Berufe im Check: So arbeitet ein Zauberer - für Kinder erklärt - DER SPIEGEL
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Berufe für Kinder erklärt So arbeitet ein Zauberer

Jan Logemann arbeitet mit Karten, aber ohne Kaninchen. Er steht als Zauberkünstler auf der Bühne. Hier erklärt er, was das Schönste an seinem Beruf ist und verrät einige seiner Tricks im Video.
Von Claudia Beckschebe • • aus DEIN SPIEGEL 3/2025

Dose, Wein, Münzen, Zitronen. Was wie eine seltsame Einkaufsliste klingt, ist Jans Zauberzettel. »Darauf notiere ich mir, welche Tricks ich in welcher Reihenfolge präsentieren möchte«, sagt der Zauberer und faltet das Zettelchen wieder für seine Tasche zusammen. Darin liegen ein paar Gegenstände, die zu den Notizen passen, Münzen zum Beispiel. Und noch ganz viel anderer Kram. Kartenspiele, eine glitzernde Box mit einem Würfel drin, Tomaten … Jan, 40, klappt seine Ausrüstungstasche zu. Er hat schon sein Bühnen-Outfit an. Einen schicken karierten Anzug. Ob der wohl präpariert ist? Vielleicht mit kaum sichtbaren Taschen, in denen er Gegenstände unauffällig verschwinden lassen kann? Jan lächelt und sagt: »Nein, mein Anzug ist völlig normal. Wirklich.«

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Jans Zaubershow findet im Magiculum statt, einem kleinen Theater in Hamburg. Das Magiculum ist seit Langem ein Treffpunkt der Mitglieder des Magischen Zirkels. Das ist ein Verein für Zauberinnen und Zauberer. Und so sieht es dort auch aus: Die Wände sind mit dunkelroten, samtenen Vorhängen verkleidet. Die Decke ist mit einem märchenhaften Himmelsgemälde verziert. Die Wanduhr läuft rückwärts, und in Vitrinen finden sich allerhand seltsame Gegenstände, etwa eine schwebende Flasche.

Jetzt, etwa eine Stunde vor Showbeginn, muss erst mal die Technik geregelt werden. Jan steigt eine Treppe hinauf, die zu einer Galerie oberhalb des Zuschauerraums führt. Dort befindet sich die Bühnentechnik. Jan stellt die Spots und Sounds ein. Er testet die Lautstärke der Musik, die später seinen Auftritt begleiten soll. Ganz normale Arbeit und ziemlich wenig magisch.

Jan ist selbstständiger Zauberer. Das bedeutet, dass er nicht bei einer Firma fest angestellt ist, sondern seinen Arbeitsalltag selbst gestaltet. Dazu gehören verschiedene Tätig­keiten: Er tritt in Theatern wie dem Magiculum auf, aber oft wird er auch für besondere Feiern gebucht, Hochzeiten etwa, Geburtstage oder Firmenfeste. Jan gibt auch Zauberunterricht für Kinder an einer Hamburger Schule, und außerdem können Zauberkolleginnen und -kollegen seine Tricks in Schulungen lernen, mit Online-Videos zum Beispiel. »Es stimmt also nicht, dass Zauberer ihre Kunststücke nie verraten. Wir geben unser Wissen weiter – allerdings nicht ans Publikum«, sagt Jan. Klar, das soll ja auch verzaubert werden. Die Zuschauer sollen mit offenem Mund dasitzen und sich fragen: Wie macht der das bloß?

Um das zu erreichen, braucht es extrem viel Übung. Jan hat schon als Kind mit ersten Zaubertricks angefangen und gemeinsam mit seinem Bruder und einem Freund kleine Auftritte organisiert. Erst vor der Familie, dann bei Gelegenheiten wie Schulfesten oder Vereinsfeiern. Er bekam erste Gagen. »Eigentlich war mein Plan, Kinderarzt zu werden, ich habe Medizin studiert. Zaubern war mein Hobby.« Im Jahr 2013 gewann er die Weltmeisterschaft in der Kartentrick-Zauberei und wurde von nun an immer öfter für immer größere Auftritte gebucht. So wurde doch die Zauberei zu seinem Beruf.

Berufsinfo

Was ist das Schönste an dem Beruf?

»Jeder Tag ist anders, das macht mich froh, denn ich brauche die Abwechslung. Ein Bürojob wäre mir viel zu langweilig.«

Und was ist das Schlimmste an dem Beruf?

»Packen. Immer dieses Sachenpacken, das nervt mich total. Ich habe verschiedene Showprogramme, und für jedes brauche ich andere Utensilien. Der Kofferraum meines Autos wird ständig ein- und ausgeräumt.«

Wie viele Zauberer und Zauberinnen gibt es in Deutschland?

Haupt- oder nebenberuflich als Zauberkünstler arbeiten etwa 500 bis 1000 Menschen.

