Basketball: Deutschland-Star Satou Sabally über Olympia, Karriere, Einhörner und Donald Trump - DER SPIEGEL
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Basketball-Star Satou Sabally »Das härteste Spiel, das ich je gespielt habe«

Satou Sabally ist eine der besten Basketballerinnen der Welt. Im Interview mit »Dein SPIEGEL« spricht sie über ihren Werdegang, ihren Traum von Olympia und Donald Trump. Und verrät, warum man sie ›Einhorn‹ nennt.
Redaktionelle Begleitung: Marco Wedig • • aus DEIN SPIEGEL 8/2024

Dein SPIEGEL: Das letzte Quali­fikationsspiel für Olympia war sehr hart. Eine Mitspielerin von dir meinte, es sei eine Prügelei gewesen. Was war da los?

Sabally: Es ging einfach um alles. Wir hatten diese Chance, zu den Olympischen Spielen zu fahren – und wir wollten sie nutzen. Wir sind alle sehr ehrgeizig und wollten unbedingt gewinnen. Deswegen war das Spiel so dreckig. Es war das härteste, das ich je gespielt habe.

Voller Einsatz: Das letzte Qualifikationsspiel für Olympia war sehr kampfbetont. Satou Sabally lief mit einer Manschette auf.

Voller Einsatz: Das letzte Qualifikationsspiel für Olympia war sehr kampfbetont. Satou Sabally lief mit einer Manschette auf.

Foto: Marx Vasconcelos / dpa / picture alliance

Dein SPIEGEL: Eine brasilianische Spielerin hat dich sogar extra an deiner eh schon verletzten Schulter gefoult. Hat dich das weiter motiviert?

Sabally: Ja, schon, weil mir da klar wurde: Okay, die wollen, dass ich hier verletzt vom Feld gehe. Ich dachte dann: Nee, ey, egal was passiert – ich spiele dieses Game zu Ende. Auch unter Schmerzen. In einem anderen Spiel hätte ich mich wahrscheinlich anders entschieden. Aber als Athletin kenne ich meine Grenzen. Und ich wusste, dass ich hier an die Grenze gehen muss. Hätten wir das Spiel verloren, hätte ich die Entscheidung, nicht zu spielen, lange bereut.

Dein SPIEGEL: Die Macht von TikTok
Foto: Dein SPIEGEL

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Dein SPIEGEL: Was sind deine Ziele für Olympia?

Sabally: Erst mal will ich gesund werden. Ich bin immer noch nicht ganz fit aufgrund meiner Schulterverletzung. Das wird nicht leicht, weil ich das letzte Mal im Februar gespielt habe und dann direkt bei Olympia ein­steige. Aber ich will jedes Spiel und die Eröffnungsfeier genießen. Ich habe mir das Dabeisein hart erkämpft. Und ich freue mich einfach darauf, wieder spielen zu können.

Dein SPIEGEL: Warum hast du eigentlich mit dem Basketball angefangen?

Sabally: Das war Zufall. Ich habe mit meiner Schwester auf einem Spielplatz gespielt, als uns eine Basketballtrainerin ent­deckte. Sie sprach meine Mutter an: »Du hast ja große Töchter, haben die mal Basketball gespielt?« Meine Mama verneinte. Dann wurden wir zu einem Trainingscamp eingeladen. Da bin ich das erste Mal mit Basketball in Berührung gekommen. Ich habe mich frei gefühlt – und weitergemacht.

Dein SPIEGEL: Deine Schwester spielt ja auch im Nationalteam. Unterstützt ihr euch immer – oder hast du deine Schwester auch mal als Konkurrentin gesehen?

Sabally: Wir unterstützen uns immer. Weil ich zwei Jahre älter bin, haben wir allerdings auch immer in unterschiedlichen Altersklassen gespielt. So kam es nie zu einer Konkurrenzsituation. Erst bei der Nationalmannschaft sind wir dann mal auf­einandergetroffen. Es ist voll cool, mit ihr zusammenzuspielen.

Auch Satous Schwester Nyara (rechts) ist bei den Olympischen Spielen dabei.

Auch Satous Schwester Nyara (rechts) ist bei den Olympischen Spielen dabei.

Foto: Wunderl / BEAUTIFUL SPORTS / picture alliance

Dein SPIEGEL: Hast du früher bei den Jungs mitgespielt? Und, wenn ja, wie war das?

Sabally: Das war eine Herausforderung. Viele von denen konnten schon gut spielen, als ich ganz neu in die Mannschaft kam. Jedes Jahr wurde ich besser, und irgendwann war ich die Beste im Team. Mit 13 wurden die Jungs stärker und schneller. Ich bin dann in ein Mädels-Team gewechselt. Zwar habe ich es geliebt, mit den Jungs zusammenzuspielen, aber bei den Mädels gab es eine noch stärkere Gemeinschaft. Außerdem war ich froh, mich nicht länger allein in einer gesonderten Umkleide umziehen zu müssen.

Der Satou Sabally Court liegt auf dem Tempelhofer Feld im Süden Berlins.

Der Satou Sabally Court liegt auf dem Tempelhofer Feld im Süden Berlins.

Foto: Nike

Dein SPIEGEL: In Berlin hast du ein besonderes Basketballfeld eröffnet. Kannst du uns mehr dazu erzählen?

