Musicalstar mit elf Jahren "Ich bin der König der Löwen"
Sobald ich auf die Bühne trete, bin ich ein Löwe. Ein stolzer Löwe aus Afrika. Der einzige Unterschied ist, dass ich aufrecht gehe. Und natürlich, dass ich singe und tanze. Ansonsten fühle ich mich vollkommen in meine Rolle als Löwenkind ein. Dabei hilft mir auch mein Kostüm. Wenn ich das ganze Make-up im Gesicht habe und die Perücke trage, kann ich mich manchmal im Spiegel selbst nicht wiedererkennen.
Ich spiele den Simba im Musical "König der Löwen", das ist die Hauptrolle. Das Stück wird in Hamburg aufgeführt, jeden Tag sitzen rund 2000 Leute im Zuschauerraum.
Vor ein paar Jahren haben meine Eltern und ich eine Anzeige für das Casting in der Zeitung gesehen. Ich war gleich ganz aufgeregt und habe gehofft, dass sie mich nehmen. Ich musste noch nicht einmal vorspielen, weil sich nur so wenige Jungs gemeldet hatten. So konnte ich gleich zum Probetraining gehen und durfte zum Glück in der Gruppe bleiben.
Bis zu viermal pro Woche Training
Am Anfang gehen alle in die Samstags-Löwenschule. Dort lernt man Tanzen, Singen und Schauspielern. Wenn man das gut kann, darf man in die Intensiv-Löwenschule wechseln. Da ist bis zu viermal in der Woche Training. Das ging mehr als ein Jahr. In diesem Sommer war ich dann gut genug, und seitdem darf ich als Simba im Musical dabei sein.
Während des Intensivtrainings war das mit der Schule manchmal schwierig. Nach dem Training war ich erst um sieben Uhr abends wieder zu Hause, habe mit meinen Eltern gegessen, meine Hausaufgaben gemacht und bin dann gleich ins Bett. Seit ich auf der Bühne stehe, ist alles etwas entspannter. Nun habe ich auch wieder Zeit für meine Hobbys: Ich spiele Fußball im Verein und bin bei der freiwilligen Feuerwehr.
Beim Löwen-Training kann ich dafür Sachen machen, die ich sonst nicht darf. Es gibt beispielsweise Übungen, bei denen man so tun muss, als wäre man richtig wütend. Dann kann ich schreien und Energie rauslassen, das geht zu Hause nicht so gut.
Ich gebe in der Schule mit meiner Arbeit nicht an, aber die Rolle als Simba hat mich schon selbstbewusster gemacht. Wenn ich etwa vor der Klasse etwas vortragen muss, macht mir das gar nichts aus. Jedenfalls jetzt nicht mehr.
Bei meinem ersten Bühnenauftritt war ich furchtbar aufgeregt, weil so viele Zuschauer da waren und ich wusste, dass meine Eltern zugucken. Aber sobald ich auf der Bühne stand, habe ich das alles vergessen. Eigentlich bleibt gar keine Zeit, um ins Publikum zu schauen und sich zu fürchten. Es ist wichtig, sich gut zu konzentrieren.
Kinder dürfen nicht lange und oft arbeiten
Am schwierigsten war es für mich, den Tanz zu lernen, in dem ich mir wünsche, König zu sein. Da heben mich am Ende zwei Leute hoch, und ich stehe kerzengerade auf ihren Händen. Am Anfang hatte ich Angst, dabei umzufallen. Man muss lernen, sich selbst und den anderen Darstellern zu vertrauen. Mit meiner Körpergröße von 1,49 Meter bin ich meist auch der Kleinste auf der Bühne. Nur manchmal ist eines der Löwenmädchen noch kleiner als ich. Erst war das merkwürdig, aber inzwischen macht mir das nichts aus. Simba ist ja immerhin die Hauptrolle.
Außer mir gibt es noch fünf andere Jungs, die Simba spielen. Wir wechseln uns bei den Aufführungen ab. Ich bin meist zweimal pro Woche bei der Show dabei, am liebsten würde ich noch viel öfter mitmachen. Es gibt aber eine gesetzliche Arbeitsbeschränkung für Kinder. Sie dürfen nicht lange und nicht oft arbeiten.
Das Gesetz sorgt auch dafür, dass ich das Ende der Vorführung nicht mehr mitbekomme: Nach dem ersten Teil, wenn Pause ist, werde ich abgeschminkt und nach Hause gebracht. Dann gehe ich sofort ins Bett.
Im zweiten Teil des Stücks ist Simba ja auch schon erwachsen und wird dann von einem Erwachsenen gespielt. Wie die Zuschauer zum Schluss applaudieren, habe ich nur bei der Premiere mitkriegen dürfen. Das war toll.
Wenn ich zu sehr wachse, darf ich den kleinen Löwen nicht mehr spielen. Daran mag ich noch nicht denken. Einen Trost habe ich: Bei meiner letzten Show darf ich wieder bis zum Schluss bleiben und den Applaus hören.