Büchertipps von Dein SPIEGEL Frischer Lesestoff
Ein Bester Freund
K. A. Nuzum: "Hundewinter"
Dessa lebt mit ihrem Vater in einer Hütte in den Bergen. Sie verbringt die Tage allein, mit Schulaufgaben, die ihr der Vater stellt, bevor er morgens zur Jagd aufbricht. Seit dem Tod ihrer Mutter kann Dessa die Hütte nicht mehr verlassen. Sie schafft es nur bis an den Rand der Veranda, dann spielen ihre Ohren in der Kälte verrückt, und der Mama-Verlier-Schmerz stürzt sie mitten am Tag in eine Art Alptraum.
Eines Tages sitzt plötzlich ein Hund vor der Tür. Obwohl er verletzt ist und Hilfe braucht, traut er sich ebenso wenig in die Hütte wie sie sich hinaus. Nach und nach gelingt es Dessa, sein Vertrauen zu gewinnen, und die beiden werden Freunde. Als aber ein hungriger Bär auftaucht, muss auch Dessa ihren Mut beweisen.
"Hundewinter" ist eine wunderschön erzählte Geschichte über Mut, Freundschaft, Vertrauen - und wie man Türschwellen und Kummer überwinden kann.
Von Helden und Nudeln
Gernot Gricksch: "Im Tal der Buchstabennudeln"
Die Freunde Emma, Sarah, Nucki, Fitze und Torben wollen den Sommer in einem Ferienlager verbringen. Aber jeder will in ein anderes: Nucki liebt Tiere und will Ferien auf dem Bauernhof machen. Die schöne Sarah möchte in einem Star-Camp als Popstar entdeckt werden. Emma, die immer so schüchtern ist, soll im "Winning Holidays"-Lager mehr Selbstbewusstsein bekommen. Torben freut sich auf ein Abenteuer-Camp, und der Sprüchekasper Fitze hat sich bei "Fun Holiday" angemeldet.
Merkwürdigerweise aber landen sie alle in demselben verwahrlosten Ferienlager. Die drei Leiterinnen sehen total gleich aus und reden wirres Zeug. Und zum Essen gibt es nur Buchstabennudelsuppe. Am zweiten Tag sind die Damen spurlos verschwunden, und es gibt kaum noch Suppe. Die Kinder merken, dass sie an einem Ort voller Geheimnisse stecken. Gemeinsam machen sie sich daran, das Rätsel zu lösen: Warum schwimmt in der Nudelsuppe jeden Tag nur ein einziger Buchstabe? Woher kommen plötzlich die aufblasbaren Gummi-Krokodile? Und was hat es mit den Zeitungsartikeln in der Bibliothek auf sich? Sie alle erzählen von Angsthasen, die zu Helden wurden.
Das Buch handelt von unseren Ängsten - und wie wir sie überwinden können. Manchmal ist es ein bisschen gruselig, meistens aber urkomisch - und spannend von der ersten bis zur letzten Seite.
Der reichste Junge der Welt
Richard Newsome: "Das Milliarden-Trio und der indische Diamant"
Gerald ist 13 Jahre alt und hat ein Problem: Er darf die Schulferien nicht mit seinem Freund verbringen. Zusammen mit seinen Eltern muss er nach London fahren - eine Großtante, die er noch nie gesehen hat, ist gestorben, und Gerald soll an der Beerdigung teilnehmen. Langweiliger kann man seine Ferien ja wohl kaum verbringen, denkt Gerald, doch damit liegt er gründlich daneben. Die tote Großtante war nämlich unsagbar reich - und ausgerechnet Gerald erbt das gesamte Vermögen. Auf einmal gehören ihm Villen, riesige Ländereien, Yachten und ein Luxusflugzeug.
Außerdem hat die Tante ihm einen Brief hinterlassen. Darin steht, dass sie ermordet werden würde und dass ein geheimnisvoller Diamant dabei eine Rolle spiele. Gerald und zwei Freunde machen sich auf, sie wollen den Mörder finden und natürlich auch den Diamanten. Eine gefährliche Jagd beginnt, sie führt die Kinder zu Geheimtüren, durch vergessene U-Bahn-Schächte und auf einen alten Landsitz. Am Ende erfährt Gerald, dass Reichtum zwar eine feine Sache ist, aber vor allem, dass man Freunde braucht, auf die man sich wirklich verlassen kann.
"Das Milliarden-Trio" ist ein spannender Krimi für Jungen und Mädchen - und dick genug für langen Lese-Spaß.
Zwischen Schule und Schnullern
Isabel Abedi: "Lola Schwesterherz"
Sechs Bücher über Lola hat die Hamburger Schriftstellerin Isabel Abedi schon geschrieben. Jetzt erscheint der siebte Band mit dem Titel "Lola Schwesterherz". Über die Nachricht, dass sie bald eine Schwester oder einen Bruder bekommen wird, freut Lola sich riesig. Um perfekt vorbereitet zu sein, wenn das Baby da ist, will sie sich einen Job als Babysitterin suchen.
Davon, dass sie erst knapp elf Jahre alt ist, lässt sich Lola dabei nicht abschrecken. Schließlich ist sie nicht irgendjemand, sondern Lala Lu, die beste Babyflüsterin der Welt - jedenfalls in ihren Träumen. Und tatsächlich bekommt Lola bald die Gelegenheit zu zeigen, wie gut und zuverlässig sie ist. Und auch sonst ist in Lolas Leben wieder sehr viel los.
Auf der weiterführenden Schule kommt sie in eine andere Klasse als ihre Freundinnen, und dann plagt sie auch noch heftiger Liebeskummer. Aber Lola wäre nicht Lola, wenn es nicht für die meisten Probleme eine gute Lösung gäbe.
Das Buch ist berührend, ehrlich und mit tollen Bildern versehen. Echt Lola eben.
Zwei Brüder
Patricia MacLachlan: "Edwards Augen"
Als die Eltern das Baby aus dem Krankenhaus mitbringen, sind sich die Geschwister nicht sicher, ob sie sich freuen sollen oder nicht. Wird das Kind den ganzen Tag nur in die Windel machen und spucken? Das wäre kein Grund zur Freude. Doch dann schlägt Edward, so heißt das Baby, die Augen auf. Sie sind wunderschön: schlammblau mit goldenen Sprenkeln. In diesem Augenblick verlieben sich seine Geschwister in ihn. Bruder Jake fängt sogar an zu weinen, weil er so glücklich über Edward ist.
Die US-amerikanische Autorin Patricia MacLachlan erzählt Edwards Geschichte aus der Sicht seines Bruders Jake. Jake wundert sich oft über Edward. Denn der kleine Bruder ist nicht nur lustig und schlau. Als Schulkind spielt er auch sehr gut Baseball. Bald kann Edward den Ball in einer Technik werfen, die weltweit nur von wenigen Profis beherrscht wird. Die Brüder verbringen mehrere Jahre zusammen, sie lesen sich Bücher auf Französisch vor, reden über Baseball und naschen pappsüßen Kuchen. Niemals hätte Jake gedacht, dass sich das ändern könnte. Doch dann stirbt Edward plötzlich bei einem Fahrradunfall.
Sicher ist das Buch "Edwards Augen" ziemlich traurig, weil es um Tod und Abschiednehmen geht. Trotzdem gibt es auf den 96 Seiten viele gute Momente. Denn die Familie hält auch in schweren Zeiten zusammen: ein Buch zum Fröhlichsein, Weinen und Nachdenken.
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