Für Kinder erklärt: Wie sich die USA von Europa abwenden - DER SPIEGEL
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Für Kinder erklärt Wie sich die USA von Europa abwenden

Die USA und Europa waren jahrzehntelang unzertrennlich. Doch das ändert sich gerade. Der Grund: Donald Trump. Seit er wieder US-Präsident ist, stößt er viele Verbündete vor den Kopf. Was bedeutet das für Europa?
Von Filip Schwen • • aus DEIN SPIEGEL 5/2025

Warum sind die USA für Deutschland und Europa so wichtig?

Stellt man sich die Welt wie einen Schulhof vor, dann waren die USA lange jemand, mit dem viele befreundet sein wollten: ein großer, starker Verbündeter, also jemand, den man gern auf seiner Seite hat, weil er einen im Notfall beschützen kann. So sind die USA: groß, reich und eine militärische Supermacht.

Dass die Freundschaft zwischen den USA und Deutschland und anderen europäischen Ländern besonders eng ist, hat historische Gründe. Die Vereinigten Staaten spielten im Zweiten Weltkrieg eine große Rolle beim Sieg über Nazideutschland. Seit dieser Zeit tragen die USA maßgeblich zum militärischen Schutz Europas bei. 1949 wurde ein Bündnis geschlossen, die Nato. Neben den USA und Deutschland gehören heute 30 andere Staaten dazu. Die Mitglieder haben sich verpflichtet, einander im Fall eines Angriffs zu helfen.

Die USA hatten im Zweiten Weltkrieg einen wesentlichen Anteil daran, dass der Sieg über Nazideutschland gelang.

Die USA hatten im Zweiten Weltkrieg einen wesentlichen Anteil daran, dass der Sieg über Nazideutschland gelang.

Foto: Fox Photos / Getty Images

Auch wirtschaftlich waren die USA und Europa lange gemeinsam erfolgreich. Viele US-amerikanische Unternehmen verkaufen ihre Produkte in der Europäischen Union (EU), zum Beispiel Coca-Cola, Apple oder Google. Umgekehrt liefern europäische Firmen ihre Produkte in die USA, vor allem Autos und Medikamente. Die Vereinigten Staaten sind der wichtigste Handelspartner der EU.

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Was hat sich unter Donald Trump geändert?

Seit Donald Trump wieder Präsident in den USA ist, ist der starke, verlässliche Typ auf dem Schulhof plötzlich unberechenbar geworden, und er droht damit, sich künftig hauptsächlich um sich selbst zu kümmern. Denn für Trump stehen die Interessen der USA an erster Stelle. Die Sorgen ihrer Verbündeten sind für ihn nicht so wichtig. Trump wirft ihnen vor, sich in den vergangenen Jahren zu sehr auf die USA verlassen zu haben: Sie hätten lieber Geld für andere Dinge gespart, als es für die eigenen Armeen auszugeben. Der US-Präsident hat deshalb infrage gestellt, dass die USA die europäischen Verbündeten im Fall eines Angriffs verteidigen würden.

Das löst besonders in Osteuropa Besorgnis aus. Denn seit Russlands Armee vor drei Jahren in die Ukraine einmarschiert ist, fürchten andere osteuropäische Länder, dass Russland auch sie angreifen könnte. Sie setzen darauf, dass ihre Mitgliedschaft in der Nato sie davor schützt. Denn mit einem Angriff würde Russland einen Krieg mit den USA und ihrer mächtigen Armee riskieren. Die Ukraine ist übrigens kein Nato-Mitglied.

Sorge bereitet europäischen Politi­kerinnen und Politikern auch Trumps Verhalten, was den Ukrainekrieg angeht. Bislang haben die USA, Deutschland und viele andere Länder die Ukraine gemeinsam unterstützt, mit Waffen und viel Geld. Trumps Meinung nach war das zu viel. Er möchte den Krieg schnell beenden und ist deshalb offenbar bereit, viele russische Forderungen zu erfüllen. Zum Beispiel könnte es sein, dass die Ukra­ine ihre derzeit von russischen Truppen besetzten Gebiete dauerhaft an Russland abgeben muss. Trump hat jüngst direkt mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin über die Bedingungen für ein Kriegsende verhandelt. Im schlimmsten Fall könnte es darauf hinauslaufen, dass die ­Ukraine am Ende kein Mitspracherecht haben wird.

Das möchte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj auf keinen Fall. Bei einem Besuch Selenskyjs bei Trump kam es deshalb vor Kurzem vor laufenden Fernsehkameras zu einem Streit zwischen den beiden. Mittlerweile sprechen sie wieder versöhn­licher miteinander. Dennoch befürchten europäische Politiker, dass Trump die militärische Unterstützung für die Ukraine beenden könnte. Und ohne die Hilfe aus den USA wird es schwierig: In diesem Fall droht das Land den Krieg zu verlieren. Das birgt eine weitere Gefahr: Eine Niederlage der Ukra­ine könnte Putin dazu ermutigen, ande­re osteuropäische Länder anzugreifen.

Im Februar kam es vor laufenden Kameras zum Streit zwischen Trump und dem ukrainischen Präsidenten Selenskyj

Im Februar kam es vor laufenden Kameras zum Streit zwischen Trump und dem ukrainischen Präsidenten Selenskyj

Foto: ABACAPRESS / IMAGO

Auch in der Handelspolitik gibt es Streit. Trump hat hohe Zölle auf Autos, Stahl, Aluminium und viele weitere Produkte verhängt. Das betrifft auch Waren aus der EU. Zölle sind Abgaben, die bezahlt werden müssen, wenn Firmen Waren in anderen Ländern verkaufen wollen. Dadurch werden europäische Produkte in den USA teurer. Trump hofft, dass die Kunden in seinem Land als Konsequenz lieber die günstigeren, in den USA hergestellten Waren kaufen. So will der Präsident US-amerikanischen Firmen helfen. Experten bezweifeln, dass Trumps Plan aufgeht.

Wie reagieren Deutschland und die anderen europäischen Länder?

Die EU wehrt sich gegen die Zölle, indem sie jetzt selbst welche verhängen will. So sollen Produkte aus den USA – wie Jeans, Motorräder und Erdnussbutter – in der EU demnächst teurer werden. Gleichzeitig will die EU mit Trump verhandeln, um einen Kompromiss zu finden.

Die meisten europäischen Politike­rinnen und Politiker sind sich zudem einig, dass man sich künftig nicht mehr auf die USA als militärischen Verbündeten verlassen kann. Deutschland und andere EU-Staaten wollen deshalb viel Geld für neue Waffen ausge­ben, um ihre Armeen besser auszurüsten. Dafür muss Deutschland hohe Schulden aufnehmen. Außerdem diskutieren europäische Politikerinnen und Politiker, wie sie künftig bei der Verteidigung enger zusammenarbeiten können, etwa wenn es darum geht, neue Waffen zu beschaffen. Gemeinsam wollen die Mitgliedsländer der EU auch die Ukraine weiter mit Waffen und Geld unterstützen.

Deutschland möchte als Reaktion auf Trumps Politik viel Geld für neue Waffen und Ausrüstung ausgeben

Deutschland möchte als Reaktion auf Trumps Politik viel Geld für neue Waffen und Ausrüstung ausgeben

Foto: Joeran Steinsiek / IMAGO

Auf dem Schulhof wäre es also so, dass sich schwächere Kinder nun auf die Freundschaften untereinander besinnen, sie besser pflegen wollen und so gemeinsam ein starkes Team bilden – hoffentlich.

Dieser Artikel erschien in DEIN SPIEGEL 5/2025.

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