Nadja Benaissa Leben mit dem Virus
Nadja Benaissa: Leben mit dem Virus
Eigentlich führt , 27, ein Leben, um das viele Kinder und Jugendliche sie beneiden: Sie ist Sängerin bei den , bei Konzerten jubeln ihr Tausende Teenager zu. Sie gibt Autogramme, tritt im Fernsehen auf und macht tolle Reisen - und wenn sie im Hotel übernachtet, kommt der Direktor persönlich, um sie zu begrüßen. Nadja ist ein Popstar.
Doch seit April dieses Jahres hat sich in ihrem Leben viel verändert. Denn da wurde öffentlich bekannt, dass Nadja schon seit einiger Zeit ein gefährliches Virus in sich trägt: Sie hat sich angesteckt mit . Das ist ein Virus, das die tödliche Krankheit Aids auslösen kann.
Nadja Benaissa schluckt täglich drei Tabletten. Sie verträgt die Tabletten sehr gut, nur ab und zu wird ihr etwas übel. Nadja findet das nicht schlimm: Ohne die Medizin wäre sie jetzt vielleicht schwerkrank oder schon tot.
"Es gibt zu viele Vorurteile"
Über HIV und Aids reden die wenigsten gern. Wer das Virus hat, kann andere Menschen anstecken. Viele haben deshalb Angst, Nadja die Hand zu geben oder ihr zu nahe zu kommen. "Das ist Quatsch", sagt Nadja, "die Leute wissen noch viel zu wenig über HIV. Es gibt zu viele Vorurteile."
Eigentlich wollte auch Nadja nichts von ihrer Ansteckung erzählen. Sie wollte nicht, dass die Menschen sich ihr gegenüber komisch benehmen.
Nadja trägt das Virus schon ein paar Jahre in sich, am Anfang hat sie nur ihren Eltern davon erzählt und ihren besten Freundinnen, den anderen No Angels. Nicht mal ihre Oma wusste Bescheid. Und ihre Tochter, sie ist gerade zehn Jahre alt, bekam nur mit, dass Nadja Tabletten nehmen musste. Sie wusste aber nicht, warum.
Im Frühjahr aber zeigte ein ehemaliger Freund Nadja bei der Polizei an. Er sagte, Nadja hätte beim Sex wissentlich andere Männer angesteckt - und das ist einer der wenigen Fälle, in denen man HIV tatsächlich bekommen kann.
Jetzt will sie sich nicht mehr verstecken
Wenn das stimmt, hätte Nadja eine Straftat begangen: Körperverletzung. Aber ob der Vorwurf stimmt, weiß man nicht. Das wird ein Gericht klären müssen. So lange gilt sie als unschuldig.
Aber weil viele Zeitungen über die Anzeige berichtet haben, weiß nun jeder, dass Nadja HIV hat. Jetzt will sie sich auch nicht mehr verstecken, ganz im Gegenteil: Sie hält bei der Anti-Aids-Gala eine Rede und tritt dort mit den No Angels auf, sie gibt Interviews und .
"Ich fühle mich gar nicht krank", sagt sie. Das Aidsvirus funktioniert nämlich anders als beispielsweise ein Schnupfenvirus: Wer sich ein Schnupfenvirus holt, fängt ganz kurz danach an zu niesen - HIV aber kann jahrelang im Körper sein, ohne dass Aids ausbricht.
"Man muss mit dem Thema HIV und Aids offen umgehen"
Zurzeit ist Nadja wieder mit den No Angels unterwegs, sie stellen ihre neue CD vor. Sie hat viel zu tun und denkt nicht jeden Tag an HIV. "Ich achte einfach etwas mehr auf meine Gesundheit und versuche zum Beispiel eine Grippe zu vermeiden." Eine Grippe würde ihre Abwehrkräfte schwächen, dann könnten sich auch die anderen Viren besser vermehren.
Einmal hat Nadja sich in der Küche in den Finger geschnitten. Da achtete sie darauf, dass niemand mit dem Blut in Berührung kam - denn auch im Blut lauert Ansteckungsgefahr. Also hat Nadja sich nicht helfen lassen, sondern selbst ein Pflaster auf die Wunde geklebt.
"Man muss mit dem Thema HIV und Aids offen umgehen", findet Nadja. Wie gut das tut, hat sie an ihrer eigenen Tochter bemerkt. Die weiß jetzt, was mit ihrer Mutter los ist, und hat nicht mehr einfach nur ein merkwürdiges Gefühl, dass irgendetwas nicht stimmt. Sowieso, sagt Nadja: "Kinder haben viel weniger Vorurteile als Erwachsene."