Sabally: Wenn ich früher außerhalb des Trainings irgendwo Basketball spielen wollte, habe ich oft die Erfahrung gemacht, dass die Jungs das Feld belegt haben. Die haben die Mädels nie mitmachen lassen. Ich musste dann oft zwei Spiele abwarten, bis ich irgendwann auch mal spielen konnte. Auf dem Satou Sabally Court soll das anders sein. Das soll ein Ort sein, wo alle – Mädchen und Jungs – zusammenspielen können, wo Mädels aber auch mal unter sich sein können.

Dein SPIEGEL: In den USA wirst du auch »Einhorn« genannt. Warum?

Sabally: Mein Coach in Oregon fand das, was ich auf dem Basketballfeld mache, so besonders. Ich bin halt sehr groß und schnell – und kann trotzdem wie ein »Point Guard« spielen. Diese Position besetzen normalerweise eher die kleineren, wendigen Spielerinnen. Ich kann aber auch auf der Center-Position spielen, wo es auf die Größe ankommt. Mein Coach meinte daher: »Du bist einzigartig – wie ein Einhorn.« Außerdem mag ich die Farbe Pink ganz gerne – das seht ihr ja –, von daher passt das.

Dein SPIEGEL: Du bist schon viel herumgekommen, hast in Deutschland, den USA und in der Türkei gespielt. Voriges Jahr auch in China. Fandest du es schwer, dich dort zurechtzufinden?

Sabally: Eigentlich bin ich eine Person, die überall ganz gut klarkommt. Aber China war schon sehr anders. Das fängt mit der Schrift an, die ich nicht lesen konnte. Im Alltag war ich auf die Übersetzungs-App auf dem Handy angewiesen. Beim Training hat eine Dolmetscherin die Anweisungen der Trainer für mich übersetzt. Auch mit meinen Mit­spielerinnen konnte ich mich kaum verständigen. Nur zwei sprachen Englisch. Das war nicht einfach. Ich habe mich in der Zeit oft allein gefühlt. Auf der anderen Seite habe ich mich gefreut, eine neue Kultur kennenzulernen. Wenn wir Auswärtsspiele hatten, zum Beispiel in Peking, habe ich mir noch die Stadt angeschaut, weil ich mehr sehen wollte als nur die Basketballhalle.

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Dein SPIEGEL: Vor vier Jahren hast du Donald Trump auf Twitter kritisiert. Wie findest du, dass er jetzt noch mal Präsident werden möchte?

Sabally: Dass er noch mal Präsident werden möchte, finde ich größenwahnsinnig. Dass er tatsächlich Präsident werden könnte, das ist gruselig, weil er in diesem Amt sehr viel Macht hätte. In jeder Gesellschaft streiten sich Menschen, weil sie unterschiedliche Meinungen und Gefühle haben. Doch in den USA wird dieser Streit besonders heftig geführt. Eigentlich bräuchte dieses Land einen Präsidenten, der die Menschen zusammenbringt. Trump ist aber eher jemand, der den Hass schürt.

Die Kinderreporter
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Privat

Anton, 12, und Luisa, 11, interviewten Satou per Video-Call.

Anton spielt selbst Basketball, und zwar beim Kreuzberger Verein Berlin Tiger.

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Luisa kommt aus Schiesheim. Ihre Hobbys sind Fahrradfahren und Spazierengehen.

Nachdem der US-Amerikaner George Floyd von einem Polizisten getötet worden war, kam es zu den Black-Lives-Matter-Protesten. Satou und ihr Team, die Dallas Wings, beteiligten sich daran.

Nachdem der US-Amerikaner George Floyd von einem Polizisten getötet worden war, kam es zu den Black-Lives-Matter-Protesten. Satou und ihr Team, die Dallas Wings, beteiligten sich daran.

Foto: Ned Dishman / NBAE / Getty Images

Dein SPIEGEL: Noch eine politische Frage: Dein Team, die Dallas Wings, hat bei den Black-Lives-Matter-Protesten mitgemacht. Hat sich seitdem etwas verbessert?

Sabally: Ja, das würde ich schon sagen. Viele weiße Menschen haben sich weitergebildet, haben Bücher zu dem Thema gelesen oder Podcasts gehört. Sie wissen jetzt, dass der Rassismus nicht der Vergangenheit angehört, sondern dass er für viele Schwarze immer noch Alltag ist. Wenn Schwarze von Rassismus berichten, glaubt man ihnen. Das ist ein Verdienst der Proteste. Aber Schwarze wurden über Jahrhunderte diskriminiert. Es gibt noch viel zu tun. Deshalb ist es wichtig, immer wieder offen über dieses Thema zu reden.

Dein SPIEGEL: Willst du zum Ende deiner Karriere eigentlich noch mal bei einem deutschen Team spielen?

Sabally: Puh, schwierige Frage. Wisst ihr: Momentan spiele ich für sehr viel Geld. Und diese Summen werden in Deutschland leider nicht gezahlt. Ich könnte mir aber schon vorstellen, mal ein Jahr in der Damen-Basketball-Bundesliga zu spielen. Ich würde es lieben, für Alba zu spielen. Das ist eine Option. Aber nicht in den nächsten fünf Jahren.

Dieses Interview erschien in »Dein SPIEGEL« 8/2024.

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