Wie lange dauert die Ausbildung?

Es gibt keine Fachausbildung. Zauberkünstler fangen immer mit dem Hobby Zauberei an, zum Beispiel im Jugendzirkus. Über den Magischen Zirkel, einen großen Verein von Zauberkünstlern, kann man Lehrgänge und Zauberschulen finden.

Was verdient man durch­schnittlich?

Jeder verlangt eine andere Gage, die mit dem Können wächst. Man beginnt mit ein paar Hundert Euro für einen Auftritt. Bei einem Theaterauftritt bekommt ein Zauberer rund 65 Prozent von jeder verkauften Eintrittskarte.

Was muss man können?

  • Fingerfertig sein

  • Eine hohe Frusttoleranz haben, denn es dauert lange, bis Tricks gut klappen

  • Gern auf der Bühne stehen

Für wen ist das nichts?

  • Für Leute, die einen geregelten Berufsalltag möchten

  • Für Couch-Potatos

  • Für sehr Ängstliche

Licht und Musik sind jetzt bereit, Jan hat auch seine Tasche mit den Zauberutensilien zur Bühne gebracht, auf der ansonsten bloß ein kleiner Tisch steht. Jetzt, kurz vor der Show, ist Jan … ja, wo ist er denn hin? Draußen im Foyer des Zaubertheaters drängen sich schon die Gäste. Gleich werden die Türen zum Saal geöffnet, und der Zauberkünstler ist nicht zu sehen. Er hat sich ein bisschen versteckt. Unter dem schwarzen Bühnenvorhang lugen Beine hervor. Jan hat sich hingelegt. Kopfhörer auf, entspannende Musik an, Augen zu. »Kurz erholen und Kraft sammeln, bevor es losgeht, ist ganz wichtig für mich«, hatte er vorhin erzählt.

Ein paar Minuten später steht er bereit und begrüßt fröhlich das Publikum. Viele Kinder sind darunter. Er startet mit einem Witz und bringt die Gäste zum Lachen, mit einer Art Aufwärmübung, bei der alle mitmachen müssen und sich seltsam die Arme verknoten. Die gute Stimmung sichert ihm die volle Aufmerksamkeit des Publikums.

Jans Spezialität sind Tricks, die er direkt vor den Gästen aufführt. Keine große Bühne und keine Illusionen, sondern absolute Nähe. Da muss er superschnell und fingerfertig sein, das Publikum ablenken und die Blicke der Menschen so leiten, dass sie einfach nicht verstehen, was sich da vor ihren Augen abspielt: Jan lässt Münzen verschwinden und zaubert Gegenstände aus dem Nichts hervor. Aus Tomaten werden Zitronen, und eben noch geleerte Ge­tränkedosen füllen sich magisch wieder auf. Das Publikum juchzt und klatscht vergnügt. Nach einer knappen Stunde gibt es eine Pause. »Ich habe schon einmal eine Show von Jan gesehen«, erzählt eine Besucherin. »Ich hatte gehofft, dass ich beim zweiten Mal ein paar Tricks durchschaue, aber das klappt kein bisschen.«

Vorurteile-Check

Zauberer hatten als Kind alle einen Zauberkasten.

Stimmt oft: »Die meisten Zauberkünstler fangen mit dem Hobby an, wenn sie klein sind. Irgendjemand zeigt ihnen einen Trick oder schenkt ihnen einen Zauberkasten zu Weihnachten, und dann geht’s los.«

Zauberer schummeln immer beim Mau-Mau.

Stimmt nicht: »Privat können Zauberer genauso nervös sein wie jeder andere und beim Schummeln ins Schwitzen kommen.«

Zauberer haben immer ein Kaninchen und einen Zylinder dabei.

Stimmt nicht: »Das mit dem Kaninchen aus dem Hut ist ein ganz abgelutschter Trick. Damit beeindruckt man heute niemanden mehr.«

Während sich die erwachsenen Gäste im Magiculum mit Erdnüssen und Limo stärken, übt Jan in der Pausenzeit mit den Kindern einen kleinen Trick ein. Der wird den Erwachsenen im zweiten Teil der Zaubershow gemeinsam vorgeführt. Überhaupt holt Jan für viele Kunststücke jemanden aus dem Pu­blikum auf die Bühne, der ihm assistieren darf und danach mit staunendem Blick und ratlos zuckenden Schultern wieder zu seinem Platz zurückkehrt. Nach gut zwei Stunden und viel Applaus ist der Hokuspokus vorbei. Die Zuschauerinnen und Zuschauer verlassen das Theater, allen ist ein Lächeln ins Gesicht geschrieben. Und ganz häufig hört man den Satz: Wie macht er das bloß …?

Dieser Artikel erschien in »Dein SPIEGEL« 03/2025.

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