz normale Oma: Sie buk regelmäßig Kuchen, sie ging samstags zum Friseur, und sonntags stand sie am Spielfeldrand, wenn Malia und Sasha Obama, ihre beiden Enkeltöchter, Fußball spielten. Sie hatte Freundinnen, mit denen sie Karten spielte. Das war im vergangenen Jahr, es scheint ewig her zu sein, und es war ja auch wirklich ein anderes Leben für Marian Robinson, die Mutter von Michelle Obama. Heute ist sie wohl die berühmteste Oma der Welt.
Aus Chicago stammt die Familie Obama. Doch der Präsident der USA muss in Washington leben, 1000 Kilometer von Chicago entfernt, in einer Villa, die unter dem Namen "Weißes Haus" berühmt geworden ist. Als Barack Obama im Januar der erste schwarze Präsident in der Geschichte Amerikas wurde, wussten seine Ehefrau Michelle und er, dass mit dem Umzug alles anders werden würde: Von nun an würden sie das berühmteste Ehepaar der Welt sein. Und diese Berühmtheit bedeutet ständige Beobachtung, keinen Schritt mehr ohne Fernsehkameras.
Sie wussten auch, dass sie das aushalten würden, sie hatten es sich ja ausgesucht, aber wie würde es für ihre Kinder sein? Wie würden Malia und Sasha damit zurechtkommen, dass ihr Vater nun der Präsident der USA ist?
Die "First Granny" genießt Washington
Die Omi muss mitkommen, das beschlossen die Obamas vor ihrem Umzug nach Washington. Die Omi müsse für Sasha, 8, und Malia, 11, da sein, die Omi müsse vorlesen und Spaghetti kochen, die Omi solle für eine vertraute Umgebung sorgen. Das war der Plan.
Heute lässt sich sagen, dass der Plan zwar aufgeht, aber doch ein bisschen anders als gedacht. Die Omi sucht zwar die Kleider für die Enkelinnen aus, wenn die Jonas Brothers im Weißen Haus auftreten. Sie hilft ihnen bei der Pflege des Gemüsegartens. Sie steht auch unter dem neuen Klettergerüst, wenn die Mädchen hinaufsteigen. Und mit dem Hund Bo geht sie Gassi.
Aber die Großmutter, die sich gern "First Granny" nennt, "Erste Omi", genießt eben auch Washington sehr, die Theater dort und die vielen Konzerte, die feinen Restaurants und all das andere. Die Friseure kommen nun zu ihr, sie backt nicht mehr selbst, sie lässt jetzt backen. Und sie wohnt im dritten Stock, über dem Präsidentenpaar und den Kindern.
"Sie hat ein so volles Leben, dass wir manchmal unseren Stundenplan um ihren Stundenplan herum basteln müssen", sagte Michelle Obama neulich. Aber dann lachte Michelle, sie schien das nicht übelzunehmen. Die Obamas heuerten halt einen Babysitter an, weil Marian Robinson, 71, so oft ausgeht.
Malia und Sasha vergöttern ihre Omi
In Chicago war alles noch ziemlich schlicht gewesen. Hinter einem grauen Gitterzaun in einem schmalen Haus aus grauem Backstein wuchsen Michelle und ihr Bruder Craig auf. Der Vater, Fraser Robinson, leerte Mülleimer, später belud er Lastwagen; die Mutter, Marian, brachte Michelle und Craig das Lesen bei. Die Kinder mussten abwechselnd den Abwasch übernehmen, samstags spielte die Familie "Monopoly", sonntags putzte Michelle das Bad.
Dann erkrankte Fraser Robinson an Multipler Sklerose, einer Nervenkrankheit. 1991 starb der Vater, er war erst 55 Jahre alt. Malia und Sasha, die Obama-Töchter, haben ihren Opa nie gesehen. Aber sie vergöttern heute ihre Omi. Denn natürlich kümmert sie sich trotz aller gesellschaftlichen Verpflichtungen noch um ihre Enkelinnen. Sie bringt die beiden zur Schule und holt sie ab, sie ist bei ihnen, wenn die Eltern auf Staatsbesuch in Asien oder Afrika sind.
Zu Beginn seiner Amtszeit dachte Präsident Obama noch, er könnte Marian Robinson niemals dazu überreden, mit der Familie nach Washington umzuziehen. Dann dachte er, sie würde für ein paar Monate mitkommen und dann nach Chicago zurückkehren. Aber nun lebt die Großmutter im Weißen Haus, und nichts deutet darauf hin, dass sie so bald wieder ausziehen wird.
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